Sonnenuntergang in Kassel (Lara Bendig)

Freitag, 6. September 2019

Warum wir Astronomie in den Schulen unterrichten sollten, Teil 4


Mich erreichte vor ein paar Tagen eine Mail aus dem weiteren Umkreis von Kassel:

Überschrift:

Das Einzige was wirklich interessant ist, kommt in der Schule nicht dran...


Neulich hatte ich eine Freistunde. Ich wurde dazu eingeladen mich in den Physikunterricht in der 10. dazu zu setzen. Ich saß nur im Hintergrund. Thema: Potentielle Energie und die Schüler sollten berechnen mit welcher Geschwindigkeit sie auf dem Boden aufschlagen, wenn sie jetzt aus dem 3. Stock springen. Einigen fiel es leicht, manche hatten Probleme und waren genervt. 
Ein Mädchen:
"Warum müssen wir so ne Scheiße ausrechnen? Wann kommt denn in Physik endlich dieses Astrologie..."
Lehrer: "Astrologie? Gibts in der Schule nicht."
M "Dieses mit Weltraum und so."
L "Astronomie! Ne das kommt garnicht dran."
M "WAS!??!?!?!?!? DAS EINZIGE, WAS WIRKLICH INTERESSANT IST, KOMMT NICHT IN DER SCHULE DRAN UND WIR MÜSSEN SO NE KACKE AUSRECHNEN!?!??! WAS IST DAS DENN FÜR NE SCHEIßE!"
L "*schmunzelt etwas* Tja ist eben so, steht nicht im Lehrplan. Aber wenn es dich interessiert, kannst du dich ja gern in Deiner Freizeit  damit beschäftigen
Ich kommentiere mal in diesem Post:
Klar, potentielle Energie und Fallbewegung muss man behandeln, auch Fall- und Auftreffgeschwindigkeiten berechnen.

Das eigentlich interessante am Fallen ist etwas ganz anderes:

Ein zusammengeknülltes Papier und eine schwere Kugel fallen gleich schnell...
Wieso eigentlich? Und immer?
Schon ist man beim Einfluss der Reibung und...bei Einsteins Relativitätstheorie:

Materie hat zwei Eigenschaften: sie ist schwer und träge.
Da sie schwer ist, kann die Erde sie anziehen...da sie träge ist, widersetzt sie sich Bewegungsänderungen. Da alle Körper gleich schnell fallen (im Vakuum) müssen Schwere und Trägheit zueinander proportional sein. Ich kann also ein Gravitationsfeld durch eine Beschleunigung eines Bezugssystems ersetzen.
Das ist das Einsteinsche Äquivalenzprinzip: Ein Raumfahrer, der sein Gewicht in einer Rakete spürt, kann ohne Informationen aus der Umwelt nicht wissen ob er auf einem Planeten ist oder seine Rakete gerade beschleunigt.
Wir kennen das, wenn wir in Sitze gepresst werden, beim schnellen Anfahren, bei Karussells, ja sogar beim Fahrstuhlfahren kann man das beobachten.

Aus diesem Äquivalenzprinzip hat Einstein letztlich hergeleitet, dass Zeiten in Gravitationsfeldern anders verlaufen...

Geht mich das was an? Ja, denn wenn Navigationsgeräte mit den Messdaten aus Satelliten den Ort ausrechnen, an dem sie sich befinden, müssen sie die Relativitätstheorie berücksichtigen....täten sie das nicht, wäre nach einem Tag der Fehler auf 30 km angewachsen...
Die nervige Frauenstimme würde sagen: Irgendwann in der nächsten Viertelstunde kommt eine Ausfahrt...passen Sie auf...

Was lernen wir?
Auch scheinbar trockener Stoff kann durch Astropyhsik richtig spannend werden....
Und: Lehrer berufen sich gerne auf Lehrpläne, wenn sie was nicht machen wollen...und: Mädchen würden besonders gerne Astronomieunterricht haben....

wird fortgesetzt...

Apropos Navi: Wie hoch war der Strafzettel?


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