Sonnenuntergang in Kassel (Lara Bendig)
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Freitag, 25. November 2022

Ein neues Astrobild aus Calden!

 Sh2-188 (Simeis 22), der "Roadrunner" unter den Planetarischen Nebeln

Sh2-188 ist ein Planetarischer Nebel (PN) im Sternbild Kassiopeia. Wegen seiner asymmetrischen sichelförmigen Gestalt vermutete man bei seiner Entdeckung 1965 zunächst einen Supernova-Überrest. Auf tiefen Ha-Aufnahmen wird jedoch die wahre ringförmige Struktur des Nebels sichtbar.

Die meisten bekannten Planetarische Nebel haben eine eher symmetrische Form, so wie z.B. der bekannte Ringnebel in der Leier M57 oder der Helixnebel. Bei diesem recht jungen PN (22.500 Jahre) liegt jedoch ein Sonderfall vor. Sh2-188 bewegt sich mit einer rasanten Geschwindigkeit von etwa 125km/s (450.000 km/h !!) durch den Raum und interagiert dabei mit interstellarer Materie, die dabei eine scharf begrenzte Stoßfront in "Fahrtrichtung" erzeugt und zu einer rückwärtigen Verwirbelung und Auflösung der Gaswolke führt. Der Helligkeitsunterschied (Dynamik) zwischen dem bogenförmigen Teil des Nebels und dem Rest des Rings ist enorm und erfordert recht lange Belichtungszeiten, speziell für die Linie des Wasserstoffs. Nur so kann man dem Objekt seine wahre Gestalt entlocken!

Belichtungsdaten:

Instrument: 12" Newton-Cassegrain NCT300 (Eigenbau) im Primärfokus mit ASA-Reducer @ f=1340mm

Aufnahmekamera: CCD QSI583wsg

Guiding: Lodestar Pro am OAG

Belichtungszeiten: Ha 10x600s+22x900s; OIII 10x900s; RGB je 10x90s @-20°C Sensortemperatur

Gesamtbelichtungszeit: 10h25m

Astrodon Filtersatz

Liebe Grüße vom DistantHorizonObservatory aus Calden

Dietmar Gutermuth



Montag, 6. Dezember 2021

Mit SOFIA unterwegs im Kosmos, Teil 4: Das erste Molekül im Kosmos

 Das Jahr 100 000 nach dem Urknall...

Der Kosmos hat sich auf etwa 4000°C abgekühlt, Heliumatomkerne können Elektronen einfangen und behalten...nur der Wasserstoff ist noch ionisiert...als H+.

Sehr viel mehr gibt es nicht...also: Verbindung zu He+, Heliumhydrid.

Das ist die stärkste Säure, die es im Kosmos gibt, denn das Proton wird selbst an neutrale Moleküle abgegeben.

Die gab es damals natürlich nicht, aber HeH+ sollte es gegeben haben.

Seit langer Zeit wird HeH+ im Labor hergestellt und untersucht.

Nur im heutigen Kosmos hat das bisher noch niemand gefunden...

Im April 2019 wurden Beobachtungen veröffentlicht, die an Bord von SOFIA gemacht worden sind: Erstmalig ist HeH+ im Kosmos nachgewiesen worden.

Fündig wurde man am planetarischen Nebel NGC 7027. Er steht in 3000 Lj Entfernung. Mit 0,2 Lj Durchmesser und eine Alter von etwa 600 Jahren ist er einer der jüngsten seiner Art.

Vor kosmisch kurzer Zeit hat ein Riesenstern seine Gashülle abgestoßen und sein erdgroßes etwa 100 000 K heißes Zentrum freigelegt. Daraus bildet sich ein Weißer Zwerg, die abgestoßene Hülle sieht man für eine Weile als planetarischen Nebel.

Im Übergangsgebiet vom hellen Inneren zum kühleren Äußeren da kann sich HeH+ bilden und genau dort konnte man es mit dem Spektrometer GREAT an Bord von SOFIA auch nachweisen.

Das zweite Bild zeigt das Spektrum bei 0,149 mm Wellenlänge: Die Emissionslinie von HeH+ ist gut zu sehen. Die starke Verbreiterung kommt von der Expansion des Nebels.

Bild: HST/NASA/ESA

          MPIfR




Freitag, 26. Februar 2021

Eine kosmische Armbanduhr

 Das Hubble Space Teleskop hat dieses Bild gemacht:

Es ist der bipolare planetarische Nebel M1-63. Solche Strukturen entstehen, wenn im Inneren ein Doppelsternsystem sitzt.

Bild: ESA/HST/NASA



Freitag, 4. Dezember 2020

Wenn das Sterben eines Sternes beginnt...

 Der 18 000 Lichtjahre entfernte Stern SAO 244567 wurde vor etwa 70 Jahren zum ersten Mal intensiv untersucht und eindeutig als Roter Riese klassifiziert. 

30 Jahre später tauchten die ersten Anzeichen eines planetarischen Nebels auf.

Was war passiert: Sterbende Rote Riesen verlieren ihre äußere Gashülle und beleuchten sie dann von Innen, so dass die Gase sichtbar werden.

In den kleinen Fernrohren früherer Zeiten sahen sie wie kleine Planetenscheibchen aus, deshalb nannte man sie planetarische Nebel. Vielleicht nicht ganz so daneben, denn ihr Staub ist Ausgangspunkt für Planetenentstehung in den folgenden Sterngenerationen.

Vor 24 Jahren fotografierte dann das Hubble Space Teleskop HST den inzwischen aufgeblähten und hell leuchtenden Nebel. Man nannte ihn Stingray-Nebel (Stechrochen-Nebel).

In nur wenigen Jahrzehnten hatte der Riesenstern den Übergang zu einem Weißen Zwerg eingeläutet.

Überraschenderweise entdeckte man jetzt auf HST-Aufnahmen aus dem Jahr 2016 eine deutliche Verringerung von Helligkeit und Größe des Nebels.

Das ist sehr ungewöhnlich, denn planetarische Nebel dehnen  sich aus (der Stern stößt ja seine Hülle ab) und werden dadurch in Jahrtausenden lichtschwächer.

Was hier passiert ist, bleibt zur Zeit noch rätselhaft.

Aber sicher ist, dass wir hier den jüngsten planetarischen Nebel bei seiner Entstehung beobachten konnten.

Vielleicht war die größere Helligkeit und Form von 1996 auf einen sehr kurzen Helium-Flash des sterbenden  Sternes zurückzuführen: eine explosionsartige Zündung von Heliumfusion mit verstärktem Abstoßen der Hüllengase.

Credit: NASA/ERSA/Baolick, Gremero, Kornmesser, Ramos-Larios

Das Video zeigt sehr schön die ungewohnten Änderungen. Der Nebel wird kleiner und schwächer!




Sonntag, 8. November 2020

Der Abstieg hat begonnen...

 Da es am Sonntagmorgen immer noch klar war, kann ich auch von der Nacht der 6 Planeten sprechen:

Innerhalb von 11 Stunden konnte ich Jupiter/Saturn, Mars/Uranus und Merkur/Venus fotografieren.

Wenn man die Aufnahmen von Merkur und Venus heute am Sonntag mit denen am Samstag vergleicht, merkt man, wierschnell sich die beiden Planeten am Himmel bewegen.

Venus ist schon lange auf dem Weg zur Sonne, ihr Abstand zu Porrima hat sich in einem Tag deutlich vergrößert.

Merkur hatte am Samstag seinen größten Abstand zur Sonne. Da stand er fast auf gleicher Höhe mit Spica, am Sonntag steht er dnun eutlich neidriger. Er beendet bald seine Morgensichtbarkeit. Aber vorher gibt es noch einige markante Begegnungen des abnehmenden Modnes mit Venus und Merkur.

Bild 1: 5.56 Uhr

Bild 2: 6.13 Uhr

Bild 3: 6.17 Uhr





Sonntag, 1. November 2020

Scull-Nebel

 Passend zu Halloween hat die ESO ein neues Bild von NGC 246 im Sternbild Cetus veröffentlicht. Dieser 1600 Lichtjahre entfernte planetarische Nebel sieht aus wie ein Schädel, zumindest von der Form her.

Planetarische Nebel entstehen, wenn Riesensterne ihre Hüllen abstoßen und zu Weißen Zwergen werden.

Der Weiße Zwerg wird von einem 75 Milliarden km entfernten zweiten Stern umkreist.

Dieses enge Doppelsternsystem ist im Zentrum der Gaswolke zu sehen.

Nicht sichtbar ist ein dritter Stern, der die beiden in 285 Milliarden km umkreist.

Ein planetarischer Nebel, der ein Dreifachsystem umhüllt, ist sehr selten. Dieser hier war der erste, der entdeckt wurde.

Bild: ESO

Video: Heranzoomen

Video: Kurzbericht