Sonnenuntergang in Kassel (Lara Bendig)

Freitag, 23. August 2019

Alpenglühen auf dem Mond und morgenlicher Wintereinbruch über Kassel

Heute haben wir abnehmenden Halbmond. Nur noch die Bergspitzen der Mondalpen und der Mondapenninen werden beleuchtet.
Die Außenwand von Sinus Iridium wirft einen ersten Schatten in die Tiefebene. Der Krater Archimedes steht an der Schattengrenze. Der untere Kraterrand ist durchbrochen und geht in ein dreiecksförmigen Gebirgszug über, so als sei etwas bei der Entstehung aus dem Krater herausgelaufen.
Die Bilder wurden am Freitag früh gegen  5.12 Uhr gemacht.
Die Bezeichnung der anderen Mondformationen entnehme man dem Post vom 22.8.

 


Die Morgendämmerung hat schon begonnen und über dem Osten Kassel konnte man schon in den Winter sehen: Das Sternbild Orion durchbrach noch die Dämmerung (Aufnahme 5.12 Uhr).


Hier die nichtkomprimierte Aufnahme:


Donnerstag, 22. August 2019

Zur Erinnerung: Fr und Sa Sternwarte geöffnet

Am Freitag wird es klaren Himmel geben, die Sternwarte auf dem SFN (Parkstr.16) ist ab 20.30 Uhr geöffnet.
Am Samstag kann man zwischen 14 und 15 Uhr die Sonne beobachten.


Jupiter und Saturn

Die beiden großen Gasplaneten stehen eh nur tief am Himmel und nähern sich jetzt in den nächsten Wochen abends immer mehr ihrem Untergang.
Die Beobachtungen durch den Horizontdunst sind schwierig, manchmal sieht man selbst die Jupitermond nicht.
Heute war es etwas besser, drei der vier großen Monde sind sichtbar gewesen.
Selbst Saturn zeigte im 1200 mm Tele seinen Ring. Wir blicken recht steil von oben auf die Ringebene, man erkennt die beiden Henkel links und rechts von Saturn. Oberhalb des Saturn fällt sein Schatten auf den Ring und er scheint unterbrochen zu sein.
Jupiter lauft jetzt wieder nach Osten, der Winkel zwischen Sabik, Jupiter und Antares vergrößert sich wieder (vergl. frühere Posts).
Die Aufnahmen entstanden um 21.30 Uhr.


Abendstimmung in den Alpen vor dem Goldenen Tor der Ekliptik

Der Bereich zwischen den beiden offenen Sternhaufen Hyaden und Plejaden im Stier nennt man das Goldene Tor der Ekliptik. Da stand heute Nacht der Mond vor.
Für die Mondalpen und Mondapenninen war Sonnenuntergang, die Bergspitzen warne noch beleuchtet. Und auch das Alpental konnte man in einer ungewohnten Abendstimmung sehen.

Die Strahlen des Tychos sind nicht mehr sichtbar, dafür schön der Zentralberg des Kraters.
Während bei zunehmenden Mond die Ostwand des Aristarchus weiß leuchtet, erkennt man nun, dass auch die andere Kraterwand aus dem gleichen sehr gut reflektierenden Material besteht.

Die Aufnahmen entstanden um 3.35 Uhr und 3.37 Uhr in der Nacht vom Mittwoch auf Donnerstag, der Mond stand hoch im SO.




Einladung zu zwei Vorträgen

In Moskau haben wir die deutschsprechende russische Physikerin Elizaveta Konstantinova kennen gelernt, die in der Lage ist selbst abstrakteste Zusammenhänge allgemein verständlich zu erklären.

Wir haben sie zu zwei Vorträgen eingeladen, zu denen wir alle Interessierten herzlich einladen. Zu dem Vortrag um 10.00 Uhr können auch ganze Schulklassen kommen (bitte vorher anmelden).


Prof. Dr. Elizaveta A. Konstantinova, Physics Department, Moscow State Universit, hält zwei Vorträge:
10.00 Uhr
Ort:  Aula der ASS
Einzigartige Eigenschaften von titanbasierten Nanomaterialien
 - Zersetzung von organischen Substanzen unter Lichteinfall
 - Anwendung der antibakteriellen Eigenschaften in der Biomedizin

18.00 Uhr Vortrag in der Reihe Pizza with the Prof
Ort: SFN


Neue Methoden zur Untersuchung der Halbleitereigenschaften von Nanopartikeln
- Optische Spektroskopie
- Anwendung in der Krebstherapie
- Entwicklung von Energiespeichern
Im Vortrag um 18.00 Uhr wird Frau Konstantinova ihre neuesten Forschungsergebnisse vorstellen.


Mittwoch, 21. August 2019

Es klart etwas auf...

...und Jupiter kämpft sich gegen 21.15 Uhr durch den Hochnebel durch...Der Mond Io wird vom überbelichteten Jupiter überstrahlt, er steht direkt neben ihm.



Was ist eigentlich eine Ladung? Eine kleine Einführung in die Philosophie der Eigenschaften, Teil 1

Irgendwann, wenn man sich länger mit Physik beschäftigt, hat man sich daran gewohnt, dass es Ladungen gibt und kann mit ihnen rechnen.

Ich zitiere mal Wikipedia:
Die elektrische Ladung (Elektrizitätsmenge) ist eine physikalische Größe, die mit der Materie verbunden ist, wie z. B. auch die Masse. Sie bestimmt die elektromagnetische Wechselwirkung, wie also Materie auf elektrische und magnetische Felder reagiert und diese hervorruft. Ihr Formelzeichen oder ist vom lateinischen Wort ‚quantum‘ abgeleitet. Im Internationalen Einheitensystem wird die Ladung in der abgeleiteten Einheit Coulomb (= Amperesekunde) angegeben. 

Übersetzen wir mal: Eine (elektrische) Ladung ist etwas, das mit der Materie verbunden ist und eine (elektrische) Wechselwirkung bestimmt.

Wir sprechen also immer davon, dass ein Objekt die Eigenschaft "geladen" besitzt, wenn es eine bestimmte (elektrische) Wirkung zeigt.

Eine elektrische Ladung ist also eine bestimmte Eigenschaft eines Objektes, die wir nur an seiner Wirkung erkennen.

Was eine Ladung aber "wirklich", "real" ist, kann niemand sagen. Wir können immer nur Eigenschaten auf Grund von Wirkungen feststellen.

Denken wir also mal über ein Elektron nach. Auch an diesen Begriff gewöhnt man sich, gesehen hat es noch niemand...wir wissen aber, wo Wirkungen auftauchen, die wir Elektronen zuordnen können:

Chemiker reden bei chemischen Reaktionen manchmal vom Elektronentausch, Techniker vom elektrischen Strom als Elektronenstrom.

Ein Elektron hat aber noch andere Eigenschaften als elektrisch geladen zu sein:

- Ein Elektron reagiert so als hätte es einen bestimmten Drehimpuls, man ordnet ihm die Eigenschaft Spin zu. Aber wir wissen nicht, ob es sich wirklich dreht. Vermutlich hat es sogar keine Ausdehnung...und ohne Ausdehnung zu haben ist Drehen wirklich schwierig.....

- Ein Elektron reagiert träge, man ordnet ihm die Eigenschaft Masse zu haben zu. Massen üben auch Kräfte auf andere Massen  aus, so wie elektrische Ladungen auf andere elektrische Ladungen. Trotzdem sprechen wir aus historischen Gründen nicht von "Masseladung".

- Ein Elektron zeigt auch bestimmte Wechselwirkungen bei Radioaktivität. Das beschreibt man durch die Eigenschaft "linkshändig", die von einer "schwachen Ladung" (das hat nichts mit elektrischer Ladung zu tun) herkommt. Linkshändig heißt: wenn es sich längs des Daumens der linken Hand bewegt, dann dreht es sich so wie die gekrümmten Finger der linken Hand zeigen.

- Ein Elektron hat keine sog."starke Ladung", deshalb ist es kein Bestandteil der Atomkerne sondern kann nur in der Hülle vorkommen.

- Ein Elektron hat auch eine Eigenschaft, an der man es als Elektron erkennt. Diese Eigenschaft kann z.B. an ein nahezu masseloses Teilchen, das Neutrino übergehen, das es auch wieder an ein anderes Objekt zurückgeben kann und dieses dann zum Elektron machen kann. Ein Elektron hat also auch eine "Elektroneneigenschaft". Diese macht es aber nicht zum Elektron, denn auch Neutrinos können Elektroneneigenschaften haben und sind definitiv keine Elektronen (sie sind z.B. ungeladen).

Ein Elektron hat also ein Bündel von Eigenschaften und genau ein solches Eigenschaftsbündelk bezeichnen wir als Elektron. Und genau das nennt man ein Objekt. In der sog. Tropenontologie betrachtet man Bündel von Eigenschaften als Grundelemente des Seins, nicht die Teilchen...die es eigentlich gar nicht gibt.

(Hinweis: Trope ist der philosophische Begriff, der recht gut den umgangssprachlichen Begriff Eigenschaft annähert. Ontologie ist ein Gebiet der Philosophie, die Lehre des Seins, die nach dem fragt, was hinter den Erscheinungen und Wahrnehmungen steht).

Wenn zum Beispiel sich ein Müon in ein Elektron umwandelt, werden einfach Eigenschaftsbündel neu zusammengesetzt.

Immer wenn ich eine Elementarteilchenreaktion versuche zu verstehen, sehe ich zwei Strohbündel (Eigenschaftsbündel) aufeinender zu fliegen, sich öffnen und neu zusammensetzen.

Das ist eigentlich ganz geschickt gemacht von den Philosophen...Die Welt besteht aus Bündel von Eigenschaften und wir geben diesen Namen wie Elektronen, Müonen, Tisch, Proton, Stuhl, Seele, Gedanke, Gehirn...

Wir brechen hier ab...denn die Übertragung auf große Dinge wie Stühle und Gehirne oder gar nicht materielle "Dinge" wie Gedanken, Gefühle und Seele..erfordert viel Diskussion und sprengt den Post.

Das ist ein Astronomie-Blog...was hat das nun mit Astronomie zu tun?

Im nächsten Post werden wir sehen, dass im Kosmos alle (?) Eigenschaften erhalten bleiben, keine dazu kommt, sich eigentlich nichts ändert. Nur durch Umordnen der Eigenschaftsbündel können wir Veränderungen der Welt erkennen.

Ein Haufen Legosteine besteht immer aus den gleichen Steinen, egal zu was man sie zusammensetzt...damit kann man Häuser, Windmühlen und anderes bauen und neue makroskopische Eigenschaften erzeugen ohne die mikroskopischen Eigenschaften der Legosteine zu ändern.

Genau so kann man mit den im Kosmos vorhandenen Eigenschaften alles mögliche zusammensetzen: Sterne, Protonen, Menschen, Galaxien...

Wird fortgesetzt...

PS: Zu den Posts bin ich durch eine Diskussion in meinem Physik LK über Ladungen angeregt worden.

Bild: Leifiphysik





Dienstag, 20. August 2019

Der abnehmende Mond am Dienstagfrüh

Heute früh  (Dienstag) stand der abnehmende Mond hoch am Himmel. Das Bild entstand um 5.30 Uhr.



Film im Offenen Kanal: SOFIA - Das fliegende IR - Teleskop, aktualisiert

Wer ihn noch nicht kennt...

Der OK Kassel wiederholt diese Woche meinen Dokumentarfilm über das IR - Teleskop SOFIA, das in der Stratosphäre den Kosmos beobachtet. Ich konnte vor knapp drei Jahren die NASA - Basis besuchen und an zwei Flügen teilnehmen.
Termine:

Dienstag, 20.8.: 19.55 Uhr und 23.55 Uhr
Mittwoch, 21.8.: 11.55 Uhr und 15.55 Uhr
Samstag: 15.55 Uhr
Sonntag: 15.55 Uhr



Montag, 19. August 2019

Blick zur Sonne

...bei der klaren Luft bietet es sich an die Sonne zu fotografieren...aber ein Blick auf die aktuellen Bilder des Satellitensonnenobservatoriums SDO zeigt, dass es sich nicht lohnt...

Das Weißlichtbild zeigt sicher sehr schön die Randverdunklung, aber keinerlei Sonnenfleck oder Sonnenfackeln. Auch im Licht des ionisierten Heliums sieht man nur wenige kleine Protuberanzen in der Korona.

credit: SDO




Beobachtungstipps

Heute (Mo, 19.8.) könnte es mal wieder halbwegs klar werden...
Ab 21.30 Uhr ist es ausreichend dunkel. Nahezu im Süden steht der Saturn, leider nicht all zu hoch am Himmel (nur 15°). Rechts davon, fast schon im SW noch etwas niedriger der hellere Jupiter. Wer halbwegs freie Horizontsicht hat, erkennt rechts unterhalb Antares mit dem Stachel des Skorpions.

Jupiter ist wieder rechtläufig geworden, d.h. er wandert wieder Richtung Osten, also nach links, und vergrößert in der nächsten Zeit wieder den Winkel, den er mit der Verbindungslinie Sabik - Antares bildet (siehe frühere Posts dazu).

Hoch über den beiden Planeten sieht man das Sommerdreieck aus Wega, Deneb und Atair mit den dazugehörigen Sternbildern und vielleicht sogar mit der Milchstraße.

Im Westen wird man den hellen, rötlich leuchtenden Arkur finden und weiter im NW nähert sich der Große Wagen seiner tiefsten Stellung.

Gegen 22.40 Uhr ist es dann mit der Beobachtung der Milchstraße vorbei, fast genau im Osten geht der noch zu 84% beleuchtete abnehmende Mond auf und prägt den Rest der Nacht.

Sonntag, 18. August 2019

Sternentstehung am Staubgürtel

Mit einem der 1 m Teleskope der Speculoos Fernrohre in Paranal Chile (siehe eine der Adventskalenderaufgaben vom Dezember, mit den vier Teleskopen sollen Exoplaneten utnersucht werden) wurde beim First Light im Sommer dieses herausragende Bild der Galaxie Cen A aufgenommen, eine der hellsten Galaxien am Südhimmel.

Sie ist 11 Millionen Lichtjahre entfernt und besitzt einen aktiven galaktischen Kern, in dem ein supermassives Schwarzes Loch von 100 Millionen Sonnenmassen sitzt.

Die ungewöhnliche Struktur der Galaxie lässt sich am besten durch einen Verschmelzungsprozess einer großen elliptischen Galaxie mit einem kleinen Spiralsystem vor 250 Millionen Jahren erklären.
Links unterhalb des Staubbandes sind rote Flecken, das sind riesige Sternentstehungsgebiete. Die blauen Bereiche rechts oberhalb des Staubbandes sind Sternhaufen aus jungen heißen Sternen.

Vom Schwarzen Loch aus gehen zwei riesige Jets weg, die bis zu 30 000 Lichtjahre in den Raum ragen und in große Radioblasen übergehen, wenn sich am Rand der Galaxie eine Stoßwelle ausbildet.
Die reichhaltigen Strukturen von Cen A sieht man nur, wenn man "Bilder" aus allen Strahlenbereichen überlagert.

credit: ESO/SPECULOOS Team/E. Jehin


Das kombinierte Bild aus Submillimeter Strahlung (orange), Röntgenlicht (blau) und sichtbarem Licht zeigt alle wesentlichen Strukturen der Galaxie.
Von ESO/WFI (Optical); MPIfR/ESO/APEX/A.Weiss et al. (Submillimetre); NASA/CXC/CfA/R.Kraft et al. (X-ray)Derivative work including grading and crop: Julian Herzog - http://www.eso.org/gallery/v/ESOPIA/Galaxies/phot-03a-09-fullres.tif.html[toter Link], CC-BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=22250179


Samstag, 17. August 2019

Blick auf den Mond, mit Gamma-Augen...

Wenn wir Gamma-Augen hätten, d.h. für hochenergetische Gammastrahlung empfindliche Augen, so wäre der Mond für uns das hellste Objekt am Himmel.

Das Fermi Gammy-Ray Space Telesope der NASA registriert sein über 10 Jahren die Gammastrahlung vom Mond. Die Bilder zeigen ein Himmelsareal von 5°x 5° am Himmel (Monddurchmesser 0°,5) und registrieren Gammastrahlung von mehr als 30 MeV (Licht hat eine Energie von etwa 2 eV).

Allerdings ist die Auflösung des Gammateleskops kleiner als die des menschlichen Auges, man erkannt also nicht die Mondscheibe, sondern nur die Richtung, aus der die Strahlung kommt.

Dass man keine Mondphasen erkennt, ist verständlich, denn die Gammastrahlung kommt aus dem Regolith-Gestein der Mondoberfläche, unabhängig ob dort Sonnenlicht hinfällt oder nicht.

Was die Mondoberfläche aber treffen muss, ist die kosmische Strahlung, insbesondere hochenergetische Protonen, die von Supernovaexplosionen oder Schwarzen Löchern stammen.
Da der Mond kein Magnetfeld hat, können sie ungehindert auf die Oberfläche prasseln und dort die Atomkerne des Mondgesteins anregen, Gammastrahlung auszusenden.

Ein bisschen schützt das Sonnenmagnetfeld auch die Mondoberfläche vor kosmischer Strahlung. Da es im Sonnenfleckenminimum besonders schwach ist, steigt die Gammastrahlung des Mondes im Sonnenfleckenminimum an (siehe frühere Posts zu diesem Thema).

Auf alle Fälle ist klar: Menschen, die einmal längere Zeit auf dem Mond leben wollen, müssen sich sehr effektiv vor der kosmischen Strahlung schützen!

Wie man einen Schutz aus Mondgestein entwickeln kann, das ist auch Thema eines Forschungsprojektes im SFN. Die Schüler lernen das Aufschmelzen und Formen des Gesteins und bauen eine künstliche Strahlenquelle, mit der sie die Absorptionsfähigkeit ihres Strahlungsschutzes testen können.
Bildfolge der Mond-Gammastrahlung mit unterschiedlich langen Belichtungszeiten, bis zu 10,7 Jahren
Animation mit maßstäblichem Mondbild
credit: NASA/DOE/FermiLAT Coll.

Test der Lichtmessanlage auf dem SFN

Seit 5 Monaten messen wir jede Nacht die Himmelshelligkeit über dem SFN und sind durchaus sehr erstaunt. Nicht selten konnten wir Sterne schwächer als 4 mag, manchmal sogar 5 mag sehen. Das sind für das Innere einer großen Stadt extrem gute Werte.

Um die SFN - Lichtmessanalage zu überprüfen, haben am Freitag Nastja und Aljona Marsor aus Bad Wildungen mit ihrem mobilen Messgerät Parallelmessungen vorgenommen. Diese müssen erst ausgewertet werden und dann werden wir beide Messgeräte vergleichen können.

Nastja und Aljona haben in den letzten Monaten in verschiedenen Orten und Waldgebieten in und um Bad Wildungen Messreihen zur Himmelshelligkeit durchgeführt und werten sie gerade aus.
Bald werden wir auch hier neue Erkenntnisse haben, diese aber wegen einer möglichen "Jugend forscht" - Arbeit erst später veröffentlichen.

Wer die aktuellen Helligkeitswerte über der Kasseler Innenstadt sehen will: Hier im Blog rechts oben sind die Messkurven dargestellt.

Informationen dazu:

Auf der waagerechten Achse ist die Uhrzeit der Messung aufgetragen. Der Messwert wird während der Nachtstunden stündlich aktualisiert.

Rechts wird die Mondhöhe angezeigt (falls der Mond zu sehen ist). Der Mond, vor allem bei Vollmond, trägt erheblich zur Aufhellung des Himmels bei.

Auf der linken Skala ist die Grenzgröße in Magnituden aufgetragen. 3,8 bedeutet, dass man noch Sterne mit der Helligkeit 3,8 Magnituden erkennen kann. Je größer diese Zahl ist, desto dunkler ist der Himmel.

Das freie Auge kann bei absolutem dunklem Himmel (Hochgebirge) Sterne bis zu 6 magnituden erkennen.
Ein Stern, der 5 Magnituden heller ist, also 1 Magnitude hat, strahlt 100- mal so viel Licht in unser Auge!
5 Magnituden Unterschied bedeutet ein Faktor 100 in der Intensität.

(Für Fachleute: magnitude 1 - magnitude 2 = - 2,5 * log(Intensität1/Intensität

Das Logarithmieren entsteht durch die Umsetzung der Lichtintensität in einen Helligkeitseindruck (Magnitude) durch unseren Körper. Unser Körper logarithmiert die Reize zu Empfindungen  (d.h. er stellt nur die Hochzahlen (die Logarithmen) dar). In der Akustik erhält man so Lautstärkeangaben in Phon oder dB.)

Am besten macht man sich diese Zahlenskala an Beispielen klar:
Sonne - 26 mag
Vollmond - 13 mag
Venus bis zu - 4,7 mag
Sirius - 1,5 mag
Beteigeuze +0,5 mag
Polarstern + 2 mag
Sterne des Großen Wagens zwischen 2 und 3 mag
Uranus 5,9 mag
Pluto 14 mag
Das HubbleSpaceTeleskop erfasst Sterne bis zu 31 mag.

Unser Bild zeigt Nastja und Aljona während der Kontrollmessungen. Ihr transportables Messgerät steht auf der Spendenbox, dahinter sieht man das fest installierte SFN - Messgerät.

Freitag, 16. August 2019

Blick über Kassel

...von der Sternwarte auf dem SFN aus. Zu sehen sind um 21.47 Uhr Jupiter mit Antares und Sabik, ein Kran und Saturn.


Im Osten ging der schon stark hinter Wolken stehende Mond auf, ein Tag nach Vollmond.


Wie entwickeln sich Galaxien?

Erst seit kurzer Zeit können sich Astrophysiker dieser Frage genauer widmen. Es zeigt sich, dass deutliche Veränderungen von Galaxien über Jahrmilliarden hinweg sichtbar sind:
Galaxien, deren Licht mehr als 10 Milliarden Jahre zu uns unterwegs war, sind heller und bläulicher als nahestehende (also ältere) Galaxien.

Sehr wahrscheinlich sind früher häufiger heiße blaue Sterne entstanden, außerdem werden ältere Sterne rötlich (Rote Riesen).

Galaxien zeigen also wahrnehmbare Entwicklungen. Wie sind sie aber entstanden?
Vermutlich haben Konzentrationen von Dunkler Materie normale Materie angezogen  und somit zur Bildung von Sternen, Sternhaufen und kleinen Galaxien beigetragen.

In einem bestimmten Entfernungsbereich, d.h. innerhalb eines bestimmten Entwicklungszeitraumes, beobachten wir sehr häufig Quasare, also aktive Zentren von Galaxien, in denen Supermassive Schwarze Löcher Materie verschlingen und dabei Energie freisetzen.

Haben diese Supermassiven Schwarzen Löcher die Galaxienentstehung beeinflusst oder sind sie erst nachträglich durch Verschmelzung zahlreicher Sterne in den Zentren entstanden?

Wie sind die großen Galaxien, wie Spiralsysteme oder elliptische Galaxien entstanden?

Viele Fragen sind noch nicht endgültig geklärt.

Hubble hat vermutet, dass sich die Spiralgalaxien aus elliptischen Galaxien bilden. Wir wissen, dass das falsch ist. Alle Galaxientypen enthalten alte Sterne, sind also nicht unterschiedliche Entwicklungsstadien sondern eher gleich alt. Elliptische Galaxien müssen interstellare Materie verloren haben, weshalb die Sternentstehung ausgesetzt hat, während sie bei Spiralgalaxien immer noch andauert.

Wir vermuten, dass zahlreiche Verschmelzungen kleiner Zwerggalaxien zum Wachstum der großen Galaxien beigetragen haben. Solche Verschmelzungsprozesse werden heute oft beobachtet.

Das Bild (credit ESO) zeigt  die 220 Millionen Lichtjahre entfernten Galaxien NGC 7256 und Arp 226 im Sternbild Adler bei ihrer Millionen Jahre dauernden Verschmelzung.

Viele Fragen zur Galaxienentwicklung sind noch offen, in vielen Bereichen fehlen mathematische Modelle oder Simulationen, aber die Erkenntnis, dass Galaxien Systeme sind, die sich verändern, miteinander Kontakt haben und verschmelzen können, hat das Bild von den einsamen Welteninseln abgelöst.


Donnerstag, 15. August 2019

Windig

Die 12 Millionen Lichtjahre entfernte Galaxie M 82 im Großen Bären ist vor langer Zeit durch einen nahen Vorübergang der Spiralgalaxie M 81 aufgewirbelt worden. Es setzte eine Welle der Sternentstehung ein, weshalb man M82 als starburst - Galaxie bezeichnet.
Die vielen jungen Sterne erzeugen starke Sternenwind (abgeblasene heiße Gasschichten), die zusammen einen sehr starken galaktischen Wind aus Gas und Staub erzeugen.
Er ist auf diesem Bild des Hubble Space Teleskops als rötliches Leuchten sichtbar. Die rote Farbe kommt von Wasserstoffionen, die wieder Elektronen einfangen und die in den Gas- und Staubwinden besonders häufig sind.
Die einzelnen Windströme ragen bis zu 10 000 Lichtjahre aus der Scheibe der Galaxie hinaus.
credit:  NASA, ESA, Hubble; D. Nobre



Mittwoch, 14. August 2019

Mondaufgang

Mondaufgang gegen 21.00 Uhr, ein Tag vor Vollmond über dem Südosten Kassels.



Mondaufgang zwischen 20.58 Uhr und 21.01 Uhr als Animation:


Was ist Milkomeda?

Noch redet niemand davon...aber in einigen Milliarden Jahren wird das unsere Heimatgalaxie: Andromedagalaxie und unsere Milchstraße werden kollidieren und wohl langfristig verschmelzen.
Manche Astronomen nennen dann das neue System jetzt schon mal Milkomeda....

Vor 100 Jahren begannen Astronomen zu begreifen, dass zahlreiche der sog. "Nebelflecken" am Himmel eigene Sternsysteme sind und die eigentlichen Bauteile unseres Universums. Sie galten Jahrzehnte als "einsame Welteninseln".

Heute wissen wir: es sind stark wechselwirkende Systeme!

Galaxien sind nicht nur durch Netzwerke aus Dunkler Materie verbunden, sie beeinflussen auch gegenseitig ihre Entwicklung und letztlich wachsen sie durch Verschmelzung und Einverleibung von kleinen Galaxien.
Auch unsere Galaxis enthält in ihrem Inneren "Skelette" vergangener "Mahlzeiten": zahlreiche Zwerggalaxien hat sie schon einverleibt.
Die große Verschmelzung mit der Andromedagalaxie steht in ferner Zukunft bevor.

Das neueste Bild vom Hubble Space Teleskop zeigt das System UGC 2369:
Die beiden Galaxien sind sich schon so nahe gekommen, dass eine Verbindungsbrücke aus Gas, Staub und Sternen zwischen ihnen entstanden ist.

credit: ESA/Hubble & NASA, A. Evans



Dienstag, 13. August 2019

Perseiden 2019: Es gibt sie doch!

Jonas Plum hat heute Nacht einige Sternschnuppen der Perseiden gesehen und fotografiert, einmal um 1.04 Uhr und dann um 1.18 Uhr für je 10 Sekunden belichtet.

Sternschnuppen sind die Leuchtspuren von in der Erdatmosphäre verglühenden Staubteilchen (siehe Post vom 4.8.!






Montag, 12. August 2019

Bald ist Vollmond

Gegen 22.30 Uhr zogen sich die Wolken zurück und der Mond (3 Tage vor Vollmond) war neben Saturn zu sehen.

Auf dem Mond steht der helle Krater Aristarchus nahe der Schattengrenze. Seine westliche Kraterwand wird von der Morgensonne hell erleuchtet. Auch die Strahlensysteme von Tycho und Kopernikus tauchen auf.

Wieder sind nur die neu an der Schattengrenze auftretenden Mondformationen beschriftet. Die Namen der anderen Mare kann man früheren Posts entnehmen.






Eine äußerst schöne Spiralgalaxie

war das Hubble- Bild der Woche..., es ist vom Hubble Space Teleskop aufgenommen worden.

NGC 2985 steht im Großen Bären und ist 70 Millionen Lichtjahre von uns entfernt.

credit: ESA/Hubble & NASA, L. Ho

Sonntag, 11. August 2019

Wie rechnet man den Stundenwinkel aus?

Dies ist die Fortsetzung des Posts vom 6.8.! Bitte dort noch einmal nachlesen, wenn etwas nicht gleich klar wird.

Die Himmelskoordinaten werden in einem Koordinatensystem angegeben, das fest am Himmel verankert ist und sich mit ihm um die Erde dreht. Es ist sozusagen das System aus Länge und Breite, das von der Erdoberfläche an den Himmel übertragen wird.

Als Längengröße gibt man die Rektaszension RZ an, das ist der Winkelabstand zum Frühlingspunkt, gemessen auf dem Himmelsäquator.
Es ist üblich die RZ nicht in Grad, sondern in Stunden anzugeben: 24 Stunden entsprechen 360 Grad!
Gezählt wird entgegen dem Uhrzeigersinn, also Richtung Westen nach Süden.

Die Breitenangabe ist die Deklination, der Winkelabstand zum Himmelsäquator.

Da das Himmelsgewölbe sich dreht, müssen wir ausrechnen, wo wir hinsehen müssen um ein Objekt mit einer bestimmten RZ zu sehen.

Der Stundenwinkel SW ist die fest am Horizont verankerte Koordinate, die sich nicht mitdreht, die sich aber durch die Drehung des Himmels ständig ändert.

Genau im Meridian (im Süden) gilt SW 0, im Westen ist der SW 90° oder, üblicher, 6 Stunden, im Norden dann 12 Stunden usw...

Wir müssen also aus der RZ den SW ausrechnen, um ein Fernrohr richtig einstellen zu können.

Das geschieht mit Hilfe der Sternzeit SZ.
Die SZ ist der Stundenwinkel des Frühlingspunktes, gibt also an, vor wieviel Stunden und Minuten der Frühlingspunkt im Süden stand.
Wenn ich also die Sternzeit kenne (dazu gibt es besondere, etwas langsamer gehende Uhren oder Software), weiß ich wo am Himmel der Frühlingspunkt steht, also der Ausgangspunkt der Himmelskoordinaten. Dann brauche ich von dort aus nur noch die RZ abtragen und bin beim Objekt!

Man kann aber auch rechnen:

SW = SZ - RZ.

Früher konnte man dann den SW und die Deklination an den Teilkreisen der Montierungen einstellen, heute übernehmen alles die Einstellcomputer:
Sie kennen Rektaszension und Deklination des Objektes, wissen die Sternzeit und fahren das Fernrohr in Sekunden zum gewünschten Objekt....

Woher wissen sie die Sternzeit?
Entweder berechnen sie sich aus der aktuellen Tageszeit, holen sie aus dem Netz oder, meistens, bestimmen sie aus einem Stern, den man einstellt und dessen RZ sie wissen.

Verstehen und Können muss der Beobachter nichts mehr...nur den Namen des Objektes kennen...aber auch da haben die Einstellcomputer Vorschläge...

Vor Jahrzehnten habe ich über diese Themen Kurse im AAK gehalten, aus einem der Skripte hier eine Skizze, die die Formel verdeutlicht:

Wir blicken in dieser Skizze von oben auf den Himmelsäquator, auf dem wir RZ, SW und die SZ ablesen können.

Hier noch einmal das Bild, welches ich aus einer Stellarium-Sternkarte erzeugt habe und mit dem man sich den Zusammenhang nochmal am Stern Atair klar machen kann.


Samstag, 10. August 2019

Saturn, Mond und Jupiter am Abendhimmel

Leider konnten wir gestern  (Freitag) wegen des Wetters nicht sehen, wie der Mond dicht am Jupiter vorbei zog.
Jetzt steht er zwischen Jupiter und Saturn.

Drei der vier großen Jupitermonde sind zu sehen, Europa ist gerade vor Jupiter gewandert.



Geht vor unserem Monduntergang noch die Sonne über dem Goldenen Henkel auf? Der Mond am Samstag..Aktualisiert 0.25 Uhr!

Etwas über 10 Tage ist der Mond alt, d.h. er steht auf der Ekliptik dort wo die Sonne zur Weihnachtszeit steht, also sehr niedrig am Himmel, wie auch das erste Bild um 21.04 Uhr zeigt.
Man vergleiche mit dem entsprechenden Bild vom 8.8.!



Heute Nacht soll wieder der Goldene Henkel zu sehen sein, das ist das henkelförmige Randgebirge des Sinus Iridium, das schon von der aufgehenden Sonne beleuchtet wird, während die Tiefebene noch im Schatten liegt.

Um 21.02 Uhr habe ich die Teleaufnahme vom Mond gemacht. Die neuen Formationen nahe der Schattengrenze sind wieder beschriftet (für die weiter im Hellen liegenden bitte frühere Posts ansehen).
Auf der Ausschnittsvergrößerung erkennt man das erste Morgenlicht an den Bergspitzen des Randgebirges. Ob die Zeit bis zum Monduntergang reicht um die ganzen Bergkuppen zu sehen? Eventuell werden weitere Bilder hier im Blog ergänzt.



Knapp eine Stunde später:


Um 23.32 Uhr, also 1,5 Stunden später:





 Um 0.09 Uhr, also zwei Stunden später:


So richtig würden wir den Henkel wohl erst nach Monduntergang sehen...also auf nach Frankreich!