Sonnenuntergang in Kassel (Lara Bendig)
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Montag, 21. November 2022

Online Petition für das Planetarium!

 Inzwischen gibt es eine Online-Petition für das Kasseler Planetarium.

Bitte unterschreibt online und beteiligt euch!

Zur Petition

Samstag, 19. November 2022

Kaum zu glauben...

 Ich weiß es schon länger, jetzt ist es öffentlich: Das Planetarium schließt für viele Monate...

Warum? Ein Techniker steht ab Januar nicht mehr zur Verfügung...

Zur Erinnerung: Ich habe 18 Jahre lang die Live-Vorführungen im Planetarium durchgeführt und Vorführer ausgebildet. Damals hatten wir jahrelang keinen Techniker...

Ist das ein neuer Versuch, das Planetarium dauerhaft aus der Orangerie zu verdrängen?

Und wie in dem Bericht in der HNA vom 19.11. steht: Das Museum ist seit langer Zeit geschlossen. Die notwendigen Renovierungsarbeiten sind noch nicht einmal geplant...

Ein unverantwortlicher Umgang mit einem wichtigen einmaligen Kulturträger!

Die freiberuflichen Vorführer sind jetzt gezwungen, sich andere Jobs zu suchen. Stehen Sie dann bei der möglichen Wiedereröffnung im Frühsommer zur Verfügung? Oder gibt es dann wieder Personalprobleme?

In wessem Sinn geschieht das alles?

Man beachte frühere Posts zum Thema: Label Planetarium anklicken...

HNA vom 19.11.:



Freitag, 25. März 2022

Wie eine Planetariumskuppel entsteht...

 Der AAK hat ja schon 1975 dafür gesorgt, dass Kassel zu einer Planetariumsstadt wird (siehe die Postreihe unter dem Label Planetarium). Wir haben damals die Kuppel selbst aus Kunstharz hergestellt. Das war eine ungesunde (Styrol als Lösungsmittel)  und Juckreiz verursachende Angelegenheit.

Peter Fuchs hat mir seine Aufnahmen zur Verfügung gestellt. Er ist oft auf den Bildern zu sehen, einmal stehe ich mit Gasmaske neben ihm.







Freitag, 18. Februar 2022

Dos and Don´ts einer Planetariums-Show

 Don´ts:

- Einfach das Licht ausmachen

- Den Projektor nicht benutzen

- Keine Musik einsetzen

- Nur Animationen und Filme zeigen

- Alle Erläuterungen kommen vom Band

-Wirre unnatürliche Bewegungen des Sternenhimmels zeigen (Action gibt es in SF-Filmen, nicht hier im Planetarium)

Dos:

- Mit der Stimme geschickt umgehen

- Eine Botschaft aufbauen und aussprechen

- Natürliche Himmelsbewegungen zeigen und vorführen

- Mit einem stimmungsvollen Sonnenuntergang beginnen

- Mit einem stimmungsvollen Sonnenaufgang enden

- Die Besucher/innen bei gedämpfter Beleuchtung eintreten lassen

- Die Hintergrundbeleuchtung langsam reduzieren

- Persönliches Interesse und Begeisterung zeigen

- Vorführer/in versteht etwas vom Thema und kann auf Fragen eingehen

Man könnte denken, vieles von dem unter Dos genannten sei selbstverständlich...

Meine Erfahrungen nahezu weltweit zeigen, dass das eigentlich nicht der Fall ist.

Wie sieht denn für mich ein gutes Planetariumsprogramm aus?

Die Besucher betreten einen gut abgedunkelten, mit gelblichem Licht beleuchteten Raum. Eine kleine Bildershow stimmt sie auf die Veranstaltung ein. Die Helligkeit wird kontinuierlich reduziert, um die Augen der Besucher besser anzupassen.

Was nützt das Erklären von Sternbildern nach dem Ausknipsen der Saalbeleuchtung, wenn die niemand sieht?

Das Programm beginnt mit einer natürlichen Bewegung: Sonnenuntergang und Erscheinen der ersten Sterne, natürlich mit Musikbegleitung.

Über die Erläuterung von Sternbildern, die zur Zeit so am Himmel zu sehen sind (der Sternenhimmel heute (!) abend, mit Mond, Planeten, ISS...) kommt man zum Schwerpunktthema, das durch Bilder oder Videos und andere Projektionen unterstützt wird.

Wenn möglich wird es durch Elemente unterstützt/unterbrochen, in denen wieder natürliche oder zumindest mögliche Bewegungen am Himmel gezeigt und erläutert werden: Rotation (tägliche Drehung), Jahresbewegungen von Sonne, Planeten, Präzession, Breitenänderungen (Reise zum Äquator, Pol, nach Chile zum VLT), Beginn/Ende einer Polarnacht...selbst der Anblick des Sternenhimmels vom Mond oder Mars bietet eine interessante Variante, nicht aber das Verwirbeln der Sterne durch Hyper-Raumantriebe...

Der Vortrag läuft auf ein Fazit, eine Botschaft hinaus, die in einen stimmungsvollen Sonnenaufgang als Schlusspunkt endet. Danach kommt ein Abspann.

Noch zwei Negativbeispiele zum Schluss:

- In einem Planetarium beginnt die Vorführung wirklich mit einem Sonnenuntergang. Doch der Vorführer redet und redet und redet, noch nicht mal über astronomische Inhalte. Ich nenne das: Zuquatschen einer Stimmung, die so nie auftreten kann.

- In einer anderen Show ist des sehr hell in der Kuppel. Die Vorführung beginnt mit der Bemerkung, dass es in einem Planetarium ja dunkel sei. Dann wird das Licht ausgeknipst und Sternbilder werden erklärt. Niemand sieht etwas...

In meinem Post vom 21.11. habe ich geschrieben:

In Großstädten haben die Menschen den Blick zum natürlichen Sternenhimmel verloren. In Planetarien finden sie ihn nicht wieder....






Mittwoch, 16. Februar 2022

Die Vorgeschichte vom Planetarium Kassel: Auf in die Orangerie

 Im Frühjahr  1975 ging die Irrfahrt los und im Mai 1992 kamen wir am Ziel an: Das Planetarium wurde im neuen Museum für Astronomie und Technikgeschichte in der Orangerie eröffnet.

Ich kann mich an viel Prominenz erinnern, aber besonders ist mir die Begegnung mit Konrad Zuse im Gedächtnis geblieben, dem Erfinder des ersten Computers. 3,5 Jahre später ist er gestorben.

Schon Monate vorher begann ich mit der Entwicklung des ersten Liveprogrammes, danach bildete ich die ersten Vorführer aus.

Ich weiß nicht, wie viele Planetariumsprogramme ich entwickelt habe, später waren es 15 im Jahr, etwa 230 werden es insgesamt gewesen sein. Ungefähr 25 Vorführer habe ich für diese Programm ausgebildet. Ich schätze, dass ich etwa 1500 Vorführungen selbst gehalten habe.

Nach knapp 18 Jahren habe ich aufgehört. Am  letzten Donnerstag im Januar 2010, dem 28.1., hatte ich um 19.00 Uhr meine letzte Vorführung.

Irgendwie hatte wohl niemand aus der Museumsleitung oder  der MHK mitbekommen, dass der Initiator des Kasseler Planetariums aufhört Vorführungen zu machen. Vielleicht hat auch niemand die Ankündigung meiner Abschiedsvorführung ernst genommen?

Auch ich konnte mir eigentlich nicht vorstellen ohne wöchentliche Show im Planetarium zu existieren...aber das im Aufbau befindliche Schülerforschungszentrum forderte meinen ganzen Einsatz.

Und da ein doppeltes halbes Engagement nicht einem vollen Engagement entspricht, konzentrierte ich mich auf das Neue, das SFN.

Es ging  in der letzten Vorführung wieder um eine Reise unter dem Sternenhimmel, aber dieses Mal nach Chile zum neuen VLT, dem Very Large Telescope.

Am Vormittag des 28.1.  hatte ich noch die Premiere eines Dokumentarfilmes "Das Auge"  über das VLT  im Capitol-Kino  für Schulklassen organisiert. Der Film wurde danach noch oft in dem Kino gezeigt. Regisseur und ESO-Wissenschaftler waren bei der Vorführung anwesend.

Dass ich wenige Jahre später selbst beim VLT und den anderen ESO-Teleskopen in Chile sein sollte, war natürlich nicht voraussehbar.

Nun ist es also  47 Jahre her, seit wir die Planetariumsidee in die Kasseler Welt brachten, 30 Jahre sind es seit der Eröffnung, 12 Jahre seit meinem Ausscheiden...und nun beginnt eine neue Odyssee:  die Orangerie wird renoviert, umgebaut...Museum und Planetarium müssen(??)  raus, es ist wieder vom Landesmuseum die Rede.

Ob  das Aufgreifen einer 47 Jahre alten Idee wirklich das Richtige ist?


Es folgt noch ein Post: Wie ich mir eine gute Planetariumshow vorstelle...


Bild 1: Eröffnung des Planetariums (HNA)

Bild 2: Filmpremiere im Capitol, grift das Thema meiner letzten Show auf (28.1. 2010)










Dienstag, 15. Februar 2022

Die Vorgeschichte vom Planetarium Kassel: Vertrag

 1975 haben wir begonnen, Stadt, Land und Öffentlichkeit auf die Notwendigkeit eines Planetariums in Kassel aufmerksam zu machen.

Eine Odyssee durch mögliche Standorte begann: Landesmuseum, Hasenhecke, Fridericianum, Hauptbahnhof, Hasenhecke, Landesmuseum... auch die Orangerie flammte schon mal auf.

Dann stabilisierte sich der Standort Landesmuseum.

Bis ich einen Anruf eines Architekten bekam, der nach den Maßen unserer Kuppel und unseres Planetariums fragte.

Ich verwickelte ihn in ein Gespräch und er teilte mir mit, dass es Pläne gibt, das Planetarium im Fridericianum im Rahmen einer Umgestaltung des Landesmuseums neu aufzubauen. Aber einen eigenen Abendeingang für die AAK-Vorführungen war nicht vorgesehen. Der Architekt ging auch davon aus, dass Planetarium und Kuppel dem Landesmuseum gehören und wunderte sich über eine Vereinsbeteiligung.

Ich kontaktierte sofort Landesregierung und Stadt, die ebenfalls sehr verwundert waren.

Zeitgleich kam bei der Landesregierung ein Antrag an, ein größeres Planetarium in Kassel zu finanzieren.

Jetzt nahm  man mit mir Kontakt auf und fragte mich, warum wir das schon finanzierte Gerät nicht einsetzen würden.

Kurzum, die Landesregierung erklärte sich nur bereit, ein größeres Planetarium zu finanzieren, wenn der AAK auf das kleinere verzichtet, da man ja nicht zwei vergleichbare Projekte unterstützen kann.

Und der AAK erklärte sich nur bereit auf das eigene Planetarium zu verzichten, wenn wir vertraglich Mitsprache und Mitgestaltungsrecht beim großen Planetarium bekommen.

Das geschah und der Weg für ein großes Planetarium war frei. Die Fördermittel für das kleine Planetarium durften wir behalten. Wir haben sie in die Sternwarte Calden gesteckt.

Auch für das Planetarium war es eine glückliche Fügung, denn wir haben es mit mehrmals jährlich wechselnden aktuellen Liveprogrammen versorgt, während das einzige vollautomatische Programm ungeändert  weit über 10 Jahre lief.






Mittwoch, 9. Februar 2022

Die Vorgeschichte vom Planetarium Kassel: Die Suche nach einem Standort

 Die Geschichte des Kasseler Planetariums ist richtig verwirrend.

1975 haben wir ein Planetarium ins Gespräch gebracht. Das Landesmuseum schien ein geeigneter Ort zu sein. Der Leiter aber stand kurz vor der Pension und wollte letztlich keine Entscheidung mehr treffen.

Die Stadt brachte mehrfach das Offizierskasino auf der Hasenhecke ins Gespräch, dazwischen diskutierte man über das Fridericianum, auch erste Gedanken an die Orangerie tauchten auf.

Irgend etwas ging immer schief: Da war jemand nicht zuständig, traute sich nicht eine Entscheidung zu fällen, suchte man vergeblich nach dem Eigentümer des Offizierskasinos  (war es aber selbst)...fehlten Gelder für einen Neubau...

Wir waren damals mit den neu eingeführten "Wochen der Astronomie" sehr erfolgreich...sozusagen der Vorläufer der späteren SFN-MINT-Kongresse:

Eine Woche lang gab es Vorträge, Workshops und eine thematisch orientierte Ausstellung.

Bis zu 7000 Besucher/innen wären auch heute ein großer Erfolg.

Der Oberbürgermeister selbst kam zu den Eröffnungen und war Schirmherr.

In Calden bauten wir die Rohform für die Kuppel, die wir dann in vielen Nachtschichten aus Kunstharz gegossen haben. Das Geld für den Projektor kam, und schließlich sogar das Gerät selbst.

Aber mit der Unterbringung klappte es nicht.

Der neue Leiter des Astronomisch-Physikalischen Kabinetts aber sicherte eine Aufstellung im Landesmuseum zu.

Es wurde sogar ein eigener Eingang geplant, denn ich bestand darauf, dass das Planetarium auch außerhalb der Museumsöffnung (z.B. nach 17 Uhr) Vorführungen anbieten muss.

Alles schien gut, bis dann ein Anruf eines Architekten alles zum Umsturz brachte.

Aber der Phönix stieg aus der Asche...Darüber im nächsten Post.

Artikel 1: 1.3.1977

Artikel 2: 9.3.1982

Artikel 3: 15.9.1986






Dienstag, 8. Februar 2022

Die Vorgeschichte vom Planetarium Kassel: 1975

 Die Geschichte des Kasseler Planetariums beginnt vor etwa 55 Jahren, als ich das Planetarium im Deutschen Museum in München besucht habe.

Schon damals wusste ich, dass ich mal selbst in einem Planetarium arbeiten möchte und eine Show gestalten will.

Es sollte ein langer Weg werden.

Nach der AAK Gründung vor 50 Jahren organisierte ich einmal im Jahr eine Fahrt zu einer großen Uni-Sternwarte, immer verbunden mit dem Besuch eines Planetariums.

In den ersten Jahren reifte die Idee, auch in Kassel ein Planetarium aufzubauen.

Nachdem wir uns ausreichend mit Sternschnuppen, Anhängerdeichseln und Förstern auseinander gesetzt hatten (siehe auch: Die erste Beobachtungsaktion des AAK ), ging es an die Recherche nach einem durch Spenden bezahlbaren Projektor.

Die neu gewonnene Bekanntheit nutze ich aus, um mit dem damaligen Kulturdezernenten der Stadt Kassel, und dem Landesmuseum ins Gespräch zu kommen.

Ein gut platzierter Artikel 1975  in der Samstagsausgabe der HNA klopfte den Anspruch fest.

Das war die Geburt des öffentlich gemachten Vorstoßes, Kassel zu einer Planetariumsstadt zu machen.

In den Jahren danach entstand die Idee eines Astronomischen Zentrums in einem Gebäudekomplex auf der Hasenhecke.

Planetarium, Sternwarte, Vortragsraum, Werkstatt und Labore sollten dort eingerichtet werden.

Vom Land Hessen bekamen wir Mittel aus der Lottostiftung.

Damit konnten wir einen kleineren japanischen Projektor kaufen und das Material für die 5 m Kuppel, die wir selbst bauen wollten.

Der Projektor war da, die Kuppel in vielen vielen Nachtstunden fertig gestellt. Aber die Stadt  fand in ihren Unterlagen keine Informationen über den Besitzer des leerstehenden Gebäudekomplexes, um einen Mietvertrag abzuschließen.

Jahre später stellte sich heraus, dass die Stadt selbst Eigentümer war...wir wären da sogar mietfrei reingekommen...

Über das Hin- und Her Ende der 70-er geht es dann im nächsten Post...

Hier erst einmal mehrere HNA-Berichte aus den ersten Jahren der Aktion: "Kassel muss eine Planetariumsstadt werden": 

26.5.75

28.6.75

12.2.76

Danke an P. Fuchs für die Bereitstellung einiger Artikel, die ich in den Tiefen des HNA Archivs nicht gefunden habe...










Montag, 7. Februar 2022

Das Jahr der Jubiläen: 30 Jahre Planetarium in der Orangerie

 Heute rief mich ein Reporter an und erinnerte mich an ein weiteres mir gar nicht so im Bewusstsein befindliches Jubiläum:

Vor 30 Jahren habe ich das erste Live-Programm für das damals noch nicht eröffnete Planetarium in Kassel entwickelt, Musik dazu zusammengestellt und Bilder gesucht.

Es hieß: "Eine Reise unter dem Sternenhimmel".

Es begann mit einem musikalisch umrahmten stilvollen Sonnenuntergang, dem Auftauchen der ersten Sterne.

Eine Vorstellung zu Sternen, Planeten, Galaxien wurde am aktuellen Sternenhimmel entwickelt. Dann ging es über den Großen Wagen zum Polarstern und dann reisten wir nach Norden in den Polartag hinein. Ein Sonnenuntergang am Nordpol der Erde gab uns dann die Gelegenheit die Drehung des Sternenhimmels in der Polarnacht und ein Polarlicht zu sehen.

Ich habe alles dann ab Mai live gesprochen, live bedient, hatte aber einen Assistenten, der vor allem für die Bedienung des Kassetten-Tonbandrekorders (1992!) für die Musikuntermalung verantwortlich war.

In einer kleinen Postserie werde ich die Geschichte des Kasseler Planetariums von meiner ersten Idee 1975  an bis zu meinem Ausscheiden 2010 kurz zusammenstellen.

Welche Jubiläen stehen noch an?

Also:

Im März: 50 Jahre AAK

Im Mai:  30 Jahre Planetarium in der Orangerie

Im Februar: 20 Jahre PhysikClub/SFN

Im Juli: 10 Jahre im eigenen SFN Gebäude

Im September: 1 Jahr FutureSpace gGmbH (ehemals SFN-Deutschland)

Letzten Dienstag hatte ich schon ein Online-Gespräch mit Teilnehmern der allerersten Stunde des PhysikClubs!





Am 8.1. um 20.00 Uhr  habe ich mir Teilnehmer/innen eingeladen, die vom ersten Jahr bis hin zur Gegenwart im PhysikClub/SFN gearbeitet haben.

Das ergibt bestimmt spannende Lebensgeschichten.

Wer da zuschauen möchte:

www.sfn-kassel.de/live

Jubiläums-Gespräch





Es folgen:
Die Vorgeschichte vom Planetarium Kassel: 1975
Die Vorgeschichte vom Planetarium Kassel: Die Suche nach einem Standort
Die Vorgeschichte vom Planetarium Kassel: Der Vertrag
Wie ich mir eine gute Planetariums-Show vorstelle

Donnerstag, 25. November 2021

Planetarium Kassel: Wie alles anfing...

 Schon vor 46 Jahren haben wir im AAK uns erfolgreich bemüht Kassel zu einer Planetariums -Stadt zu machen.

Wir bekamen aus Lottomitteln von der Landesregierung und von der Kasseler Sparkasse insgesamt 29 000 DM (das war damals sehr viel). Davon konnten wir einen japanischen Projektor kaufen und das Material für eine 5 m - Kuppel, die wir in mühevoller Nachtarbeit selbst gebaut haben.

Das Planetarium sollte erst in ein neues Astronomisches Zentrum auf der Hasenhecke, dann in das Landesmuseum.

Kurz nach der Zusage kamen Pläne auf, dass das Astronomische Kabinett zusammen mit unserem Planetarium umziehen sollte.

Dafür war aber ein größeres Gerät mit größerer Kuppel angebracht.

Die Landesregierung wollte das aber damals nicht finanzieren, da ja ein Planetarium in Kassel schon aufbaubereit war.

Durch eine Vereinbarung verzichteten wir auf unser Planetarium, durften es verkaufen (und das Geld behalten) und die Mittelfreigabe für das heutige größere Planetarium war da.

Aber vertraglich wurde uns eine Mitnutzung des neuen Planetariums zugesichert.

Im Mai 1992 wurde es eröffnet, Monate vorher entwickelte ich schon ein erstes Live-Programm  (zum Kontrast zum "Automatikprogramm" das täglich für mehr als ein Jahrzehnt lief): "Eine Reise unter dem Sternenhimmel", in dem ich die tägliche Bewegung, das Wandern des Mondes und als Höhepunkt eine Reise in die Polarnacht vorführte. Mit Musik untermalt und eigenen Dias angereichert....

Bei der Eröffnung war auch der Erfinder des Computers Konrad Zuse anwesend.

Danach bildete ich neue Vorführer aus, insgesamt etwa 20, die ich für bestimmt 100 Live-Programme trainierte.

Wir haben immer sonntags und am Donnerstagabend die Vorführungen übernommen...an den anderen Tagen lief das Automatikprogramm bis 2003....

Und Ende Februar 2010 lief meine letzte Vorführung im Planetarium. Das SFN war gewachsen und forderte meinen ganzen Einsatz.

In dieser Show fuhren wir von Kassel nach Chile und überquerten dabei den Erdäquator, um die Bewegung des Sternenhimmels dort zu beobachten. In Chile angekommen, stellte ich die großen Fernrohre der ESO vor.

(3 Jahre später war ich in La Silla, Paranal und ALMA für mehrere Tage und Nächte).

In einem Kasseler Großkino organisierte ich Ende Januar 2010 dazu die Premiere eines abendfüllenden  Dokumentarfilmes "Das Auge" in 3 D. Der Filmemacher und Regisseur war anwesend.

3 Jahre später konnte ich selbst einen Film über die Sternwarten der ESO produzieren.

Aber am 28.2.2010  war Schluss...

Ich hatte mir immerhin 18 Jahre lang einen Kindheitstraum erfüllt...Vorführungen in einem Planetarium zu gestalten...

Wie ich mir die vorstelle und auch heute noch wünsche, erzähle ich bald in einem weiteren Post...

Eine besondere Begegnung im Planetarium kann man hier nachlesen:

https://www.natur-science-schule.info/post/stars

Besuch im Planetarium






Sonntag, 21. November 2021

Planetarium - wohin gehst Du?

 Seit einigen Jahren kehre ich von jedem Planetariumsbesuch enttäuscht zurück:

- Keine stimmungsvolle Anfänge mehr, z.B. mit in der Natur vorkommenden Vorgängen  wie Sonnenuntergänge... stattdessen wird das Licht von hell auf Dunkel ausgeknipst oder es läuft ein Titel wie im Kino, wenn man Glück hat mit Sternen im Hintergrund

- kaum bis überhaupt keine Vorstellung des aktuellen Sternenhimmels (bei meinem letzten Planetariumsbesuch am 20.11. kam ein Sternenhimmel nur in Vor- und Abspann vor, unterlegt mit Textdias zum Thema)

- natürliche Vorgänge am  Himmel werden  nicht mehr gezeigt und erläutert, wie Mondbewegung und Phase, Planetenbewegung, Sternenhimmel in verschiedenen Breitengraden, Jahreslauf der Sonne, Drehung des Sternenhimmels usw usw

- statt dessen werden im Planetarium in bis zu 100%!!! der Zeit Filme gezeigt, die auch in Bildungskanälen im TV laufen könnten (und auch laufen). Statt die Bewegung des Mondes zu sehen rasen Raumschiffe über die Kuppel, hetzen 5/55  Minuten lang Dinosaurier (schlecht animiert) über die Kuppel

- Sehr selten bis überhaupt nie wird live kommentiert (macht bei Filmen auch wenig Sinn), und wenn, lassen die Sprecher eine rhetorische Ausbildung vermissen...man kann auch mit Stimme gestalten und mitreißen!

- Ich habe sogar Planetariumsvorführungen ganz ohne musikalische Untermalung gesehen...

Ich selbst habe 18 Jahre lang in einem Planetarium mehrfach pro Woche Livevorführungen angeboten und Dutzende von Vorführen ausgebildet (die durften bei mir erst nach wochenlangem rhetorischem Training am Programm eine Vorführung dieses Programms  machen..., in der war ich dann, dann gab es Verbesserungen und dann habe ich sie allein vorführen lassen).

Was ist los?

Geht es nur noch darum, möglichst viele Besucher/innen in die Kuppel-Kinos zu locken?

Wollen die Menschen keine wirkliche Bildung mehr?

Was meine ich mit dem letzten Satz:

Der Film ist ein Mittelmaß für alle...bei meinem letzten Kinobesuch in einem Planetarium wurden viele Details zu molekularen Prozessen erläutert...ich glaube nicht, dass das in der kurzen Zeit von Vielen, geschweige denn von Kindern, verstanden wurde...

Aber selbst ganz jungen Kindern kann man zeigen, dass der Mond abends immer mehr nach links wandert und dabei "dicker" wird...und dass sie selbst das draußen in  der Natur verfolgen können!

Dinosaurier finde man sonst nur, besser animiert, in Großkinos...

Aber genau darum sollte es ja gehen: Menschen dazu zu bringen mal durch die Lichthülle einer Stadt nach oben zu sehen oder vielleicht sogar mal an den Stadtrand zu fahren.

Ein solches Liveprogramm von  inhaltlich und rhetorisch geschulten Vorführer/innen geleitet, sollte mindestens mehrmals pro Woche angeboten werden.

Ich bin mir sicher, die Menschen werden auch kommen.

Die großen Umsätze kann man dann immer noch mit den Filmvorführungen machen, die aber nur noch maximal 2/3 des gesamten Programmangebotes ausmachen sollten.

In unserer freitäglichen Astro-Show, die wir online vortragen, haben Mark und ich mind. zwei solcher Themen bisher angeboten: Die Planetenschleifen und das Sonnenanalemma..mit fast 1000 Klicks waren die genau so stark besucht wie andere Themen und es gab explizit auch Dankesformulierungen dafür, dass wir solche Themen anbieten.

Planetarium sollten auch einen Bildungsauftrag haben, bei dem Besucherzahlen nicht im Vordergrund stehen, sondern Inhalte!

In Großstädten haben die Menschen den Blick zum natürlichen Sternen-Himmel verloren...in Planetarien finden sie ihn leider nicht wieder!

Unter https://discord.gg/XjyvGDsXfY habe ich in unserem Astronomie-Forum einen Gesprächs Kanal eingerichtet: Bildungsauftrag Planetarium?

Ich freue mich über Beiträge!

Diskussion







Donnerstag, 22. April 2021

Persönliche Stellungnahme

 

Planetarium und Astronomisch - Physikalisches Kabinett sind eine untrennbare Einheit

Vor 30 Jahren war ich mit am Aufbau des Kasseler Planetariums beteiligt. Von Anfang war klar, dass es Teil einer umfassenderen Bildungsorganisation werden muss.
Ein Planetarium ist kein Kino, in das man mal geht und sich nette Filme anschaut. Es ist für sehr viele Jugendliche und Erwachsene oft die einzige Möglichkeit einen, wenn auch künstlichen, Sternenhimmel zu sehen.
Wenn der Weg in das Planetarium aber sogar durch ein astronomisch geprägtes Museum geht, dann ist das nicht nur eine ideale Ergänzung, sondern eine nahezu weltweit einmalige Konstellation.
Wer das zerschlagen will, wer die Entwicklung unseres Weltbildes in das Archiv verbannen will oder herausgelöste Aspekte ohne Kontext in Vitrinen zur Schau stellen möchte, handelt nicht nur unüberlegt und extrem kurzsichtig, der ist bildungs- und wissenschaftsfeindlich.
Ich bin fassungslos. Dieses einmalige Kleinod in der Astronomie, das moderne Planetarium und das Museum, welches in die Entwicklung unseres Weltbildes einführt, muss nicht nur erhalten sondern eher erweitert und gefördert werden, als untrennbare Einheit.
Die Pläne von Herrn Eberle degradieren das Planetarium auf das Niveau eines Freizeitparks und strafen diejenigen, die sich seit Jahrzehnten bemühen, astronomische Bildung zu ermöglichen.

Klaus-Peter Haupt
Vorsitzender Astronomischer Arbeitskreis Kassel (AAK) e.V.
Gründer und Leiter des Schülerforschungszentrums Nordhessen SFN

Samstag, 17. April 2021

Eine Katastrophe bahnt sich an! Aufruf an alle!

 

Einer der wichtigsten Kristallisationspunkte der Astronomie im Großraum Kassel ist plötzlich von dauerhafter Schließung bedroht, das Astronomisch-Physikalische Kabinett mit seinem Planetarium in der Kasseler Orangerie.

Laut HNA plant der Direktor der Museumslandschaft Hessen Kassel MHK, Martin Eberle, nur noch die berühmten astronomischen Instrumente der Sammlung in einer wie auch immer gearteten „Schatzkammer“ im Hessischen Landesmuseum zusammen mit kunsthandwerklichen Objekten auszustellen und dies – wie die HNA schreibt „ohne fachlichen Bezug vorgestellt wie Porzellan und Silberwaren“. 

Das Planetarium soll zwar nach diesen Plänen in der Orangerie verbleiben, die womöglich zu einem Gewächshaus werden soll. Man stelle sich vor: ein Planetarium mit Pflanzen und Orangenbäumchen statt mit dem großen astronomischen Erbe der hessischen Landgrafen. Und man bedenke: außer in Kassel ist nur noch in Chicago und London ein Planetarium so eng mit der Geschichte der Astronomie verzahnt. 

Museum und Planetarium sind und waren immer eine Einheit, eine Ergänzung. In den ästhetisch gestalteten Räumen konnte man bummeln, sich in die Geschichte der Himmelserkundung einfühlen und dann mit modernster Technik sich auf das moderne Weltbild einlassen.

Was hier verloren geht, wenn diese Einheit zerschlagen wird, ist nie zu ersetzen.

 Es wäre auch in nicht wiedergutzumachender Verlust eines bedeutenden außerschulischen Lernorts, an verdeutlicht wird, dass unser heutiges naturwissenschaftliches Wissen nicht einfach vom Himmel fiel, sondern auf den Arbeiten der großen Denker von früher beruht. In Kassel waren dies der Astronomen-Landgraf Wilhelm IV., der Vater der Schweizer Uhrmacherei Jost Bürgi und der frühe Copernicaner Christoph Rothmann, die durch ihre Messungen auf der frühesten Sternwarte der Neuzeit maßgeblichen Anteil an der Durchsetzung des Heliozentrischen Weltbilds hatten. 

Auf dieses Erbe sollten wir in Kassel stolz sein und es Schülern, Familien und ganz allgemein den Kasseler Bürgern auch in Zukunft vor oder nach einer Planetariumsveranstaltung vor Augen führen können. 

Ich habe vor 30 Jahren an der Entwickluing des Planetariumskonzeptes mitgewirkt und selbst über fast zwei Jahrzehnte im Planetarium Vorführungen gestaltet und zahlreiche Vorführer ausgebildet.

Oft habe ich vor den Vorführungen nicht den Aufzug zum Planetarium genutzt, sondern bin durch die Ausstellung nach oben gegangen. Die Atmosphäre des Museums nimmt einen gefangen und öffnet die Seele für das Aufsaugen von Erkenntnissen über eine unvorstellbare Weite des Universums.

Mit einem meiner Leistungskurse war ich in einer Experimentalshow zur Geschichte der Elektrizitätslehre. Das Planetarium eingebettet in einen Rückblick auf die Entstehung unseres modernen Weltbildes! Das hat was!

Diese Einheit, beginnend mit der sich öffnenden Welt der Wissenschaften der Vergangenheit in die Weiten unserer heutigen Vorstellungen von der Welt, soll nun zerschlagen werden.

Das ist für mich praktizierte Wissenschaftsfeindlichkeit, kein künstlerischer oder musealer Anspruch.

Das ist für mich unverständlich und macht mich wütend! 

Möchte sich da jemand mit Banalitäten profilieren?

Wir müssen dem gemeinsam Einhalt gebieten! 

 

Es wäre daher von großer Wichtigkeit, wenn möglichst viele von uns mit einem Leserbrief an die HNA gegen diese kruden Pläne der MHK und dem Ministerium für Wissenschaft und Kunst protestieren könnten.

Bitte schreibt einen Brief an Frau Fraschke von der HNA

fra@hna.de

 


 Die Artikel




Freitag, 31. Mai 2019

Ein Blick zurück...

Was vielleicht den wenigsten bekannt sein dürfte...

Das Kassel heute ein großes Planetarium hat, ist auf die Initiative vom AAK zurückzuführen...wie dieser Artikel vom 16.3.1976 zeigt.

Wir haben dann die Kuppel selbst gebaut, auf der Hasenhecke sollte ein astronomisches Zentrum entstehen.

Was ist daraus geworden?
Letztlich das Planetarium im astronomisch-physikalischen Kabinett und das Schülerforschungszentrum SFN....

Im großen Planetarium haben wir von der Eröffnung 1992 bis 2012 die Live-Vorführungen betreut und Vorführer ausgebildet.

2007 wurde das SFN gegründet und zog vor 7 Jahren in das eigene Gebäude in der Parkstr.16.

Aus den "Wochen der Astronomie" des AAK von 1973 bis 1998  sind letztlich die MINT - Schülerkongresse seit 2010 geworden.

Aus den "Alpenfahrten" wurden die Workshops in den Alpen und der schwäbischen Alb und aus der Sternwarte Calden wurde die Sternwarte auf dem SFN.

HNA, 16.3.76
Das Modell der Raumstation hatte damals Hotte Döricht gebaut, dessen neuestes Werk wir auf dem nächsten Schülerkongress am 17./18.6. bewundern können: Die Mondstation!