Sonnenuntergang in Kassel (Lara Bendig)

Montag, 20. Januar 2020

Kontrollbild und Lichtkurve von Beteigeuze

Ja, sie ist noch da...noch nicht explodiert..

Als die Wolken gegen 20.15 Uhr kurz wegzogen, konnte ich es mir nicht verkneifen, doch noch einmal den Orion zu fotografieren.

Heute würde ich Beteigeuze eher auf 1,6 mag schätzen, d.h. auf keinen Fall lichtschwächer eher etwas heller als am 16.1.. Die Lichtkurve enthält meine Schätzwerte. Siginifikant dürfte nur der Abfall seit Anfang Januar sein....
 Mal sehen was weiter passiert....




Lichtkurve von Helligkeitsschätzungen der AAVSO. Ganz rechts ist der 19.1.2020. Die meisten Schätzungen liegen wohl zur Zeit bei 1,55, für Anfang Januar (Tagesnummer 2458842) bei 1,3. Da liege ich mit meinen Schätzungen gar nicht schlecht.....

 Bitte beachten: In meiner Lichtkurve wird es nach oben dunkler, in der von AAVSO wird es nach unten dunkler!

Sonntag, 19. Januar 2020

Prüfungsprotokoll

An der Universität von Kopenhagen wurde einmal in einer Physikprüfung folgende Frage gestellt: 

"Beschreiben Sie, wie man unter Zuhilfenahme eines Barometers die Höhe eines Wolkenkratzers feststellt."

Ein Kursteilnehmer antwortete:
"Sie binden eine lange Schnur an den Ansatz des Barometers und senken es dann vom Dach des Wolkenkratzers zum Boden. Die Höhe des Wolkenkratzers entspricht der Höhe des Barometers plus der Länge der Schnur."
Diese hochgradig originelle Antwort entrüstete den Prüfer dermaßen, dass der Kursteilnehmer sofort entlassen wurde. Dieser wiederum appellierte an seine Grundrechte mit der Begründung, dass die Antwort zweifellos korrekt sei, und die Universität ernannte einen unabhängigen Schiedsrichter, um den Fall zu entscheiden.
Der Schiedsrichter entschied schliesslich, dass die Antwort in der Tat richtig sei, jedoch kein wahrnehmbares Wissen von Physik zeige. Um das Problem zu lösen, wurde entschieden, den Kursteilnehmer nochmals herein zu bitten und ihm 6 Minuten zuzugestehen, um eine andere Antwort zu formulieren, die zumindest ein minimales physikalisches Grundwissen zeige.
Für die nächsten 5 Minuten sass der Kursteilnehmer nur still da, den Kopf nach vorne gebeugt in Gedanken versunken. Der Schiedsrichter erinnerte ihn, dass die Zeit lief, worauf der Kursteilnehmer entgegnete, dass er einige extrem relevante Antworten habe, sich jedoch nicht entscheiden könne, welche er verwenden solle.

Als ihm geraten wurde, sich zu beeilen, antwortete er wie folgt:
"Erstens könnte man das Barometer vom Dach des Wolkenkratzers werfen, die Zeit bis zum Aufschlag messen und die Höhe nach der Formel h=0,5g*t² berechnen.
Oder, falls die Sonne scheint, könnte man die Höhe des Barometers und die Länge seines Schattens messen. Anschließend misst man noch die Länge des Wolkenkratzerschattens und berechnet seine Höhe mittels proportionaler Arithmetik.
Wenn sie in hohem Grade wissenschaftlich sein wollen, können sie ein Stück Schnur an das Barometer knoten und es pendeln lassen, zuerst auf dem Boden und dann auf dem Dach des Wolkenkratzers. Die Höhe entspricht der Abweichung der gravitationalen Rückstellkraft, die die Schwingungsperiode verändert.
Oder, wenn der Wolkenkratzer eine Außentreppe besitzt, können sie diese hinaufsteigen, dabei die Höhe des Gebäudes in Barometerlängen abzählen und oben addieren.
Wenn sie nur eine langweilige und orthodoxe Lösung wünschen, können sie natürlich mit Hilfe des Barometers den Luftdruck am Boden und auf dem Dach des Wolkenkratzers messen und mit dem Druckunterschied die Höhe berechnen.
Da wir aber ständig aufgefordert werden, die Unabhängigkeit unseres Verstandes zu üben und wissenschaftliche Methoden anzuwenden, wäre es wohl am einfachsten, an der Tür des Hausmeisters zu klopfen und ihm zu sagen: "Wenn sie mir die Höhe dieses Wolkenkratzers sagen können, schenke ich ihnen dieses schöne Barometer."

Der Kursteilnehmer war Niels Bohr, der erste Däne, der den Nobelpreis für Physik gewann.

Galaktische Dichtewellen

Mit dem VLT ist das Galaxienpaar NGC 474 (oben) und NGC 470 (unten) fotografiert worden.
Beide sind rund 110 Mill. Lichtjahre entfernt. NGC 474 ist eine elliptische Galaxie mit einer Ausdehnung von 250 000 Lj, NGC 470 eine Spiralgalaxie, etwa 90 000 Lj groß.

Auffallend sind die unregelmäßigen schalenförmigen Strukturen, die NGC 474 umgeben. Hier scheint die Schwerkraft der unteren Galaxie Verdichtungen im Gas erzeugt zu haben (Dichtewellen), die nun sichtbar sind und sich ausbreiten.

credit: ESO



Samstag, 18. Januar 2020

Venus über Königsplatz

Gegen 18 Uhr  kam Venus durch die Wolken und war vom Kasseler Köngisplatz  aus trotz der vielen irdischen Lichter gut zu sehen. Aber niemand hat sie beachtet..(Handyfoto)



Wie sag ichs meinem Alien? Teil 2: Was ist überhaupt Antimaterie?

Vielleicht fangen wir mit dem Physiker Paul Dirac an. Er hat 1928 eine Gleichung gefunden, mit der man das Wellenverhalten sehr schnell bewegter Elektronen und ihren Drehimpuls, den Spin, beschreiben kann.
Bei der Lösung der Gleichung stellte er fest, dass es zu jedem Elektron auch ein Elektron mit genau gegensätzlichen Eigenschaften geben muss. Es wurde 1932 gefunden, man nannte es das Positron, das positiv geladene Antiteilchen des Elektrons.
Zu jedem Objekt in der Natur gibt es ein solches Anti-Objekt: negativ geladene Antiprotonen, oder Antineutronen mit anderer innerer Ladungsverteilung.
Aus ihnen gelingt es inzwischen sogar Anti-Atome aufzubauen und sie zum Aussenden von Licht zu bringen (siehe unten).
(Übrigens Lichtobjekte, Photonen, sind ihre eigenen Antiteilchen.).

Teilchen haben aber neben der Ladung auch noch andere Eigenschaften. Eine von ihnen ist der Iso-Spin. Der hat nichts mit Spin, also Drehimpuls zu tun, verhält sich aber mathematisch sehr ähnlich. Eine anschauliche Deutung dieser Eigenschaft gibt es nicht, man braucht sie aber um Teilchen (und Antiteilchen) zu klassifizieren.
Genau so ist es mit der Eigenschaft Parität. Sie beschriebt das Verhalten des Teilchens bei Spiegelungen, also wenn man allen räumlichen Koordinaten ein anderes Vorzeichen gibt. Auch hier gibt es keine anschauliche Größe, aber die Paritätseigenschaft lässt sich messen.

Alle (und es gibt noch mehr) diese Eigenschaften sind zwischen Teilchen und Antiteilchen vertauscht, entgegengesetzt. Alle Eigenschaften von  Teilchen und Antiteilchen heben sich auf.

Und vielleicht liegt hier eine "Erklärung" für die Antimaterie:

Die einfachste Welt ist diejenige, die vollkommen eigenschaftslos ist, denn hier braucht man nicht zu erklären wie es zu welchen Eigenschaften kommt.
Unser Kosmos als Ganzes könnte auch eigenschaftslos sein, heute und schon von Anfang an. Es gab aber einmal eine Trennung von gegensätzlichen Eigenschaften, also von Materie und Antimaterie,insgesamt hat sich dadurch aber nichts geändert, aber jeder Teilbereich für sich kann funktionierende physikalische Objekte wie Planeten und Sterne bilden.
Im Kleinen beobachten wir das heute bei der sog. Paarerzeugung: Bei ausreichender Energie kann ein Lichtphoton spontan in ein Elektron und ein Positron aufspalten, die jedes für sich eine eigene unabhängige weitere Existenz haben.

Da wir in einer Materiewelt leben, wird allerdings das Positron sehr schnell ein Elektron finden und dann tritt der gegenläufige Effekt ein: Elektron und Positron vernichten sich wieder zu Strahlung, also zu reiner Energie.

Und das scheint die Regel unseres Kosmos zu sein: Nie ändert sich etwas...Energie spaltet sich in Materie und Antimaterie auf, dabei kompensieren sich alle Eigenschaften, und dann zerstrahlen sich Materie und Antimaterie wieder zu eigenschaftsloser Energie: Aus Nichts wird Nichts.

Zwei Dinge sind daran komisch:
- Wie kommt es, dass wir in einem Materiekosmos leben, mit Materiemenschen, Materieplaneten....?
- Wenn es am Anfang zu dieser Aufspaltung kam, wo ist dann die ganze Antimaterie hin? Sie kann ja noch nicht weg sein, denn dann wären wir ja auch nicht mehr da....

Antworten bald in diesem Blog...

Bilder:
Beim ASACUSA Experiment im CERN, Genf, werden Antiprotonen so abgebremst, dass man damit Antiwassersrtoffatome erzeugen kann. 2016 konnte man erstmalig das Licht von Antiwasserstoff beobachten. 2017 gelang es die magnetischen Eigenschaften des Antiprotons zu messen und zu zeigen, dass auch sie denjenigen des Protons entgegengesetzt sind.



Blaue Stunde am Morgen von Wolken durchzogen

...aber die Mondsichel kam oft durch...(Aufnahme um 7.50 Uhr)
Bei Plato und Maginus erhalten nur noch die östlichen Kraterwände Licht der Abendsonne, Clavius ist noch voll beleuchtet, aber der Abend naht auch dort...... Einzelne Bergspitzen der Apenninen glitzern noch im Sonnenlicht.
 




Freitag, 17. Januar 2020

Mars mit Stachel in der Morgendämmerung

Das Bild entstand am Freitag um 7.02 Uhr. Man vergleiche mit früheren Posts (z.B.vom 16.1.), dann erkennt man sehr gut die Bewegung des Planeten.


Mondaufgang über dem ICE-Bahnhof

Nach Mitternacht ging der fast Halbmond auf, mit nahezu liegender Sichel (Aufnahme ohne Stativ).

Bis zum Morgen richtete sich die Sichel auf, gegen 7.00 Uhr stand der Mond im Süden.
Schön sieht man nun die Bergspitzen der Mondalpen und Apenninen, die fast so etwas wie eine Goldenen Henkel oder eher ein Goldenes Ohr bilden.





Beteigeuze schwächelt weiter, wohl dunkler und kühler

Am Donnerstag konnte man noch vor Mondaufgang bei klarem Himmel gut den Orion erkennen.
Die geringe Helligkeit von Beteigeuze fällt sofort auf, ebenso meine ich heute Abend auch eine stärkere Verfärbung sowohl mit freiem Auge als auch auf dem Originalbild erkannt zu haben.
Das Gelb war intensiver, es würde zu einer Temperatursenkung passen.
All das ist für Veränderliche normal....Aber die Presse überschlägt sich mal wieder...sogar Gravitationswellenereignisse werden ihr in den Schlagzeilen zugeordnet und dann im Text zurückgenommen...
Ich hätte ja auch gerne, dass sie hochgeht...am liebsten wenn ich fotografiere...

Im Bild von Donnerstag, 22.36 Uhr sind wieder Vergleichshelligkeiten eingetragen.
Ich finde Beteigeuze heute eher schwächer als Bellatrix, ihre Helligkeit eher zwischen dem linken und dem mittleren Gürtelstern liegend. Das wäre eine Helligkeit von etwa 1,7 mag. Normalerweise ist sie etwa so hell wie Procyon links oben im Bild.

Am 2.1. erscheint sie mir heller als Bellatrix, am 11.1. eher gleichhell.
Vor einem Jahr ist sie vergleichbar mit Rigel gewesen.

16.1.

11.1.




Blaue Stunde

mit Venus, Dachterrasse SFN, rechts die Sternwarte
Do, 16.1., 17.30 Uhr



Donnerstag, 16. Januar 2020

Mars am Rande des Skorpions

Um 4.24 Uhr ist gerade die Waage über den SO-Horuzont getreten.
Eine Stunde später ist Mars aufgegangen, um 5.55 Uhr steht er schon mit dem oberen Teil des Skorpionsstachels über dem Horizont.
An der eingezeichneten Linie erkennt man die große Strecke, die der Planet im letzten Moant zurückgelegt hat.
Eine halbe Stunde später steht auch Antares über dem Horizont. Das Bild entstand um 6.42 Uhr .

Am kommenden Dienstag wird die schmale Mondsichel bei Mars stehen.




Bald ist abnehmender Halbmond

Die ganze Nacht war es sehr klar, nach Mitternacht bis zum Sonnenaufgang war der Mond hoch am Himmel. Auch das schmale Alpental konnte man schon gut erkennen (siehe Ausschnittsvergrößerung). Aufnahmen um 4.16 Uhr




Mittwoch, 15. Januar 2020

Abendstimmung

Abendstimmung mit Venus über den Bahngleisen...danach zog es zu...
Aufnahme 17.25 Uhr

Man vergleiche mit dem fast zur gleichen Uhrzeit aufgenommenen Bild vom 18.12.:
Venus steht wesentlich höher und weiter im Süden.



18.12.:


Breaking News: Wie kommen die Bausteine des Lebens in unsere Zellen?

Embargo bis 15.1., 12.00 Uhr

Heute wird in den Monthly Notices of the Royal Astronomical Society eine Arbeit veröffentlicht, in der der Weg aufgezeigt wird, wie ein wichtiges Element unseres Lebens (Phosphor) in unsere Zellen kommt.
Mit dem Mikrowellen-Interferometer ALMA in Chile ist das Sternentstehungsgebiet AFGL 5142 im Sternbild Fuhrmann untersucht worden.
Dort erzeugen heiße junge Sterne Gasströme, die im umgebenden interstellaren Gasen Hohlräume freiblasen. An den Wänden dieser Hohlräume ist Phosphormonoxid PO durch seine Mikrowellenstrahlung nachgewiesen worden.

Wenn die verdichteten Wände erneut zu neuen Sternen kollabieren, werden sich Staubkörner bilden, die mit Eisschichten umgeben sind, die ebenfalls PO enthalten.
Solche Eiskörner bilden Kometenkerne, also müsste PO auch in Kometenkernen zu finden sein.

Die europäische Rosetta-Mission hat im November 2014 einen Lander auf den Kern des Kometen 67P/Chryumov-Gerasimenke abgesetzt und dann den Kometen bis zum 30.9. 2016 auf seiner Bahn verfolgt.
Im Eis des Kometenkernes konnte jetzt ebenfalls PO nachgewiesen werden.

Da Kometenkerne die junge Erde bombardiert haben, sind auch große Mengen an Phosphor auf die Erdoberfläche gekommen.

Und so ist Phosphor ein wichtiges Element im Aufbau der DNA und der Zellmembranen geworden.

Das Bild zeigt im Hintergrund das Sternbild Fuhrmann, das Gebiet des Sternentstehungsgebietes ist als Mikrowellenbild herausvergrößert und der Bereich in dem PO gefunden wurde eingekreist.
In der Darstellung darunter ist PO zu sehen, ebenso auch Phosphormononitrat PN (orange blau).
Rechts ein Bild des Kometen, in dem PO gefunden wurde.
Bild credit: ALMA (Rivilla), ESO (Calcada), ESA/Rosetta (Weigand)

Weitere Bilder vom Kometenkern (ESA/Rosetta).

Videos:

Zoom auf das Sternentstehugnsgebiet  (ALMA ESO)

Anflug auf den Kometen (ESO/ESA)

Weg des Phosphors zur Erde (ESO, ESA, Kornmesser)

 


Was sehen wir, wenn Beteigeuze explodiert?

Eigentlich nichts...sie wird nur heller...

Viele stellen sich vor, eine Supernovaexplosion von Beteigeuze würden wir als flackernden Gasball am Himmel sehen.
Das ist falsch...

Die Supernova 1987 A hatte einen Gasring von 1 Lichtjahr Durchmesser, aber n13 Jahre nach der Explosion.

Nehmen wir an, das würde auch Beteigeuze passieren.

Aus 650 Lichtjahren Entfernung sehen wir einen 1 Lichtjahr großen Gasring unter einem Winkel von knapp 5 Bogenminuten (das ist 1/6 des Durchmessers der Mondscheibe). Wenn das hell genug wäre, könnte man ihn etwa so wie den Orionnebel mit freiem Auge sehen.
Aber: Das dauert 11 Jahre!

Und Flackern tut dann auch nichts...denn jede Änderung innerhalb des Gases kann sich nur mit Lichtgeschwindigkeit ausbreiten...dauert also mindestens 11 Jahre..Das würde ich nicht mehr als "Flackern" bezeichnen...

Die helle Gashülle bei der Explosion wird deutlich kleiner sein, schätze Planetensystemgröße nicht überschreiten...das sind Lichtstunden statt eines Lichtjahres...Da wird man ein VLT-Interferometer brauchen um Strukturen zu erkennen...das freie Auge reicht da nicht...
Und auch hier dauert das "Flackern" immer noch Stunden...

Also:
Wenn Beteigeuze explodiert, erscheint sie uns einfach nur heller..sie wird ungefähr -14 mag haben, also heller als der Vollmond sein, aber punktförmig bleiben!

Wäre aber auch cool...

Bild: Mikrowelleninterferometerbild des SN-Restes 1987 A (ALMA)


Tunnelblick

durch irdische Wolken auf den Mond...23.52 Uhr am Dienstag


Dienstag, 14. Januar 2020

Weitere Messung der Hubble-Konstante veröffentlicht: Expansionsrate zu groß

Die Hubblezahl H beschreibt die Expansion des Universums.
Sie wird angegeben in km/Mpc pro sec.
1 Mpc (Mega-Parsec) sind 3,26 Millionen Lichtjahre.
Hubbles erste Vermessung des Universums ergab 500 km/Mpc pro sec, nach seiner Meinung sollte
der Kosmos in jeder Sekunde pro vorhandener Strecke von 3,26 Mill. Lichtjahren um 500 km anwachsen.
Wir lassen ab jetzt die Einheit von H weg, was die Zahlen angeben sollte klar sein:

H gibt keine Expansionsgeschwindigkeit an und die Rotverschiebung entsteht auch nicht durch den Dopplereffekt sondern durch die Ausdehnung des Raumes und der Lichtwellen. H ist eine relative Längenänderung pro Sekunde: Die Zahl 70 bedeutet, dass in jeder Sekunde pro 3,26 Millionen Lichtjahren 500 km dazu kommen.

Bisher kennen wir drei Methoden zur Bestimmung:
Die Größe der Ausdehnung wird über die Vergrößerung von Wellenlängen gemessen, die Entfernung mit jeweils unterschiedlichen Methoden. Aus Ausdehnung und Entfernung bestimmt man dann H:

Entfernungsmessungen mit Cepheiden (siehe Postreihe Himmelsleiter):
Man kennt die Leuchtkraft der Cepheiden und vergleicht mit der gemessenen Helligkeit und schließt auf die Entfernung.
Freedman 1995: 72 +/- 10%
Riess 1998: Entdeckung der Zeitabhängigkeit von H, also der beschleunigten Expansion
aktuelle Messungen 2019: 74 +/- 2%

Entfernungsmessung mit Roten Riesen:
In ihrer Entwicklung erreichen Rote Riesen eine maximale Leuchtkraft, die kann man messen und mit der Helligkeit vergleichen.
Freedman 2019: 69,8 +/- 2%

Mit Hilfe des Planck-Satelliten kann man die Temperaturverteilung im Urknallgas messen und daraus ebenfalls H zur damaligen Zeit bestimmen und mit einem Weltmodell auf den heutigen Wert hochrechnen.
Damit erreicht man 67,4 +/- 0,5%

Zwischen den Werten vom Planck-Satelliten und Riess gibt es einen signifikanten Unterschied.
 Ausgehend von der Entstehung des Universums expandiert der Kosmos in der Umgebung unserer lokalen Gruppe zu langsam. Direkte Messungen ergeben höhere Expansionsraten.

Die aktuellen Messungen von Freedman bringen keine Entscheidung, sie sind, wenn auch knapp, mit beiden Extremwerten verträglich.

Nun gibt es eine weitere Messreihe, die  die höheren Werte bestätigt.

Eine Gruppe um Suyu vom MPI Astrophysik hat die Hubble-Zahl anhand von Gravitationslinsenbilder von Galaxien bestimmt. Dabei werden Hintergrundgalaxien mehrfach abgebildet, jeweils erreicht uns das Licht auf unterschiedlich langen Wegen. Ändern sich Eigenschaften der Galaxie, so sind man das zeitverzögert in den einzelnen Bildern der Gravitatio0nslinse. Daraus kann man ebenfalls die Expansionsrate des Kosmos zwischen der Galaxie und uns bestimmen.

Mit einem Wert von 73 +/- 2,4 % werden die neuen Messungen bestätigt.

Bleibt also zu erklären, wieso die Hochrechnung vom Anfang des Universums einen zu kleinen Wert liefert.

credit: NASA / ESA / S.H. Suyu & K. C. Wong


Jupiter und Merkur bei der Sonne: Bilder aus dem Weltraum

Ein Blick vom SOHO-Observatorium auf die Sonne:

Der innere Teil der Sonnenkorona ist abgeblendet. Man sieht die Bilder vom 9.1. bis zum 13.1.
Das Solar and Heliospheric Observatory der ESA/NASA steht 1,5 Millionen km von der Erde entfernt in einem sog. Lagrangepunkt (L1) und wandert mit der Erde um die Sonne.
Das erkennt man an der langsamen Bewegung der Sterne.
Die beiden hellen Flecken sind Merkur (vorne) und Jupiter (hinten). Bis Ende Januar wird Merkur auf der linken Sonnenseite stehen und für uns abends sichtbar sein. Jupiter wandert hinter der Sonne her und taucht rechts von der Sonne Ende Januar am Morgenhimmel auf.

Die vielen einzelnen Blitze und Leuchtspuren sind Teilchen des Sonnenwindes und der kosmischen Strahlung, die in die Kamera einschlagen und die Pixel belichten.
Auf den letzten Bilder der Serie ist links von Merkur ein Lichtfleck zu sehen, der direkt auf die Sonne zuwandert. Das ist ein  Komet, der sehr schnell verglüht und von den Bildern verschwindet.

credit: SOHO, ESA/NASA

Montag, 13. Januar 2020

Wie sag ichs meinem Alien? Teil 1: Der erste Kontakt

Stellen wir uns vor, Aliens tauchen aus einer sehr fernen Region des Kosmos auf. Sie sind über ein Wurmloch direkt hier auf der Erde gelandet und wir wollen auf sie zugehen und sie durch irdischen Handschlag begrüßen....
Puff...alles ist in einem grellen Lichtblitz verschwunden...

Kein Traum...sondern die erste Begegnung von Materie und Antimaterie in großem Maßstab...

Was lernen wir daraus?

Kommunikation wäre gut...vorher...

Also: Bevor wir in ein Wurmloch steigen und in die kosmische Ferne reisen, sollten wir mal nachfragen, ob am Zielort alles aus Materie oder aus Antimaterie besteht...
Ist letzteres der Fall, dann  rät das auswärtige Amt dringend von einer Reise ab...

Wie unterscheidet sich denn eine Materiewelt von einer Antimateriewelt?

Das Problem: Eigentlich durch nichts...die gleichen physikalischen Gesetze, gleiche Himmelskörper, gleiche Wellenlängen bei den Spektrallinien...nichts aber auch gar nichts deutet darauf hin, dass der andere Planet und seine Bewohner aus Antimaterie bestehen...

Gut, also fragen wir nach...

Klappt auch nicht, denn die Benennung ist vollkommen willkürlich...es scheint keine  Definition zu geben , was man Materie und was man Antimaterie nennen muss...Aliens und wir können den gleichen Namen für was ganz unterschiedliches haben...

Und doch könnte man durch sprachliche Mitteilung Aliens sagen, was wir unter Materie verstehen..
In der kommenden Postserie möchte ich versuchen, das zu erklären. Wir stoßen da an eines der großen tiefen Rätsel der Physik, auf höchst abstrakte Zusammenhänge, die sich eher leichter mathematisch darstellen lassen als durch Worte...
Ich will es trotzdem mit den Worten  versuchen...wir werden Begriffe kennenlernen wie Symmetrie, CPT-Invarianz, Parität, Oszillationen, starke, schwache und Massen-Eigenzustände...und an die Grenzen unserer Vorstellung stoßen...Aber versuchen wir es...

Am Ende werden wir eine Messanweisung geben können, wie Aliens feststellen können, ob ihre Materie eine Materie oder eine Antimaterie ist...und sich dann entscheiden können, ob sie auf die Reise zu uns gehen wollen...

Im nächsten Post werde ich erst einmal Gründe auflisten, warum unser sichtbarer Kosmos wohl aus Materie besteht, was eigentlich das Anti bei Antimaterie bedeutet und warum Materie- und Antimaterie sich zu Strahlung vernichten.

Bild: Szene aus der Serie ALF





Vortrag am 16.1.: Was ist Leben und wie kann es entstehen?

Donnerstag, 16.1., 18.00 Uhr, SFN

Im Vortrag möchte ich die grundlegenden Ideen referieren, die man zur Entstehung von Leben auf der Erde und im Kosmos hat und zeigen, wie man das aus der Sicht der Shannonschen Theorie der Information sehen kann.

Iridiumsflares und mehr am Himmel, Teil 2


Tschüss Iridium - Hallo Starlink

Das Jahr 2019 war das Jahr, welches das Ende der geplanten Beobachtung von Iridium-Flares markierte. Die Iridium-Satelliten gehören einem Unternehmen, welches ein Netz für Satelliten-Telefone bietet. Bei Gründung der Firma galt diese Technologie als sehr neu und sollte möglichst vielen Menschen den Zugang zu Mobilfunk und auch Internet bieten. Dieses Satelliten-Netz besteht aus 66 Satelliten auf verschiedenen Umlaufbahnen, die aber schon seit einiger Zeit abgeschaltet wurden. Die Firma erneuert gerade und schickt wieder neue ins All, die dann für die nächsten Jahre wieder die Kommunikation von Tausenden ermöglichen. Denn, auch wenn solche Satelliten-Telefone etwas veraltet wirken, gibt es weiterhin Interessenten: Das Militär, Forschungsexpeditionen, Polarexpeditionen. Eben überall, wo man auf Satellitenkommunikation zurückgreifen muss.

Für Amateurastronomen bleiben die Iridium-Satelliten aber gerade wegen einer Sache im Gedächtnis: Die Iridium-Flares. Was ist ein solcher Flare? Diese Satelliten haben Solar-Panels, die ihnen Strom liefern. Diese Solar-Panels sind gleichzeitig aber wie ein Spiegel und sorgen für Lichtreflexionen. Es ist wie, wenn jemand sie mit einer Uhr blendet. Es gibt noch die Flares, aber sie können nicht mehr vorausgesagt werden, da die Satelliten abgeschaltet wurden.

Gleichzeitig wurden dieses Jahr neue Satelliten mit ähnlichem Ziel gestartet: Starlink-Satelliten.
Elon Musk möchte mit einem weltweiten Netzwerk aus diesen Satelliten Millionen Menschen den Zugang zum Internet ermöglichen. Die Satelliten sind relativ klein und werden immer in Paketen von 60 Stück ins All befördert. Im Mai 2019 sind die ersten 60 gestartet worden und alle paar Monate werden weitere ins All geschickt. Erst vor einigen  Tagen wurden wieder neue gestartet und es werden noch viel mehr. 

Zur Zeit ist geplant knapp 12.000 Satelliten in den Orbit zu bringen und es gab einen Antrag auf 30.000 mehr. Ziel ist, dauerhaft 80 Satelliten von jedem Punkt der Erde aus über dem Horizont zu haben. Diese Menge an Satelliten bringen einige Probleme mit sich: Beispielsweise geht auf diese Weise der Nachthimmel ein wenig verloren. Viele Menschen denken, das wären Außerirdische, die sie dort gerade sehen, obwohl es "nur" wieder 60 neue Starlink-Satelliten sind. 

Ich selber konnte bereits am 24. Mai 2019 sehen, wie ein solcher "Startrail" aussieht. Man kann es gut beschreiben als Perlenkette aus etwa 20 Punkten. Diese Punkte sind so hell wie die Sterne im großen Wagen und leuchten mal auf, werden wieder sehr dunkel, wodurch diese Perlkette zu glitzern scheint. Man kann meinen, das sähe doch schön aus, aber wenn dieses Netzwerk vollendet ist, sind 80 Punkte einzeln am Himmel zu sehen - überall verteilt. Sonst beschränkte sich die Anzahl an sichtbaren Satelliten auf meist 20, bald werden es 100 sein.

Ein weiteres Problem sehe ich beim Kessler-Syndrom. Das klingt nicht nur wie eine Krankheit, sondern verhält sich auch so. Es geht dabei darum, dass wenn die Umlaufbahnen von Schrotteilen oder Satelliten sich kreuzen, sie mit so hohen Geschwindigkeiten kollidieren, dass weitere Schrotteile entstehen. Schrotteile kollidieren weiter mit anderen Schrotteilen oder Satelliten, wodurch nach und nach der Schaden immer größer wird. Wegen solchen Schrotteilen müssen andere Satelliten, sowie die ISS, regelmäßig ausweichen. 

Dabei gibt es zwei Probleme: Einmal werden die Schrotteile immer kleiner, bis sie nicht mehr zu verfolgen sind, andererseits hat das Kessler-Syndrom auch einen Kipppunkt. Wenn dieser Punkt überschritten wird, dann werden immer schneller immer mehr Satelliten zerstört, so dass man die Kontrolle darüber verliert. Je mehr Satelliten im Orbit sind, desto schneller wird dieser Kipppunkt überschritten. Das Endstadium beim Kessler-Syndrom ist eine Hülle aus Schrotteilen um die Erde, die eine Art Käfig für die Menschheit bildet, da die Wahrscheinlichkeit von Schrotteilen getroffen zu werden zu hoch ist, wenn man da durchfliegt.
Momentan kreisen etwa 2.200 aktive Satelliten um die Erde, wahrscheinlich aber noch einige Spionagesatelliten, abertausende größere Schrotteile und vermutlich mehrere Millionen feinster Schrotteile. Jetzt kommen 12.000 Satelliten hinzu, möglicherweise bis zu 42.000. Der Nutzen dieser basiert auf einem Konzept, das den Iridium-Satelliten ähnelt - die alten dieser Art wurden nun abgeschaltet. 

Kann man wirklich alle 12.000 bis 42.000 Satelliten gleichzeitig überwachen, ohne im Chaos zu enden? Was passiert in 20 Jahren, wenn sie veraltet sind? Werden sie auch unkontrolliert herumtaumeln, bis sie sich gegenseitig zerstören? Übrigens liegt die Übertragungsgeschwindigkeit bei 1Gbit/s, was vergleichbar mit 4G ist. Wie lange dauert es bis das  veraltet ist? 

v. Mark Woskowski



Sonntag, 12. Januar 2020

Wo steckt eigentlich Mars?

Vor einer Woche, am 5.1. konnte ich das letzte Mal am Morgenhimmel Mars ausmachen. Er stand da noch oberhalb von Acrab. Inzwischen ist er wieder weiter gewandert und unterhalb von Acrab.
Heute Morgen war viel Nebel und Horizontbewölkung, es waren viele Versuche notwendig Mars, Acrab und Antares durch einige Wolkenlücken zu sehen.
Eingezeichnet ist auch die ungefähre Bewegung des Planeten seit Anfang Dezember.
Das Bild entstand um 6.43 Uhr, die Dämmerung begann. Der volle Mond stand noch hoch im Westen und beleuchtete dort die Wolkenbänke (Bild 7.03 Uhr).





Mitten in der Nacht....

Untergang von Sirius gegen 3.09 Uhr neben dem Turm der Christuskirche in Kassel-Wilhelmshöhe, die Landschaft wird vom noch fast vollen Mond beleuchtet.

(PS: Wegen der vielen aktuellen Posts kommt der  nächste Beitrag Iridiumflares Teil 2 am Montag)


Mond in Schieflage

Etwas ungewöhnlich lag am Samstagabend um 22.15 Uhr die Mondachse...(gelb markiert). Mare Crisium erlebt den Sonnenuntergang. Auffällig sind noch das Strahlensystem des Tycho (helle Auswürfe, weit über den Mond verteilt) sowie die hellste Stelle (Aristarchus) und dunkelste Stelle (Grimaldi).



Samstag, 11. Januar 2020

Nochmal Beteigeuze

Heute Abend klarte es wieder auf, also mal nachschauen, ob Beteigeuze immer noch schwächelt...ja tut sie!

Der noch fast volle Mond und leichte Bewölkung stören zwar, aber die Helligkeit kann man ja nur im Vergleich zu anderen Sternen erfassen.

Die Aufnahme entstand heute um 22.21 Uhr.
Man vergleiche mit den Aufnahmen im Post vom 5.1.!



Post vom 5.1.:Der 700 Lichtjahre entfernte Überriese Beteigeuze erscheint zur Zeit deutlich lichtschwächer am Himmel.
Das ist erst einmal nichts Ungewöhnliches...denn wie viele Überriesen ist auch Beteigeuze ein Veränderlicher. Er hat zwei unterschiedliche Lichtwechselperioden: 1,2 Jahre und 5,9 Jahre. Wenn jetzt beide Zyklen im Minimum sind, dann dunkelt Beteigeuze besonders ab.

Es könnte aber sein, dass Beteigeuze den Übergang zu einer Supernova macht. Das ist wohl eher unwahrscheinlich, auch wenn es in astronomisch kurzer Zeit (einige 1000 Jahre) ansteht...

Aber in den Schlagzeilen der Presse liest sich das besser...

Den "dramatischen" Helligkeitseinbruch erkennt man auch auf zwei Bildern. Das erste habe ich am 3.2.19 gemacht, das zweite ist vom 2.1.20.

Helligkeiten kann man nur durch Vergleiche abschätzen:
Am 3.2.19 erscheint Beteigeuze (laut Katalog etwa 0,5 mag hell) heller als Bellatrix und die Gürtelsterne, etwa so hell wie Rigel.
Am 2.1.20 ist sie lichtschwächer als Rigel, gleicht eher Bellatrix und den Gürtelsternen. Helligkeitsmessungen ergeben etwa 1,3 mag für Beteigeuze.

Da Magnitudenangaben logarithmische Maße für Intensitäten sind, strahlt Beteigeuze zurzeit etwa die Hälfte ihrer sonstigen Leistung ab.


 Durch Vergleich würde ich heute auf eine geschätzte Helligkeit von 1,6 mag bis 1,8 mag kommen. Sie ist also auf keinen Fall wieder heller geworden, eher noch lichtschwächer.


Im Blog sind noch Lichtkurven (AAVSO) angegeben, die das Verhalten seit 1911 zeigen. Noch nie war der Stern so lichtschwach. Etwa im November 2019 begann der Helligkeitsabfall.
grün: Messungen im Visuellen, Schwarz: Schätzungen


Weitere Bilder: Eine Mikrowellenaufnahme der Oberfläche von Beteigeuze durch ALMA/Chile vom Januar 2019 (credit ALMA/ESO/NAOJ/NRAO), man sieht eine heiße Wolke.


Die künstlerische Darstellung der ESO zeigt den Größenvergleich zu unserem Sonnensystem (ESO, L.Calcada)