Sonnenuntergang in Kassel (Lara Bendig)

Mittwoch, 20. März 2019

Sonne über dem Erdäquator

Heute Abend steht um 22.58 Uhr die Sonne über dem Erdäquator, d.h. sie überschreitet von unten kommend den Himmelsäquator. Der Schnittpunkt zwischen Himmelsäquator und Jahresbahn der Sonne (Ekliptik) ist der Frühlingspunkt: Heute um 22.58 Uhr beginnt der (astronomische) Frühling!

Das bedeutet:
Am Nordpol der Erde taucht sie über dem Horizont auf, der 6 monatige Polartag beginnt.  Am Südpol verschwindet die Sonne und bei uns ist sie 12 Stunden über dem Horizont.

Letzteres ist nicht ganz richtig, denn durch die Lichtbrechung in der Erdatmosphäre sehen wir die Sonne schon drei Minuten vor dem eigentlichen Aufgang und noch 3 Minuten nach dem eigentlichen Untergang: Der Tag ist 6 Minuten länger.

In der heutigen Nacht ist auch Vollmond, genau um 2.42 Uhr steht der Mond genau der Sonne gegenüber.

Risse im Erdmagnetfeld

Am Wochenende  haben sich erste Risse im Erdmagnetfeld gezeigt. Das ist nicht ungewöhnlich, kommt aber zum Frühlings- und Herbstanfang besonders häufig vor.
Dies ist der 1973 von Russell und McPherron erklärte und nach ihnen benannte  Russell-MCPherron -Effekt.
Hier ist ein Link zur Originalarbeit:

Originalarbeit

 Im Sonnenwind werden nach Süden gerichtete Magnetfelder transportiert, die das nach Norden gerichtete Erdfeld kompensieren. Durch diese "Risse" kann der Sonnenwind eindringen und gigantische Polarlichter erzeugen.

Das kann an jedem Tag im Jahr passieren, ist aber im März besonders häufig (am zweithäufigsten Ende September/Anfang Oktober).

Am Samstag ist ein solcher riesiger Riss aufgetreten und Markus Varik konnte ein gigantisches Polarlicht über Tromsö/Norwegen aufnehmen.

credit: Markus Varik
 Ein weiteres Bild konnte Göran Strand in Schweden machen.

credit: Göran Strand
Im Oktober war ich ja in Sibirien, auch dort haben wir Polarlichter gesehen. Sie sind im Post vom 8.10. zu sehen.

Venus kämpft als Morgenstern

Ihre Zeit als Morgenstern geht langsam zu Ende. Nur mühsam kann man Venus um 5.57 Uhr am schon kräftig aufgehellten Himmel nahe des Horizontes erkennen.






Dienstag, 19. März 2019

Zwei seltsame Blitze

Das Wetter war wolkenfrei, wenn auch sehr diesig...aber es sollte für den Iridium-Blitz ausreichen.
Die Kamera war so positioniert, dass das Himmelsgebiet weiträumig abgedeckt war, sie blickte über den Rammelsberg.
Etwa 1 Minute vor der berechneten Zeit tauchte unterhalb des Polarsternes ein sehr heller Blitz (geschätzt - 7 mag) für maximal eine Sekunde auf. Nach 1,5 Minuten dann ein zweiter, noch kürzerer ebenso heller Blitz (Dauer vielleicht 0,2 Sekunden).

Alles zu kurz um auf den Auslöser zu drücken...

Die beiden Blitzorte sind aber in die unmittelbar danach gemachte Aufnahme eingezeichnet (blaue Sternchen). Sie liegen wirklich auf der berechneten Satellitenbahn.

Die Iridium-Satelliten sind abgeschaltet. Ihre Bahnen behalten sie, aber ihre Eigenbewegung ist nicht mehr kontrolliert. Anscheinend hat die Antenne nur zwei sehr kurze Lichtblitze auf Kassel gelenkt an Stelle eines längeren (und später auftauchenden, wie eigentlich berechnet).

Hat jemand an anderer Stelle ähnliches beobachtet oder waren dort die Blitze länger zu sehen?

Bitte mal schreiben an kphaupt at sfn-kassel.de



Heute Abend Iridium-Flare über Kassel

Um knapp 19.59 Uhr blitzt das Sonnenlicht, umgeleitet von einer Satellitenantenne genau über Kassel hinweg.

Der Lichtblitz ist fast genau im Norden unter der Deichsel des kleinen Wagens zu sehen. Man sieht etwa 10 Sekunden vorher den Satelliten von oben kommend, dann wird er immer heller (-7 mag) und entschwinded dann schnell dem Blick.
Am hellsten ist er längs der Verbindungslinie Warteberg -Hauptbahnhof -Abzweig Auestadion der A 49.

Montag, 18. März 2019

Orionuntergang im Mondlicht

Der fast volle Mond beleuchtet die schon aufgehellte Stadt, trotzdem sieht man um 22.07 Uhr gut den Orion im SW über dem Habichtswald untergehen.


Aristarchus strahlt hell

Die Schattengrenze auf dem Mond läuft weiter richtig Osten und die Ostwand des Kraters Aristarchus leuchtet hell im Sonnenlicht. Das Bild wurde um 19.55 Uhr gemacht.

Der 40 km große Krater ist von hellen vulkanischen Abladerungne überzogen, die ihn doppelt so stark reflektieren lassen wie andere Krater. Selbst im Erdschein sieht man ihn als hellen Fleck.
Oft sieht man vorübergehende Leuchterscheinungen in seiner Nähe, man vermutet, dass noch vulkanische Gase aus seinem Inneren austreten.

Die anderen Namen entnehme man dem letzten Post zum Mond.

Ausschnittsvergrößerung:

Der Mond steht heute Nacht übrigens nahe dem Stern Regulus im Löwen. Damit man den auf dem Bild erkennen kann, muss der Mond überbelichtet werden.

Voll daneben...

1995/96 untersuchten Adam Riese und Brian Schmidt Supernovae in fernen Galaxien und bestimmten deren Entfernungen. Im Dezember 1997 veröffentlichten sie, dass alle ihre untersuchten Supernovae viel zu weit entfernt stehen würden.

Die einzig richtige Folgerung war: Unser Kosmos ist größer als bis dahin angenommen, er musste sich somit beschleunigt, also immer schneller, ausdehnen.

Ich war damals auf einer Tagung in Aachen: "Mikrokosmos-Makrokosmos", auf der Kosmologen und Philosophen aus der ganzen Welt über Kosmologie und Elementarteilchenphysik diskutierten. Einer der Referenten war aus der Gruppe von Riese und Schmidt und berichtete über die Ergebnisse.
Niemand verstand es, man war der Meinung er hätte sich versprochen: decelerate (abbremsen) statt accelerate (beschleunigen), Aber auf Nachfrage bestätigte er: "Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit dehnt sich der Kosmos beschleunigt aus!"

Parallel dazu untersuchten Saul und Perlmutter die Strukturen in der kosmischen Hintergrundstrahlung, die aus der Zeit 380 000 Jahre nach dem Urknall kam. Sie kamen zu dem Ergebnis einer flachen, nicht gekrümmten, Raum-Zeit. Dazu aber reicht die vorhandene Materie (einschl. der Dunklen Materie) nicht aus. 75% unseres Universums mussten aus Dunkler Energie bestehen, die auch für die Expansion verantwortlich ist.
Je größer der Raum wird, desto mehr Dunkle Energie enthält er und deshalb beschleunigt sich die Expansion.

Niemand weiß bisher was Dunkle Energie ist.
Naheliegend wäre es sie mit der Grundenergie des Vakuums zu identifizieren. (siehe hierzu Post vom 16.12.).
Die kann man aus den möglichen Teilchen-Antiteilchen-Paaren ausrechnen und mit der für die beschleunigte Expansion notwendigen Energie vergleichen:

Danach besitzt das Vakuum 10^120  (10 hoch 120) mal mehr Energie als es für die Expansion des Universums nötig wäre...

Mehr Abweichung zwischen Theorie (Vakuumenergie) und Messung (Stärke der Expansion) geht nicht...die Theorie liegt voll daneben!

credit: NASA

Mikrowellenhintergund, credit: ESA

Sonntag, 17. März 2019

Mond heute

In der Dämmerung kann man den Mond besonders gut mit Tele fotografieren.
Das Bild mit 1200 mm Tele (heute um 18.33 Uhr) zeigt gerade an der Schattengrenze viele Details.
Bei Tycho (Durchmesser 85 km) und Kopernikus (95 km) deuten sich schon die nur bei Vollmond gut sichtbaren Strahlen an (helles Auswurfmaterial).

So kann man heute den Mond im Fernglas sehen.


Unten  ist eine nicht komprimierte Ausschnittsvergrößerung zu sehen. Da erkennt man sehr gut die Zentralberge sowie die schon im Sonnenlicht stehenden Bergspitzen des Randgebirges vom Mare Humorum (so etwas wie der südliche Goldene Henkel...).


Thorium als Indikator für Leben auf anderen Planeten ?

Auf vielen verschiedenen Wegen versuchen Astronomen die Bedingungen für Leben im Kosmos zu untersuchen.
Eine sehr wichtige Bedingung für die Entwicklung des Lebens auf der Erde ist die Plattentektonik. Sie führt einerseits dazu, dass Kontinente aufschmelzen,  Vulkanismus angetrieben wird und letztlich trägt somit letztlich zur  Entwicklung der ersten komplexen chemischen Moleküle bei.

Man sollte nicht davon ausgehen, dass Leben im Kosmos sich nur auf eine Weise entwickeln kann, wie es auf der Erde möglich war.
Aber umgekehrt ist die Annahme erlaubt, dass ähnliche Bedingungen vielleicht ähnliche Prozesse ermöglichen.

Die Plattentektonik auf der Erde wird u.a. durch Radioaktivität angetrieben. Thorium 232 ist ein Element, dass sehr lange Halbwertszeiten hat, d.h. über lange Zeit Energie für die Erwärmung des Erdmantels bereitstellen kann..
Es ist nicht auf der Erde entstanden, sondern war schon im ursprüngliche Sonnennebel vorhanden. Es ist auch heute im Spektrum der Sonne nachweisbar ( auf 1 Billionen H-Atome kommt ein Th 232 Atom).


Erstmals wurde nun mit dem Spektrograph HARPS des 3,6 m Teleskops in La Silla, Chile, in den Spektren sonnenähnlicher Sterne nach Thorium  gesucht. In 53 Sternen wurde man fündig. Jetzt müsste man mit den Teleskopen der nächsten Generation nachschauen, ob diese Sterne auch Planeten in der bewohnbaren Zone haben. Zumindest könnte das Thorium bei diesen Planeten eine Plattentektonik angetrieben haben. Notwendig ist es nicht...denn Venus und Mars bestehen aus dem gleichen Urmaterial wie Sonne und Erde und besitzen weder Plattentektonik noch Leben.
Aber einen Versuch ist es wert. Und irgendwie muss man schauen, bei welchen Sternen die Suche nach außerirdischem Leben erfolgsversprechend sein kann.....

Bildcredit: Melissa de Andrade Nunes (IAG/USP)

Plattentektonik und Kohlenstoffzyklus
 Bilder  3,6 m Teleskop La Silla:

La Silla, mit 3,6 m Teleskop hinten



Kuppel 3,6 m Teleskop bei Sonnenuntergang


Das 3,6 m Teleskop
Im Kontrollraum, Spektren auf dem Monitor
Blick vom 3,6 m Teleskop
La Silla


Samstag, 16. März 2019

It`s "Goldener Henkel - Time"

Ungefähr zwei Tage nach Halbmond kann man für wenige Stunden den "Goldenen Henkel" mit einem Fernglas sehen:

Das Randgebirge von Sinus Iridium wird schon von der Sonne beleuchtet, während die Tiefebene (gerade noch) im Schatten liegt.
Wer in den nächsten Stunden noch mit einem Fernglas die Chance hat den Mond durch die Wolken zu erspähen, mag den Henkel noch sehen können.Sehr schnell wird auch die Sonne in der Regenbogenbucht (Sinus Iridium) aufgegangen sein.

Weitere Kraternamen und Marebezeichnungen in den vorherigen Posts.

Bildaufnahme um 21.55 Uhr, während einer kurzen nahezu freien Wolkenlücke...




Hier das nicht komprimierte (nur duch das Hochladen komprimierte) Bild:


Sternengeschwister als Embryonen

Das Mikrowelleninterferometer ALMA in Chile steht in 5100 m Höhe und ermöglicht eine störungsfreie Registrierung der Strahlung von Staubscheiben um entstehende Sterne.
Die 66 Antennen beobachten im mm-Bereich und können in verschiedenen Positionen aufgestellt und zusammengeschaltet werden.




Live Video von ALMA

Im Bild sehen wir die hochaufgelöste Darstellung von zwei beeinander stehenden protoplanetaren Scheiben, das System  AS 206  im Sternbild Skorpion. In der unteren Scheibe befinden sich zwei Sterne, so dass hier insgesamt ein Dreifach-Sternsystem mit Planeten entsteht.

Doppelsterne sind sehr häufig im Kosmos, sie besitzen auch Planetensysteme. Die Planeten umkreisen dann entweder einen der beiden Sterne oder das gesamte System.

Credit:
ALMA (ESO/NAOJ/NRAO), S. Andrews et al.; NRAO/AUI/NSF, S. Dagnello