Wenn Sterne
sterben….
Gegen 19 Uhr wollen wir Anfang November Richtung Nordosten blicken.
Dann sehen wir links, tief im Norden stehend, das bekannte Sternbild des Großen
Wagens mit den drei Deichselsternen und den vier Sternen, die den Wagenkasten
bilden. Verbindet man in Gedanken die hinteren beiden Kastensterne und
verlängert diese Strecke etwa fünfmal,
so trifft man auf den Polarstern. Er steht am Ende der eher unscheinbaren
Deichsel des Kleinen Wagens. Auf ihn zeigt die Drehachse der Erde. Unter ihm,
am Horizont, ist deshalb der Nordpunkt. Da die Drehachse unserer Erde sich im
Laufe des Jahres nicht verändert, sehen wir den Polarstern immer hier an dieser
Stelle des Himmels. Alle anderen Sterne kreisen somit scheinbar im Laufe der
Nacht, bedingt durch die eigene Drehung der Erde, um den Polarstern.
Im Südwesten sehen wir noch die beiden Gasplaneten Jupiter (der
deutlich hellere) und rechts neben ihm Saturn.
Blicken wir nun Richtung Osten so sehen wir den hellen Stern Capella im
Sternbild Fuhrmann aufgehen. Capella ist eigentlich ein doppeltes
Doppelsternsystem in etwa 42 Lichtjahren Entfernung, dessen hellste Sterne
sogenannte Riesensterne sind.
Sterbende Riesen
Alle Sterne gewinnen ihre enormen Energien durch den
Verschmelzungsprozess von Wasserstoffatomkernen zu Heliumatomkernen. Lässt
dieser Prozess nach, so dehnen sich Sterne aus, während ihr Inneres schrumpft,
sie altern. Dabei können sie je nach Masse bis zu tausendmal größer als unsere
Sonne werden. Solche Sterne nennen die Astronomen Riesen oder gar Überriesensterne.
Auch unsere Sonne altert und wird in etwa 5 Milliarden Jahren ein
Riesenstern werden und dabei die Erde so aus ihrer Bahn ablenken, dass sie im Inneren
der alten Sonne verglüht.
Aber schon in wenigen Milliarden Jahren wird es durch die sich
vergrößernde Sonne auf der Erde so heiß, das kein Leben mehr existieren kann.
Riesensterne stoßen ihre äußeren Gashüllen ab und ermöglichen somit die
Bildung von Molekülen und Staub, der in der nächsten Generation von Sternen für
die Bildung von Planeten zur Verfügung steht.
Übrig vom Riesenstern bleibt eine erdgroße Kugel aus Sauerstoff und Kohlenstoff,
ein sog. Weißer Zwerg, die in diesem letzten Lebensstadium nur noch Wärme abstrahlt, aber keine Energie
mehr durch Verschmelzung von Atomkernen freisetzt. Der Weiße Zwerg kühlt dann
langsam aus und erkaltet, ohne zu schrumpfen.
So ist auch das Lebensende unserer Sonne.
Sternenexplosion
Überriesensterne treten viel dramatischer in ihren Lebensabend ein: Sie
explodieren (als Supernova von den Astronomen bezeichnet). Wenn im Zentrum des
Sternes keine Verschmelzung von
Atomkernen mehr stattfinden kann, weil der „Brennstoff“ aufgebraucht ist, kollabiert der innere Teil des Sternes zu
einer etwa 10 km großen Kugel aus Neutronen. Wenn der äußere Teil des Sternes
auf diesen sog. Neutronenstern prallt, wird das auftreffende heiße Gas
verdichtet und explosionsartig nach außen geschossen. Dabei produziert der
explodierende Stern alle Elemente, die wir kennen. Gold, Silber aber auch
Silizium, Phosphor, Kalzium und Uran entstehen auf diese Weise. Die
Explosionswolke wird weit in den Kosmos hinausgeschleudert, die neuen Stoffe
stehen dann ebenfalls der nächsten Generation von Sternen und Planeten zur
Verfügung.
Das meiste Gold aber bildet sich, wenn zwei solcher Neutronensterne
miteinander verschmelzen.
Wir Menschen, unsere Erde…alles besteht aus dem Staub solcher
gestorbenen Sterne. Wir sind eingebunden in die kosmische Entwicklung der
Sterne.
Unser Kosmos
Auch unser Kosmos existiert in dieser Form nicht seit Ewigkeiten,
sondern erst seit knapp 14 Milliarden Jahren. Durch eine beschleunigte Zunahme
seiner Expansion steuert er ebenfalls auf ein Ende aller seiner Strukturen hin,
auf seinen Tod. Er wird in einigen Dutzend Milliarden Jahren eintreten.
Übrigens: Besonders massereiche Überriesen erzeugen bei ihrer
Supernovaexplosion ein Schwarzes Loch, das durch seine unmittelbar am Rand
wirkende riesige Schwerkraft Raum und Zeit so sehr verändert, dass es nicht
auszuschließen ist, dass im Inneren des Schwarzen Loches sogar ein neues
Universum entsteht. Wenn diese Spekulation stimmt, dann erzeugen sterbende
Sterne nicht nur das Material für neue Planeten, neues Leben sondern auch für
andere Universen und unser eigener Kosmos selbst wäre das Innere eines
Schwarzen Loches.
Sternkarte für den 15.11., 19.00 Uhr (B. Holstein, AAK)
Angebot:
Wegen der Pandemie bietet die Sternwarte auf dem SFN jeden Freitag um
20.00 Uhr einen kurzen Online-Vortrag an, mit anschließender Beobachtung des
Sternenhimmels durch die Fernrohre (auch online und live). Zugang: www.sfn-kassel.de/live
Planeten im November:
Merkur: Am Monatsanfang Morgenstern im Osten
Venus: Heller Abendstern, aber nur kurze Zeit nach
Sonnenuntergang dicht am SW Horizont zu sehen
Mars: Beginnt seine neue Sichtbarkeit morgens vor Sonnenaufgang
im Osten
Jupiter: Hell im SW, geht deutlich vor Mitternacht unter
Saturn: Rechts neben Jupiter