Sonnenuntergang in Kassel (Lara Bendig)

Dienstag, 27. August 2019

Ein Kosmos ohne Eigenschaften? Eine kleine Einführung in die Philosophie der Eigenschaften, Teil 2

Im letzten Post zu diesem Thema (21.8.) haben wir uns mit Eigenschaften beschäftigt und ein Elektron als Bündel von Eigenschaften bezeichnet, dem wir eben den Namen Elektron gegeben haben.

In der Physik definiert man Ladungen über ihre Wirkungen (auf andere gleichartige Ladungen). Die Wirkung einer Ladung wird durch ein Feld vermittelt, das entsteht durch die Ladung.
Das ist von der Begriffsbildung eher ein Zirkelschluss.

Die moderne Physik sieht das anders...in der sog. Quantenfeldtheorie sind Ladungen gequantelte Energiezustände von Feldern, sogar das Elektron selbst wird als Feldquant eines Elektronenfeldes angesehen (nicht vom elektrischen Feld, die Feldquanten des elektrischen Feldes sind die ruhemassenlosen Photonen).

Ziel der Physik ist es, die im Kosmos vorkommenden Eigenschaften auf Eigenschaften grundlegender Objekte zurückzuführen.

Es zeigt sich, das auf der Ebene der grundlegenden Objekte der Elementarteilchen alle Eigenschaften erhalten bleiben.

Nehmen wir die sog. Paarvernichtung als Beispiel:

Zwei Objekte der Materie und Antimaterie zerstrahlen sich.

    Elektron + Positron wird zu Photon + Photon

Weder der Ausgangszustand noch der Endzustand hat eine besondere Eigenschaft:
  Die Elektroneneigenschaft links wird von der Positroneneigenschaft kompenisert, Photonen sind eigenschaftslos, sie sind reine Energie
  Natürlich darf sich auch die Eigenschaft der Gesamtenergie und des Gesamtimpulses nicht verändern, die Umwandlung muss dem Impuls- und Energieerhaltungssatz genügen.

Ein weiteres Beispiel:

In der Hochatmosphäre entstehen durch die kosmische Strahlung Myonen, diese zerfallen in Elektronen:

Myon M wird zu Elektron E + Antielektronenneutrino AEN + Myonenneutrino MN

Links (vorher) gibt es lediglich eine Myoneneigenschaft, die muss erhalten sein und wird vom MN (einem nahezu massenlosen Eigenschaftsträger) übernommen. Rechts (nachher) ist ein E entstanden, dessen Eigenschaft muss durch ein AEN kompensiert werden.

Hier sieht man übrigens, warum wir Neutrinos brauchen: Sie können Eigenschaften aufnehmen und weitergeben und so die Bilanz der "Eigenschaftslosigkeit" ermöglichen.

Wo kommt die Myoneneigenschaft des Myons her?

Durch den Zerfall eines weiteren Teilchens:

Pion P wird zu Myon M + Antimyonenneutrino AMN

P hat keine Myoneneigenschaft, die neue Myoneneigenschaft des M wird durch das AMN kompensiert.

Wir brechen jetzt diese Beispiele ab und ziehen den Schluss:

In der Entwicklung des Universums scheint es nur zur Umsortierung elementarer Eigenschaften zu kommen, es werden keine neuen Eigenschaften erzeugt oder erschaffen.
Es war von Anfang an alles da...es wird nur ständig "umsortiert"....

Im dritten und letzten Post dieser Reihe werden wir einen "ganz blöden Fehler" der Natur beschreiben, durch den sich unmittelbar beim Urknall die neue Eigenschaft der Materie bilden konnte...und damit später Sterne, Planeten und Philosophen. Ohne diesen "Fehler" bestände unser Kosmos nur aus  Licht. Er wäre hell, aber es fehlt die Erleuchtung durch die Philosophen...

credit Bild: Uni Bonn, Geldermann


Keine Kommentare:

Kommentar posten

Kommentar eingeben