Sonnenuntergang in Kassel (Lara Bendig)

Dienstag, 6. Oktober 2020

Draconiden am Himmel

 

Die Draconiden sind ein periodischer Meteorstrom (Sternschnuppenstrom) der Nordhemisphäre mit vielen interessanten Ereignissen, welcher immer vom 5.10. bis 10.10. aktiv ist. Theoretisches Maximum ist immer der 8.Okt . In den meisten Jahren sind die Draconiden mit eher sehr schwachen Raten vertreten (~5 Meteore/h). Aber immer wieder in einigen Jahren durchquert die Erde separate Staubspuren des Mutterkometen 21P, welche die Hauptaktivität der Draconiden (DRA)darstellen. Dieser Meteorstrom ist aber auch für große Spektakel bekannt, sogenannte Meteorstürme. Bei solchen Ereignissen geht die Fallraten (ZHR) gerne in die Tausende. Per Definition ist ein Meteorsturm mit ZHR >= 1.000 festgelegt, as heißt also, das sdie DRA mit den berühmten Leoniden und deren starken Ausbrüchen gut mithalten können, wenn auch nicht so oft. Außerdem sind die DRA der einzige Haupt-Strom, bei dem  der Radiant nach der Abenddämmerung am höchsten steht (DRA abends 80° Höhe). Alle anderen sind in der 2. Nachthälfte am höchsten.

Die Draconiden 2020 sind ein weiteres potenzielles Highlight im Meteorstrom Programm in diesem Jahr. Der Grund dafür ist die Vorhersage von 2 separaten Staubspuren, die am Mittwochmorgen des 7.Okt. gegen 03:30 Uhr MESZ auf die Erde dezentral treffen werden. Diese Staubspuren sind jedoch in Bezug auf ihre Dichte unbekannt, wodurch eine grundsätzliche Ratenangabe (ZHR) eher unmöglich ist. Die letzten beiden Ausbrüche der DRA sind 2018 und 2011 gewesen. Davon ist 2018, vom 8.10. mit ZHR 50 Prognose und ZHR 155 war die Realität, nicht relevant. Allerdings war das schon echt toll, da ich mitten im Oktober das Gefühl hatte in einer  Perseiden Nacht zu stehen. Aber es ist jetzt 2011 interessant. Der Grund ist, dass das geometrische Zentrums des Staubes 2011 wie auch jetzt 2020 in etwa gleich weit entfernt liegt mit 0,0004 AU (60.000 km). Hinzu kommt das 2011 von den meisten Quellen eine ZHR von 100 -200 vorhergesagt wurde und sogar ZHR 300 real eintrat. Peter Jenniskens prognostiziert in seinem Standardwerk 2006 dass die minimale Entfrenung des 2020 Staubes nur 0,00017 AU entfernt ist.

Exkurs: Zum Beobachten ist noch das ein und andere wichtig zu wissen.

 // 1. Die sogenannte ZHR wird für einen theoretischen Ort optimaler Rahmenbedingungen angegeben, heißt scheinbare Grenzgröße +6,5 mag und Radiant des Stromes im Zenit. +6,5mag sind die dunklesten Sterne, die das bloße Auge noch gerade war nehmen kann.

 // 2. Es ist wichtig sich möglichst dunkle Orte weg von Kunstlicht zum Beobachten zu suchen und Lichtquellen außerhalb des Sichtfelds zu halten, einschließlich Mond. 

// 3. Nicht zum Radianten schauen, dort kommen die Meteore auf den Beobachter  zu (keine Strichspur)

 // 4. 2020 ist der abnehmende Mond (75%) hoch am Himmel, dadurch werden die Raten doch deutlich gedrückt.

Fazit: Wenn der Staub 2020 dicht genug ist, dann werden die DRA definitiv ein tolles  Feuerwerk bringen. Und der der sich um die Uhrzeit bei gutem Wetter zum Beobachten nach Draußen begibt, hat sehr guter Chancen, sogar im positiv Sinne, überrascht zu werden. Die Draconiden sind immer für eine Überraschung gut. So hat es sich in den letzten Jahrzehnten oft gezeigt.

Sternkarte von Stellarium

Artikel von Jonas Plum



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