Sonnenuntergang in Kassel (Lara Bendig)

Samstag, 10. Oktober 2020

Durch Fernrohre sehen und fotografieren, Teil 2

 Durch Fernrohre sehen und fotografieren, Teil 2:

Mit der Kamera oder dem Handy am Fernrohr

Okularprojektion:

Hier projiziert man das Bild mit dem Fernrohrokular auf den Chip in der Kamera. Dazu muss das Kameraobjektiv abgenommen werden.

Man benutzt also das Fernrohr mit Okular und die Kamera ohne Objektiv.

Das Bild zeigt den Verlauf der Strahlen.

Auch hierbei erzeugt das Fenrohrobjektiv ein reelles (auffangbares) Bild in seinem Brennpunkt.

Dieser ist jetzt aber nicht mehr gleichzeitig auch der Okularbrennpunkt. Das Okular wird so eingestellt, dass sein Brennpunkt gleich rechts neben dem Zwischenbild liegt.

Je dichter man die beiden Brennpunkte zusammenbringt, desto größer wird das vom Okular erzeugte Bild und desto weiter weg vom Okular ist es.

In der Okularprojektion kann man also die Vergrößerung dadurch regeln, dass man die beweglich angebrachte Kamera verschieben kann und dann scharf abbildet durch Drehen am Okularfokus.

Dadurch kann man das Bild perfekt an die Größe des Chips in der Kamera anpassen.

 Eine kleine Rechnung zeigt, wieso das sinnvoll ist:

Wir nehmen einen Refraktor mit f= 1000 mm Brennweite und bilden damit den Mond ab. Den Mond sehen wir unter einem Winkel von 0,5°.

Damit erscheint er im Zwischenbild 1000 mm * tan 0,5° =  8,7 mm groß.

Bei einem 24 mm Chip ist das nur ein kleiner Teil, der belichtet und somit ausgenutzt wird.

Es ist also sinnvoll durch Okularprojektion das Mondbild an den Chip anzupassen.


Abb. nach Vistnes,  "Physics of Oscillations and Waves", Springer

Afokale Projektion

Fast jeder hat schon mal mit einem Handy durch ein Fernrohr fotografiert.

Dabei hat das Handy ein Objektiv (logisch, das kann man ja nicht rausnehmen) und das Fernrohr wird mit Okular benutzt.

Zusammen mit dem Fernrohrobjektiv hat man dann ein System aus drei Linsen, das natürlich auch ein Bild auf dem Handychip erzeugen kann.

Dieses Bild findet man dadurch, dass man den Abstand zwischen den letzten beiden Linsen anpasst. Deswegen ist es sinnvoll das Handy mit einem Halter an das Okular anzubauen, der auch eine Abstandsregelung ermöglicht.

In der Sternwarte auf dem SFN halten wir solche Halter für unsere Besucher/innen bereit.

Natürlich leidet die Bildqualität etwas, wenn man drei Linsen benutzt, aber man ist oft erstaunt, welche tollen Bilder man von Mond oder Planeten mit heimnehmen kann.

Bild: amazon

Ende der Miniserie

Freitag, 9. Oktober 2020

Mars über dem Dunst der Stadt

 Ab und an zogen sich die Wolken mal zurück und der rötlich leuchtende helle Mars stand hoch im SO.

Die Aufnahme entstand am Freitag um 23.25 Uhr.




Sternenführung auf dem Dörnberg

 

Die erste Sternenführung auf dem Dörnberg von Mark Woskowski findet am 17.10. um 20.00 Uhr statt, allerdings nur bei wolkenfreiem Himmel.

Treffpunkt: Grillhütte am ersten Parkplatz




Durch Fernrohre sehen und fotografieren, Teil 1

Durch Fernrohre sehen und fotografieren:

Teil 1: Strahlengang im Fernrohr

Bevor wir uns damit beschäftigen, wie der Strahlengang beim Fotografieren aussieht, sollten wir noch einmal zusammenstellen, wie das Licht über das Fernrohr beim visuellen Beoabachten ins Auge kommt:

Als Beispiel nehmen wir einen Refraktor.

Die Objekte der Astronomen sind, verglichen mit den Brennweiten der Objektive, nahezu unendlich weit entfernt. Deshalb entsteht das Bild im Brennpunkt F des Objektivs.

Blickt man nun durch ein Fernrohr durch, so stellt man das Okular so ein, dass parallele Lichtstrahlen in das Auge gelangen.

Das ist für uns am entspannendsten, wir stellen unser Auge auf "unendlich". Die Augenlinse erzeugt aus den parallen Lichtstrahlen das wahrnehmbare Bild auf der Netzhaut.

Am Strahlengang wird deutlich, dass die Lichtstrahlen steiler aus dem Okular austreten als sie in das Objektiv eintreten. Dies entspricht einer  Vergrößerung des Winkels, unter dem wir das Objekt sehen, wir erkennen es also vergrößert.

Die Vergrößerung des Fernrohres ist das Verhältnis der Winkel vor dem Objektiv und nach dem Okular. Man kann dies auch dadurch berechnen, dass man die Brennweite des Objektives durch die des Okulares teil.

Je kurzbrennweitiger das Okular ist, desto steiler treten die Lichtstrahlen aus ihm aus und desto stärker ist die Vergrößerung.

Da die Lichtstrahlen parallel aus dem Okular austreten, können wir mit dieser Einstellung kein Bild auf einem Film oder auf einem CCD-Chip auffangen.

Damit wir durch ein Fernrohr auch fotografieren können, gibt es zwei Möglichkeiten:

- Das Okular wird verschoben, so dass es selbst ein Bild erzeugt, das wir dann mit dem Chip registrieren können. Die Lichtstrahlen kommen dann nicht mehr parallel aus dem Okular heraus.

Hier arbeitet die Kamera ohne eigenes Objektiv. Das nennen wir Okularprojektion: Das Okular projiziert das Bild auf den Chip.

- Die Kamera hat eine eigene Linse, die wir auch nutzen.. Das nennt man afokale Projektion.

Mit diesen beiden Möglichkeiten werden wir uns im nächsten Post dieser Mini-Serie beschäftigen.

Abb. nach Vistnes,  "Physics of Oscillations and Waves", Springer

Im oberen Bild ist das Objekt nahe am Fernrohrobjektiv, so dass das Zwischenbild hinter dem Brennpunkt des Objektivs entsteht. Die Brennpunkte von Objektiv und Okular fallen hier nicht zusammen.

Da Astronomen aber keine Baumspitzen in der Nähe, sondern Sterne ind er Ferne ansehen, kommen die Lichtstrahlen schon parallel in das Objektiv hinein, das Zwischenbild entsteht im Brennpunkt des Objektivs, der dann auch der (gegenstandsseitige) Brennpunkt des Okulars ist.

Vereinfachte Darstellung (Objekt im Unendlichen) (nach TU München)



Donnerstag, 8. Oktober 2020

Noch 2 Tage bis Halbmond

 Erstaunlicherweise war es längere Zeit klar heute Nacht. Um 3.34 Uhr stand der abnehmende Mond hoch am Himmel. Rechts neben ihm erkannte man Aldebaran im Stier mit dem offenen Sternhaufen der Hyaden, unter ihm stand das Wintersternbild Orion.

Wie immer sind in der Regel nur die wichtigsten Mondformationen entlang der Schattengrenze beschriftet.




Auf dem Weg zum Weihnachtsstern 3

 Einige Tage war es bewölkt, nach dem ersten Bild vom 3.10. sind jetzt 4 Tage vergangen.

Die Aufnahme am Mittwoch habe ich um  21.04 Uhr gemacht.

In der Tat erkennt man eine leichte Bewegung von Jupiter, der deutlich dichter am Stern  HIP 95077 steht.

Eine leichte Verschiebung von Saturn kann man ebenfalls erkennen. Er bewegt sich wegen der doppelten Entfernung wesentlich langsamer.

Jupiter wird sich jetzt Saturn immer mehr annähern (nur scheinbar am Himmelsgewölbe) und dann Weihnachten nahezu mit ihm verschmelzen.

Ich zeige auch noch einmal das Bild vom 4.10., in das ich ungefähr einige Positionen eingezeichnet habe.


Mehr Info:

Post vom 3.10.

 


 






Mittwoch, 7. Oktober 2020

MINT Kongress online

11. MINT - Kongress im SFN -online-

Vom Montag, 19.10. bis Sa, 24.10. können alle an Naturwissenschaften und Technik Interessierte täglich von 14.00 Uhr bis 19.00 Uhr online an über 100 Veranstaltungen (Vorträge, Workshops, Diskussion, Live-Experimente und vieles mehr) teilnehmen.
 
Damit ist das der größte MINT-Kongress in Deutschland für die Allgemeinheit.

Die Beiträge werden von Jugendlichen aus Deutschland (SFN Kassel, Hamburg), Sibirien, Italien und der Slowakei gestaltet. Aber auch namhafte Wissenschaftler/innen halten Vorträge oder leiten Workshops, wie z.B. der aus dem Fernsehen bekannte Prof. Harald Lesch.
 
Die Wissenschaftler von q tools bauen im SFN ein Quantenlabor auf, von dem aus alle Interessierten  täglich auch online hochaktuelle Experimente selbst durchführen können, wie z.B. Quantenkryptographie oder Teleportation ("Beamen").
 
Am Fr, 23.10. werden um 19.00 Uhr online durch die Fernrohre der Sternwarte auf dem SFN die Planeten Mars, Jupiter, Saturn und der Mond beobachtet.
 
Am Sa, 24.10. zeigen die bundesweiten bekannten Physikanten ihre neue Show live online aus dem SFN  heraus.
 
Das ausführliche Programm findet man auf der Homepage des SFN: sfn-kassel.de
Der Zugang zu allen Veranstaltungen ist über die Kongresshomepage  schuelerkongress-kassel.de möglich.
 
Dort wird u.a. auch eine Videobotschaft vom hessischen Kultusminister zu sehen sein.



 


Zwischen zwei Regenschauern am Morgen

 Immer wieder tauchte am Morgen des Mittwoch die helle venus als Morgenstern zwischen den Wolken auf.

Die Aufnahme entstand um 6.52 Uhr.



Dienstag, 6. Oktober 2020

Nobelpreis für deutschen Astrophysiker

 Heute ist der Nobelpreis für Physik vergeben worden:

Eine Hälfte geht an Reinhard Genzel, Direktor des MPI für extraterrestrische Physik, der mit den Instrumenten der ESO in Chile beobachtet hat, und an Andrea Ghez, University of California, LA, die das Keckteleskop in Hawaii benutzt hat. 

Die Auszeichnung gibt es für die Entdeckung eines supermassiven kompakten Objektes im Zentrum unserer Milchstraße.

Mit dieser Formulierung legt sich das Preiskomitee sicher nicht fest, denn wir reden zwar vom Schwarzen Loch SL im Zentrum unserer Milchstraße, aber es könnte auch ein anderes sehr kompaktes Objekt sein, ist zwar unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich.

 Die andere Hälfte des Nobelpreise geht an den 89-jährigen Roger Penrose, University of Oxford, UK, für die zweifelsfreie Herleitung der Existenz Schwarzer Löcher aus  der Allgemeinen Relativitätstheorie ART, die er vor fast 60 Jahren gemacht hat.

Seit fast 30 Jahren beobachtet Genzel das Zentrum der Milchstraße und verfolgt die Bewegung der Sterne dort. Schon oft habe ich über diese Arbeiten im Blog berichtet.

Er hat mit seinem Team auch maßgeblich an der Entwicklung und dem Bau der Instrumente mitgewirkt, die mit den Fernrohren der ESO die Sternbewegungen über die Verschiebung von Spektrallinien verfolgen konnten.

Angefangen hat er in LaSilla am New Technology Telescope NTT mit dem Instrument SHARP.

In diesem Jahrhundert ging es dann am VLT in Paranal mit den Instrumenten NACO und SINFONIE weiter. Zuletzt hat er an der Entwicklung von GRAVITY mitgewirkt, mit dem dann auch die Daten für das erste Bild der Umgebung eines SL gesammelt wurden. 

Besonders aufmerksam wurde der Stern S2 verfolgt. Inzwischen hat man mehr als einen Umlauf registrieren können. Anfang des Jahres veröffentlichte Genzel Messungen, die die relativistische Präzessionsbewegung der Sternbahn in Übereinstimmung mit der ART zeigte.

Im Mai 2018 war S2 am dichtesten am SL. Zum ersten Mal konnte man direkt die Gravitationsrotverschiebung in der Nähe eines SL, ebenfalls in Übereinstimmung mit der ART, messen.

Wie kommt man nun von der Bahn des Sternes S2 zu der Idee eines supermassiven SLes?

- Man muss den Bahnradius r kennen, dazu muss die Entfernung genau bekannt sein.

- Man muss die Umlaufszeit kennen.

Damit kennt man auch die Bahngeschwindigkeit v.

Nun setzt man einfach die Zentrifugalkraft F = m*v²/r gleich der Gravitationskraft F = G * m* M/r², kürzt die Masse m des Sternes raus und erhält die zentrale Masse M (G ist die Gravitationskonstante)

In der Nähe eines SL bei einer nicht kreisförmigen Bahn ist das ganze natürlich etwas schwieriger und aufwändiger...

Man erhält 4,5 Millionen Sonnenmassen. Diese Materiemenge muss nun innerhalb der Bahn des Sternes S2 sein...

Man findet aber nichts...also muss es ein sehr kleines kompaktes Objekt sein...mit hoher Wahrscheinlichkeit eben ein supermassives SL.

Zum Schluss möchte ich noch von zwei persönlichen Begegnungen berichten:

R.Genzel lernte ich 1999 kennen. Ich war unterwegs von Frankreich nach Ungarn auf dem Kernschattenpfad der totalen Sonnenfinsternis vom 11.8.99 und drehte einen Film über Institutionen und Menschen, die die Sonnenfinsternis beobachten wollten.

R.Genzel erklärte sich spontan zu einem kleinen Interview bereit.

R.Pensore besuchte ich mit anderen SFNlern bei einem Vortrag an der Uni Bonn. Dort erläuterte er sein neuestes kosmologisches Modell.

Viele Hundert Wissenschaftler waren im Auditorium, aber fast niemand verstand genau, was der damals schon weit über 80 Jahrer alte berühmte Professor erklärte. Ich konnte mich des Eindrucks eines Zirkelschlusses in der Argumentation nicht ganz entledigen...es ging aber vielen anderen auch so.

Aber wir alle waren dankbar, dass wir diesen berühmten Physiker damals live erleben konnten. Er arbeitete bei seinem Vortrag noch mit klassischen Folien auf einem Overheadprojektor, die handschrfitlich beschrieben waren.

Bilder (ESO/MPE):

- Blick ins Zentrum der Galaxis

- Bahnen von Sternen um das galaktische Zentrum

- Bahn des Sternes S2 (Stern S2 und SL zu groß dargestellt)

Video:

R.Genzel erklärt seine Forschungen.

Eigene Bilder:

- Das NTT in la Silla, Chile

- Zwei der 8,4 m Teleskope des VLT in Paranal, Chile

- Spiegelzelle des 8,4 m großen Hauptspiegels










Was ist das? Auflösung

 Auflösung des Rätsels vom 29.9.:

In Frage kommen nur:

c) Wechselwirkungen zwischen Galaxien und Galaxienhaufen (Zeitraffer)

d) Flug durch das Universum 

Beim ersten Ansehen des Vdeos habe ich auf c) getippt, war dann aber verwundert, wie stark sich Konzentrationen verschieben.

Dann habe ich auf der Homepage von Illustris recherchiert:

d) stimmt...

Zu einem festen Zeitpunkt werden Querschnitte der Simulation Dunkler Materie Verteilungen hergestellt und dann räumlich nacheinander durchlaufen.

Aus der im Video sichtbaren Schnittfolge könnte man ein 3 D Modell der großräumigen Struktur des Universums herstellen.

Draconiden am Himmel

 

Die Draconiden sind ein periodischer Meteorstrom (Sternschnuppenstrom) der Nordhemisphäre mit vielen interessanten Ereignissen, welcher immer vom 5.10. bis 10.10. aktiv ist. Theoretisches Maximum ist immer der 8.Okt . In den meisten Jahren sind die Draconiden mit eher sehr schwachen Raten vertreten (~5 Meteore/h). Aber immer wieder in einigen Jahren durchquert die Erde separate Staubspuren des Mutterkometen 21P, welche die Hauptaktivität der Draconiden (DRA)darstellen. Dieser Meteorstrom ist aber auch für große Spektakel bekannt, sogenannte Meteorstürme. Bei solchen Ereignissen geht die Fallraten (ZHR) gerne in die Tausende. Per Definition ist ein Meteorsturm mit ZHR >= 1.000 festgelegt, as heißt also, das sdie DRA mit den berühmten Leoniden und deren starken Ausbrüchen gut mithalten können, wenn auch nicht so oft. Außerdem sind die DRA der einzige Haupt-Strom, bei dem  der Radiant nach der Abenddämmerung am höchsten steht (DRA abends 80° Höhe). Alle anderen sind in der 2. Nachthälfte am höchsten.

Die Draconiden 2020 sind ein weiteres potenzielles Highlight im Meteorstrom Programm in diesem Jahr. Der Grund dafür ist die Vorhersage von 2 separaten Staubspuren, die am Mittwochmorgen des 7.Okt. gegen 03:30 Uhr MESZ auf die Erde dezentral treffen werden. Diese Staubspuren sind jedoch in Bezug auf ihre Dichte unbekannt, wodurch eine grundsätzliche Ratenangabe (ZHR) eher unmöglich ist. Die letzten beiden Ausbrüche der DRA sind 2018 und 2011 gewesen. Davon ist 2018, vom 8.10. mit ZHR 50 Prognose und ZHR 155 war die Realität, nicht relevant. Allerdings war das schon echt toll, da ich mitten im Oktober das Gefühl hatte in einer  Perseiden Nacht zu stehen. Aber es ist jetzt 2011 interessant. Der Grund ist, dass das geometrische Zentrums des Staubes 2011 wie auch jetzt 2020 in etwa gleich weit entfernt liegt mit 0,0004 AU (60.000 km). Hinzu kommt das 2011 von den meisten Quellen eine ZHR von 100 -200 vorhergesagt wurde und sogar ZHR 300 real eintrat. Peter Jenniskens prognostiziert in seinem Standardwerk 2006 dass die minimale Entfrenung des 2020 Staubes nur 0,00017 AU entfernt ist.

Exkurs: Zum Beobachten ist noch das ein und andere wichtig zu wissen.

 // 1. Die sogenannte ZHR wird für einen theoretischen Ort optimaler Rahmenbedingungen angegeben, heißt scheinbare Grenzgröße +6,5 mag und Radiant des Stromes im Zenit. +6,5mag sind die dunklesten Sterne, die das bloße Auge noch gerade war nehmen kann.

 // 2. Es ist wichtig sich möglichst dunkle Orte weg von Kunstlicht zum Beobachten zu suchen und Lichtquellen außerhalb des Sichtfelds zu halten, einschließlich Mond. 

// 3. Nicht zum Radianten schauen, dort kommen die Meteore auf den Beobachter  zu (keine Strichspur)

 // 4. 2020 ist der abnehmende Mond (75%) hoch am Himmel, dadurch werden die Raten doch deutlich gedrückt.

Fazit: Wenn der Staub 2020 dicht genug ist, dann werden die DRA definitiv ein tolles  Feuerwerk bringen. Und der der sich um die Uhrzeit bei gutem Wetter zum Beobachten nach Draußen begibt, hat sehr guter Chancen, sogar im positiv Sinne, überrascht zu werden. Die Draconiden sind immer für eine Überraschung gut. So hat es sich in den letzten Jahrzehnten oft gezeigt.

Sternkarte von Stellarium

Artikel von Jonas Plum



Montag, 5. Oktober 2020

Sternenhimmel im Oktober

 Der rote Planet Mars so nah und hell wie selten

Abends stehen im Osten vier sehr charakteristische Herbststernbilder:

Die Sternenkette der Andromeda geht in das Herbstviereck des Pegasus über. Oberhalb der Andromeda steht das „Himmels-W“, die Cassiopeia. Links der Andromeda sieht man Perseus, ein auf dem Kopf stehendes „Y“.

 Die Nächte im Oktober werden aber vom roten Planeten Mars geprägt.

Die ganze Nacht über ist Mars als helles Himmelsobjekt sehr auffällig: abends geht Mars im Osten auf, steht nach Mitternacht hoch im Süden und geht dann morgens im Westen unter.

Genau am 14.10. steht er im Sternbild Fische der Sonne genau gegenüber. Das nennt man dann die Oppositionsstellung des Mars.

Im Planetensystem stehen dann Sonne-Erde – Mars auf einer Linie. Etwa eine Woche vor seiner Opposition steht uns Mars mit 62,1 Millionen km so nahe wie lange zwischen 2005 und 2035 nicht mehr, nur im Juli 2018 war er etwas näher.

 Mars ist nur halb so groß wie die Erde. Wegen der geringen Schwerkraft hat er seine Atmosphäre, die fast nur aus Kohlendioxyd besteht, weitgehend verloren. Sie ist nur noch extrem dünn, so wie auf der Erde die Luft in 35 km Höhe.

Wir kennen die Marsoberfläche recht gut, da zahlreiche Raumsonden auf Mars gelandet sind. Mars ist ein Wüstenplanet, mit Kratern übersät. Viele erloschene Vulkane gibt es dort, der Olympus Mons ist mit 26 km Höhe der höchste Berg des Sonnensystems. Immer wieder gibt es Staubstürme, die weite Teile des Planeten überziehen und mit feinem rötlichem Staub bedecken.

Sehr wahrscheinlich stammt die deutlich wahrnehmbare Rotfärbung von Eisenoxyd, also Rost, sie könnte aber auch durch das Mineral Hämatit entstehen.

Inzwischen haben wir zahlreiche Hinweise auf große Mengen Eis auf Mars erhalten, das sich im Sand oder unter der Oberfläche befindet. Messungen der Sonde Mars Express machen es sehr wahrscheinlich, dass etwa 30% der Marsoberfläche vor 4 Milliarden Jahren für einige Millionen Jahre mit Meeren überzogen waren. Ob diese kurze Zeit für die Bildung von Leben ausgereicht hat, wissen wir noch nicht. Jedenfalls konnten Radarmessungen vom Bord der Raumsonde aus eine Schicht aus Meeressedimenten 70 m unter der Marsoberfläche ausmachen.

Manchmal taut auch heute noch Eis auf und hinterlässt Spuren im rötlichen Marssand der Berghänge. Aber wegen des geringen Luftdruckes verdampft das Eis sehr schnell.

Berühmt ist Mars auch für seine Polkappen, sie bestehen aus Trockeneis (gefrorenes Kohlendioxyd) und Wassereis. Sie schmelzen regelmäßig im Marsfrühling der jeweiligen Halbkugel. Zur Zeit sehen wir auf die nördliche Polkappe, die schon in kleinen Fernrohren gut sichtbar ist.

 In diesem Jahr sind drei Raumfahrtmissionen unterwegs zum Nachbarplaneten: NASA und ESA sowie China und die Vereinigten Arabischen Emirate senden Marsrover, die u.a. nach Leben suchen sollen. Der NASA-Rover hat sogar einen kleinen Helikopter an Bord.

Die Eisvorräte auf Mars werden uns sicher einmal bei der Besiedlung des Planeten sehr nützlich sein. Spätestens in 2 Milliarden Jahren, wenn die größer werdende Sonne die Erde zu einem Wüstenplaneten gemacht hat, bleibt für unsere Nachfahren der Mars ein möglicher Zufluchtsort, vielleicht die neue Heimat der Menschheit.

 

Angebote:

-          Live Beobachtung des Mars durch die großen Fernrohre der „Sternwarte auf dem SFN“:

Fr, 23.10., 19.00 Uhr bis 20.00 Uhr: Online im Internet unter www.schuelerkongress-kassel.de

-          Führung in der Sternwarte auf dem SFN mit Marsbeobachtung freitags 20.00 Uhr nach Voranmeldung unter info@sfn-kassel.de

-          Sternenführung auf dem Dörnberg, Sa, 16.10., 20.00 Uhr, Grillhütte (1. Parkplatz)

Planeten im Oktober:

Merkur: unsichtbar neben der Sonne

Venus: sehr heller Morgenstern im Osten

Mars: in der Nacht von Osten nach Westen ziehend

Jupiter: abends tief im Südwesten

Saturn: Links neben dem hellen Jupiter

 -  Sternkarte für den 14.10.,  20.00 Uhr

-  Sternkarte für den 14.10., Anblick von der Sternwarte auf dem SFN aus (M.Woskowski, Stellarium)

 


 

 

Auf dem Weg zum Weihnachtstern 2

 Nach einem Tag sieht man noch keine Veränderungen...

Ich habe aber mal die ungefähren Positionen von Jupiter und Saturn bis Ende November eingezeichnet.

Aufnahme: 4.10., 22.20 Uhr


Angeknabbert...

 Noch ein unbeleuchteter Teil des Mare Crisiums ist an der Schattengrenze zu sehen, auch das Mare Fecundidatis ruft einen ähnlichen Effekt hervor: Der Mond scheint an der Schattengrenze angeknabbert zu sein...

Aufnahme: So, 4.10,,22.20 Uhr



Sonntag, 4. Oktober 2020

Vollkommen verrückt: Wandert die ISS vor Jupiter her?

 Am Donnerstag, 8.10. könnte gegen 18.52...18.53 Uhr die ISS vor der Jupiterscheibe herfliegen.

Die größten Chancen das zu sehen, hat man +/- 500 m neben der folgenden Zentrallinie:

Liebenau - Calden - Vellmar - Rothenditmold - Entenanger - Ku8rbad Ju8ngbron - Lohfelden - Cornberg

Die Sonne ist gerade untergegangen, Jupiter dürfte mit Mühe mit dem freien Auge im SSO zu sehen sein. Ein Fernglas oder eine Teleobjektiv helfen hier sicher.

 Die ISS kommt, selbst etwa gleich hell leuchtend, vom Westen her, fast parallel zum Horizont. 

Wer also sein Instrument (Fernglas, Fernrohr, Kamera) auf Jupiter ausrichtet und auch die unmittelbare Umgebung sieht, dürfte gute Chancen haben, die ISS zu sehen.

Fotografieren macht wenig Sinn, aber filmen...und hoffen, dass auf einem der Einzelbilder dann die ISS neben Jupiter steht oder vor ihm zu sehen ist...

Kleinste Bahnabweichungen verschieben natürlich die Zentrallinie, eine Beobachtung auch von  anderen Orten ist zumindest sinnvoll, ein Bild der ISS neben Jupiter dürfte in weiterem Umkreis möglich sein.



Venus noch bei Regulus

 Die enge Annäherung am Samstagfrüh konnte wegend er Bewölkung von Kassel aus nicht gesehen werden. Auch am Sonntagmorgen war es weitestgehend bewölkt, Gegen 6.14 Uhr kamen Venus und Regulus hinter den Wolken hervor.

Im 1200 mm Tele erkennt man, dass die obere Konjunktion mit "Vollvenus" bald bevorsteht: Wir sehen immer mehr von der beleuchteten Venusseite.

 



Abendstimmung im Mare Crisium

 Wenige Tage nach Vollmond nähert sich die Schattengrenze dem Mare Crisium, von dort aus würde man langsam die Sonne untergehen sehen.

Aufnahme 1200 mm Tele, Sa, 3.10., 21.33 Uhr



Samstag, 3. Oktober 2020

Auf dem Weg zum Weihnachtstern 1

 Sobald es möglich ist, werde ich in den nächsten Monaten immer mit der gleichen Brennweite Jupiter und Saturn fotografieren.

Beide Himmelskörper sind rechtläufig, d.h. sie bewegen sich am Himmel nach links.  Das kommt größtenteils durch das Widerspiegeln der Erdbewegung an den Planeten zustande. Da uns Jupiter deutlich näher steht, ist seine scheinbare Bewegung größer, d.h. er wird Saturn einholen.

Weihnachten werden beide Planeten, fast zu einem hellen Lichtpunkt verschmolzen, uns einen einmaligen Anblick als "Weihnachtsstern" geben.

Aufnahmen am Sa, 3.10., 21.25 Uhr

Bilddaten: Brennweite 78 mm, Belichtung 6 sec, ISDO 320, Blende 4 

Im 1200 mm Tele sieht man die Jupitermonde, Io ganz dicht neben dem Planetenscheibchen.

Der Stern HIP 95077 ist wieder im Blickfeld, an ihm kann man sehr schön die Jupiterbewegung erkennen.




Wiederaufnahme der Beobachtungen in Chile und Kassel

 Die ESO hat begonnen die im März geschlossenen Observatorien in Chile wieder hochzufahren.

Seit Anfang September sind zwei der vier großen 8,4 m Teleskope in Paranal in Betrieb und die Wiederaufnahme von Beobachtungen im 5100 m hohen ALMA steht kurz bevor.

Die Sternwarte La Silla bleibt weiterhin vorläufig geschlossen.

Vor der Wiedereröffnung ist ein neuer Hygieneplan entwickelt worden:

In Paranal sind in keiner Schicht mehr als 30 Personen anwesend, werden Masken getragen, besondere Desinfektionen vorgenommenn und tägliche Gesundheitsüberprüfungen durchgeführt.

Durch vergleichbare Hygienemaßnahmen dürfen auch seit 30.5. wieder Besucher/innen in die Sternwrate auf dem SFN, zur Zeit immer freitags nach Voranmeldung unter info@sfn-kassel.de.

Unsere Regeln:

- Maximal 10 Personen in maximal 3 Gruppen

- Händedesinfektion

- Maskenpflicht

- Personen einer Gruppe wohnen im gleichen Haushalt (und nutzen ein gestelltes Okular, das anschließend desinfiziert wird und in Quarantäne kommt)

Bidler: ESO





Statt der Konjunktion Venus-Regulus ...

 Schade, heute, am Samstagmorgen, steht Venus sehr dicht an Regulus im Löwen...leider war es bewölkt...

Ein halbwegs brauchbares Morgenrot (7.10 Uhr) anschließend entschädigt etwas...




Freitag, 2. Oktober 2020

Mond-Mars Konjunktion




Der Mond, ein Tag nach seiner Opposition (Vollmond) und Mars, zwei Wochen vor seiner Opposition, stehen in der Nacht vom Freitag auf Samstag recht dicht beieinander.

Leider lässt die Bewölkung über Kassel nur einen getrübten Blick auf die beiden Himmelskörper zu.

Die Aufnahmen entstanden um 21.05 Uhr vom Dach der Sternwarte auf dem SFN aus. Auf der ersten Aufnahme zeigt Mark mit dem Laser auf den Mars.


HST: einem Stern beim Sterben zugeschaut

 Nobelpreisträger Riess beobachtet u.a. Supernovae vom Typ 1a, um daraus die Entfernugen von Galaxien zu messen und mit deren Rotverschiebung einen Wert für die Hubblezahl zu bestimmen.

(siehe hierzu auch meinen Vortrag vom  30.6.20, in dem ich u.a. die Messungen von Riess erläutere)


 Im Februar 2018 leuchtete eine solche Supenrova in der 70 Millionen Lichtjahre entfernten  Galaxie NGC 2525 auf. Mit dem Hubble Space Teleskop wurde bis zum Februar 2019 die Helligkeitsabnahme registriert und daraus ein bemerkenswerter Zeitrafferfilm produziert, der dann am 1.10.2020 veröffentlicht wurde.

 Supernovae vom Typ 1 a entstehen, wenn Weiße Zwerge von einem Begleitstern soviel Masse aufgesammelt haben, dass sie bei mehr als 1,44 Sonnenmassen einen Gravitationskollaps bekommen und vollständig explodieren. 

Die dabei freigesetzte Energie liegt im Maximum bei der Leuchtkrasft von 5 Milliarden Sonnen!

Bild: Die Supernova im maximum (ESA/MASA, Riess)

Video 1: Zeitrafferaufnahme des Helligkeitsabfalls 

 Video 2: Bemekrenswertes Zoom-In Video vomk südlichen  Sternenhimmel zur Supernova

ESA/NASA, DSS, Calcada, Riess

 




Donnerstag, 1. Oktober 2020

Breaking News: Galaxien im Spinnennetz von Schwarzen Löchern

 Embargo bis 1.10., 9.00 Uhr:

Heute erscheint in der Zeitschrift Astronomy and Astrophysics eine Arbeit von Normann, Mignoli et al, die nahelegt, wie supermassive Schwarze Löchter (SL) im frühen Universum so schnell entstehen konnten.

Bei einer Rotverschiebung von z = 6,31 (Weltalter 900 Millionen Jahre) haben die Autoren am VLT in Paranal, Chile, 6 Galaxien in unmittelbarer Umgebung eines supermassiven SL (als Quasar beobachtet) nachweisen können.

Die Autoren zeigen, dass solche SL in netzartigen Strukturen aus Gasen und Galaxien durch Aufsammeln von Materie sehr schnell wachsen können. Das Netzwerk führt ihnen Materie zu, so wie Spinnen Nahrung im Spinnennetz finden.

Man geht davon aus, dass SL sich aus Sternen bilden. Aber es war bisher nicht klar, wie supermassive SL im frühen Universum so schnell entstehen konnten.

Nun ist abner klar, dass Gasströme im Netzwerk  sowohl die Galaxien als auch das supermassive SL schnell wachsen lassen.

Visualisierung der Netzstruktur als Bild und Videoanimation:

(ESO, Calcada)




Zwei ungewöhnliche Krater am Mondrand, Mond und Mars am Mittwoch

 Den ganzen Tag strahlend blauer Himmel...und dann kamen am Abend die Wolken...aber nach 22.30 Uhr zogen sie sich wieder zurück...

Um 22.25 Uhr zeigte der Mond noch einen leichten Hof  (Beugung an Wassertropfen: Innen bläulich, Außen rot), dann kam auch Mars dazu (22.28 Uhr), links vom Mond auf dem zweiten Bild zu sehen.

In 24 Stunden steht der Mond in Opposition zur Sonne (man nennt das Vollmond) und in 14 Tagen der Mars...also morgen werden die beiden Himmelskörper deutlich näher beieinander zu sehen sein.

Noch enger stehen sie dann am Freitagabend zusammen, es ist eben noch keine Marsopposition.

 


 Zur Vollmondzeit sieht man fast nur die Lavabecken auf dem Mond, die Mare. An der Schattengrenze sind nur wenig Strukturen zu erkennen. 

Am Mittwochabend aber war ein recht seltener Anblick:

Neben dem Einschlagbecken Grimaldi, das mit dunkler Lave bedeckt ist, tauchte nwie ein ovaler Ring (perspektivische Verzerrung) die oberen Teile des Walles vom 150 km großen Krater Riccioli in der Morgensonne auf.

Der Boden von Grimaldi ist die dunkelste Stelle des Mondes, weiter oben sieht man den Wall des Aristarchus, die hellste Stelle des Mondes.