Sonnenuntergang in Kassel (Lara Bendig)

Donnerstag, 6. August 2020

Venus in der Morgendämmerung über Kassel

Es versprach eine klare Nacht zu werden. Also klingelte mein Wecker um 3.15 Uhr und ich fuhr zum Herkules. In den letzten Posts sind ja schon einige Bilder zu sehen gewesen.
Ich wollte aber eigentlich Venus über der Stadt aufnehmen.
Hier sind die Bilder, zwischen 3.57 Uhr und 4.19 Uhr bei fortschreitender Dämmerung vom Herkules aus gemacht.
Venus stand unterhalb des Fuhrmanns. Rechts oberhalb sieht man Aldebaran mit den Hyaden im Sternbild Stier, und manchmal auch die Plejaden am oberen Bildrand.
Orion geht gerade auf, Beteigeuze scheint die alte Helligkeit zurück zu haben.
Mit dem 1200 mm Tele konnte man auch gut die Phase der Venus erkennen (Aufnahme um 4.22 Uhr).

Zuerst ein Bild mit Sternbildbeschriftungen zur Orientierung.



Nun die zeitliche Folge der Bilder.







Morgens am Herkules

Das erste Bild entstand um 4.17 Uhr, es ist von der Südseite des Herkules her 10 sec belichtet, mit zusätzlichem Blitz.
Vom Norden her gesehen stand der Mars genau neben dem Herkules. Unter dem Mond sieht man den Stern Fomalhaut im Sternbild Südlicher Fisch über den Bäumen stehend. (Aufnahme 4.29 Uhr). Ein Satellit fliegt auf Mars zu.




Interessante Formationen an der Schattengrenze

Am Donnerstag um 4.07 Uhr neigte sich der abnehmende Mond im SW zum Horizont. Die Schattengrenze verlief am rand vom Mare Crisium und Mare Fecindidatis. Beide Randgebirge waren schon im Schatten, es sah deshalb so aus, als wäre der Mond dort "angeknabbert".
Die Kratern Langrenus und Endymion waren ebenfalls außergewöhnlich markant zu sehen.


Mittwoch, 5. August 2020

Brennt es im Kasseler Osten?

22.34 Uhr: Ein roter Feuerschein taucht hinter den Häusern im Südosten von Kassel auf....



Aufnahme vier Minuten später, 22.38 Uhr

Langsam, aber dennoch unterwegs...

Jupiter und Satrun standen beide im Juli in Opposition zur Sonne. Sie werden also von der Erde "Innen" überholt, deshalb müssen sie am Himmel nach rechts, also nach Westen wandern. Man nennt das rückläufig.
Diese rückläufige Bewegung ist bei den äußeren Planeten letztlich die Erdbewegung beim Überholvorgang.
Deshalb läuft Jupiter schneller nach rechts als Saturn, denn er steht uns näher..
Vergleicht man die beiden Bilder, das von heute (Mi, 5.8., 22.28 Uhr) mit dem vom 31.7., so erkennt man in der Tat, dass Jupiter in den wenigen Tagen etwas nach rechts auf die Sterne des Schützen zugewandert ist.
Saturn wandert auch nach rechts, nur etwas langsamer. Deshalb ist sein Abstand zu Jupiter größer geworden.




Einseitig

Am Mittwoch gegen 22.25 Uhr entstand dieses Bild vom überbelichteten Jupiter mit seinen vier hellen Monden, alle auf der linken Seite.




Die 10 größten Rätsel des Universums: Rätsel 4: Was ist Zeit?

Albert Einstein hat es sich leicht gemacht: Zeit ist das, was eine Uhr misst!, sagt er.

Wenn man also Zeiten vergleichen will, muss man Uhren vergleichen. Und dazu muss man Signale zwischen den Uhren austauschen, z.B. Lichtstrahlen.
Deswegen hängt der Zeitvergleich zwischen Uhren von der relativen Bewegung der Uhren untereinander und ihrem Ort ab. Rechnet man das konsequent durch (unter der Option, dass das Licht immer gleich schnell ist, egal ob die Uhr, die das Lichtsignal aussendet, sich bewegt oder ruht), erhält man die Formeln der speziellen Relativitätstheorie:

Die bewegte Uhr geht, gemessen mit ruhenden Uhren  langsamer, je schneller sie sich bewegt.
Naja, und da Zeit das ist, was eine Uhr misst, hat Einstein daraus gefolgert: Der Ablauf der Zeit hängt von der Geschwindigkeit des Bezugssystems ab. Je schneller es sich bewegt, desto langsamer verläuft die Zeit.
Und da wir ja die Uhren mit Lichtstrahlen vergleichen, würde die Zeit für ein Bezugssystem, das sich relativ zu uns mit Lichtgeschwindigkeit bewegt, stehen bleiben.

Es war durchaus nicht von Anfang an klar, ob die Zeit wirklich langsamer verläuft oder diese sog. Zeitdilatation  nur das Ergebnis eines Messprozesses ist.

Aber schon schnell haben Journalisten daraus den Slogan gtemacht: Wenn man sich schnell bewegt, altert man langsamer....

Inzwischen können wir nachmessen, dass die Zeit in bewegten Systemen wirklich langsamer läuft. Und wir haben auch ein Bezugssystem relativ zu dem wir eine (absolute) kosmische Zeit messen können: die kosmische Mikrowellenstrahlung vom Urknall. Und unsere Navigationsgeräte funktionieren nur, weil sie die Zeitdilatation durch die bewegung der GPS-Satelliten berücksichtigen.

Einstein hat das richtige Gespür für das Verhalten der Natur gehabt,.

Aber zur Beantwortung usnerer Frage hilft uns Einstein hier auch nicht weiter.

Was ist denn Zeit an sich?

Wir vermuiten, dass Zeit erst am Anfang unseres Universums entstanden ist, als neue (emergente) Eigenschaft der Strukturbildung.
Einstein hat später die Zeit als Illusion bezeichnet. Vielleicht eine Illusion, mit der unser Gehirn Vergangenes von noch nicht Erfahrenem trennt: "Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind eine Illusion!" sagt Einstein.

Ist alles da, Vergangenes und auch Zukünftiges? Erfahren wir es nur geordnetet in einer unbeeinflussbaren  Folge und nennen wir diese Folge Zeit?

Wir wissen es nicht, nur, dass wir in der Zeit gefangen sind...wir können die Erfahrung der Dinge in ihrem Zeitablauf nicht verändern: Was vergangen ist, ist vergangen. Und was in der Zukunft ist, erfahren wir erst später.

Manche Naturwissenschaftler bringen immer noch den "Zeitpfeil" mit der Zunahme der Entropie (Maß für die Unordnung) im Universum zusammen. Das ist inzwischen sehr umstritten, Physiker scheinen hier Geltungsbereiche von Definitionen  der Begriffe nicht beachtet zu haben. Also diese, an für sich schöne, Interpretation hilft auch nicht mehr.

Also, was ist Zeit? Niemand weiß es, zur Zeit...

Einsteins Lichtuhr

Dienstag, 4. August 2020

Dienstag: Blick durch Wolkenlücken

Ab und an sah man mal Jupiter und Saturn im Süden durch die Wolkenlücken hindurch. Das Bild der Jupitermonde entstand um 22.27 Uhr.
Kurz vorher schob sich der Mond (rechts oben sieht man, dass am Montag Vollmond war und der Mond jetzt wieder abnimmt) fast glühend rot über den SO-Horizont. Aufnahme um 22.25 Uhr.



Sternenhimmel im August

Wünsch Dir was…:  Sternschnuppen im August mal wieder vom Pech verfolgt…
Für das bloße Auge bietet der Sternenhimmel Anfang August eigentlich ein grandioses Schauspiel, man kann den stärksten Sternschnuppenstrom des Jahres beobachten. Die Sternschnuppen scheinen alle aus einem Punkt (Radiant genannt) in der Nähe des Sternbildes Perseus zu kommen, deswegen spricht man von den Perseiden.
Sie sind zwischen dem 11. und 14. August besonders häufig zu beobachten. Dann durchquert die Erde die Bahn des Kometen Swift-Tuttles, der die Sonne in 133 Jahren umkreist. Da er das letzte Mal 1992 in Erdnähe war, sind wir weit von der Quelle der Sternschnuppen entfernt, dieses Jahr trifft die Erde den Bereich des Kometenstaubes nur schlecht. Außerdem liegt das Maximum in den Tagesstunden am 12.8., wenn der Himmel richtig hell ist.
Wenn man Glück hat und die Ratschläge im Kasten befolgt, kann man aber sicher noch ein Dutzend Sternschnuppen pro Stunde sehen.
Sternschnuppen sind die Leuchtspuren von winzigen, weniger als 1 cm großen, Staubteilchen aus unserem Planetensystem, die in großer Höhe in der Lufthülle der Erde verglühen. Das Nachleuchten der Luft sehen wir dann als „Stern“schnuppe.
Pro Tag wächst die Masse der Erde um viele Tonnen, da ständig ein Staubregen aus dem Kosmos durch die Atmosphäre nach unten fällt. Die besonders zahlreichen, sehr kleinen Staubkörner (Mikrometeorite) erreichen ohne Leuchtspur den Erdboden, sie bilden auch einen Teil des Tiefseeschlamms.
Viele der Staubteilchen stammen aus den Kernen von Kometen, das sind etwa 15 km große Brocken aus Eis und Staub, vereiste Geröllhaufen, die die Urmaterie unseres Sonnensystems enthalten. In der Nähe der Sonne verdampft das Eis und reißt dabei auch Staubkörner mit, die sich längs der Kometenbahn ansammeln und dann alle auf zueinander parallelen Bahnen um unsere Sonne kreisen. Kreuzt nun die Erde eine solche Kometenbahn, dann fliegen wir durch die Wolke aus Staubteilchen hindurch und besonders viele Sternschnuppen können beobachtet werden.
Die Entstehung des Radianten, aus dem heraus die Sternschnuppen zu fliegen scheinen, kann man sich leicht an einer Autofahrt durch fallenden Schnee klar machen: auch die Schneeflocken scheinen von vorne aus einem Punkt heraus zu kommen. Und natürlich sieht man mehr Schneeflocken in Fahrtrichtung als aus dem Rückfenster.
In Fahrtrichtung der Erde blicken wir nach 1.00 Uhr nachts, die Anzahl der Sternschnuppen ist dann deutlich größer.
Unsere Sternkarte zeigt  den Anblick des Sternenhimmels Richtung Nordosten gegen 23.30 Uhr am 12. Und 13.8. Auffallend ist der absinkende Große Wagen im Westen und das Sternbild Kassiopeia im Nordosten, das wegen seiner dem Buchstaben „W“ gleichenden Form sehr auffällig ist. Unterhalb von Cassiopeia sieht man dann das Sternbild Perseus, aus dem heraus die Sternschnuppen kommen. Das Sternbild gleicht einem auf dem Kopf stehenden „Y“.
Der Mars ist gerade im Osten aufgegangen.

Beobachtungstipps
Bei sternenklarer Nacht sieht man auch Tage vor und nach dem Maximum immer mal wieder besonders helle Perseiden. Wer aber mehr sehen will muss folgendes beachten:
Die meisten Sternschnuppen wird man in der Nacht von Mi, 12.8. auf Do, 13.-8.nach 1.00 Uhr sehen. Da sind wir noch dicht am Maximum, der Mond ist noch nicht hoch am Himmel, wir blicken in Flugrichtung der Erde und der Perseus steht halbwegs hoch im Osten. Die Sternschnuppen sieht man aber aus dieser Richtung kommend überall am Himmel!
Am Morgen des 12.8. kann man ebenfalls beobachten. Man ist da dichter am Maximum, aber der abnehmende Mond stört mit seinem Licht stärker.
Die besten Beobachtungsplätze liegen am Dörnberg, wenn man von den Parkplätzen Richtung Osten (über Calden hinweg) blicken kann.

Planeten im August
Merkur: unsichtbar, zu dicht an der Sonne
Venus: ab 3.00 Uhr im NO Morgenstern
Mars: geht vor Mitternacht im Osten auf
Jupiter: die ganze Nacht, von Osten nach Westen wandernd
Saturn: steht links von Jupiter

Sternkarte für den 12./13.8. 23.30 Uhr, Blick nach NO (B.Holstein, AAK)


Montag, 3. August 2020

Vollmond

Heute abend war Vollmond, d.h. wir haben jetzt die Vollmondnacht vor uns...leider wird man nicht viel sehen, denn schon beim Mondaufgang im SO stand der Mond hinter dichten Wolken.
Das Bild entstand kurz nach seinem Aufgang um 22.08 Uhr.


Ein bunter Schmetterling im Sternenhimmel


Butterfly-Nebel
Der planetarische Nebel NGC 2899 ist irgendwo zwischen 2000 und 3500 Lichtjahre entfernt. Ein Riesenstern hat seine äußere Hülle abgestoßen und bringt sie zum Leuchten.
Solche Übergänge sterbender Sterne zu Weißen Zwergen nennt man, wegen ihres scheibenförmi9gen Aussehens in kleinen Fernrohren, planetarische Nebel.

Mit dem VLT in Chile ist diese Aufnahem entstanden. Das rote Licht stammt von Wasserstoffgas, das blaue Licht von Sauerstoff.
Da sich die Gashülle um einen Doppelstern gebildet hat, erzeugt der zweite Stern jetzt mit seiner Schwerkraft die symmetrische Anordnung in Form von Schmetterlingsflügeln.


Bild credit: ESO

Video credit:ESO/Digitized Sky Survey 2/N. Risinger, Music: Astral Electronic



Sonntag, 2. August 2020

Der Sendersuchlauf bei Gravitationswellen, Teil 5: High Frequency Band HF

Frequenzbereich 10 bis 1000 Hz, also Wellenlängen zwischen 30 km und 30 000 km.

Hier funktionieren unsere Empfangsgeräte seit 5 Jahren erfolgreich.
Am 14.9.2015 wurde erstmals ein Gravitationswellenereignis eindeutig registriert. Es konnte zurückgeführt werden auf die Verschmelzung zweier Schwarzer Löcher mit 29 und 36 Sonnenmassen zu einem mit 62 Sonnenmassen (d.h. 3 Sonnenmassen an Energie wurden als Gravitationswellen freigesetzt). Das Ganze geschah in einer Entfernung von 1,2 Milliarden Lichtjahren.

Der Gravitationswellendetektor (u.a. LIGO) funktioniert wie ein Michelson-Morley-Interferometer: Lichtstrahlen werden aufgeteilt und laufen in zwei zueinander senkrecht stehenden Strecken hin und her und werden dann zur Überlagerung gebracht. Ändert sich eine Streckenlänge geringfügig (wir reden hier von Bruchteilen eines Protonendurchmessers), so verschiebt sich das Interferenzmuster.
Für 150 msec konnte so ein von 50 Hz bis 240 Hz ansteigendes Signal aufgenommen werden. Die Frequenzerhöhung entsteht durch die immer kürzere Umlaufszeit der beiden Schwarzen Löcher kurz vor ihrer Verschmelzung.

Das erste Bild zeigt einen Michelson-Morley-Detektor GEO 600 des Instituts für Gravitationswellenphysik, das maßgeblich an der Entwicklung der Technik beteiligt war.


Im Inneren von GEO 600


Das dritte Bild zeigt die Originalsignale der beiden amerikanischen Detektoren (mit Technik aus Hannover ausgestattet).

Das Video zeigt eine Simulation der Signalentstehung:


Ende der Serie

Astrovorschau August

Noch wenige Tage kann man alle 5 hellen Planeten am Himmel sehen, ab dem 6.8. endet die Morgensichtbarkeit des Merkur...dann sind es nur noch vier...

Zwischen dem 5.8. und dem 7.8. steht der Mond zwischen den beiden Gasriesen Jupiter und Saturn auf der einen Seite und dem Mars auf der anderen Seite. Die vier Himmelskörper zeichnen nach Mitternacht den Verlauf der Ekliptik von Osten bis Süden, tief am Horizont stehend, nach.

Am 9.8. und 10.8. zieht der Mond dann an Mars vorbei. Am 13.8. sieht man ihn dann am Morgenhimmel über Aldebaran in den Hyaden und am 15.8. und 16.8. zieht er über Venus her.

Natürlich sollen auch die Perseiden erwähnt werden. Ihr Maximum liegt am 12.8., aber schon Tage vorher und hinterher kann man diese Sternschnuppen sehen.
Darüber gibt es am Montag einen eigenen Post.

Ab dem 20.8. kann man nach 21.00 Uhr die junge Mondsichel wieder im Westen nach Sonnenuntergang sehen.



Bild: S. Robbe-Dubois/ESO