Sonnenuntergang in Kassel (Lara Bendig)

Donnerstag, 21. Januar 2021

Halbmond am Mittwoch

 Neben der Konjunktion Mars/Uranus am 20.1. war auch noch Halbmomnd (20.1. um 22.03 Uhr)

Angefangen hatte ich den Abend mit einer Suche nach Merkur um 17.30 Uhr im SW, vergeblich...

Der Mond stand da noch komplett hinter einer Wolkenwand.

Später kam er halbwegs gut durch...Die Aufnahme entstand um 18.14 Uhr mit 600 mm Tele, also knapp vier Stunden vor Halbmond..

Bei der Ausschnittsvergrößerung sieht man die abwechslungsreiche Kraterwelt an der Schattengrenze gut.

Links oberhalb vom Mond sah man Mars (siehe letzter Post)

 







Mittwoch, 20. Januar 2021

Konjunktion Mars Uranus

 Heute erreicht Mars seinen kleinsten Abstand zu Uranus.

Ich habe Glück gehabt: Die Wolkendecke wurde am Abend dünner.

Aber leider stand der Halbmond unmittelbar daneben, trotzdem aber war Uranus gut sichtbar. Mit freiem Auge hätte man vielleicht in den Alpen Chancen gehabt ihn zu sehen (5,9 mag). Ich habe einmal mit 128 mm Tele 3,2 sec bei ISO 1000, Blende 4,0 belichtet. Aufnahme um 18.20 Uhr

Dann noch etwas näher herangezoomt: 205  mm Tele, 5 sec belichtet, ISO 1000, Blende 4,0, Aufnahem um 18.21 Uhr.

 Mars ist etwa 100 Mill. km von der Erde entfernt, zu Uranus sind es 3 Milliarden km.


 

Der Mond stand sehr dicht dran...


Marsposition am 10.1.:

Eine Bewegung von Uranus kann man nicht erkennen.



Überall taut der Schnee

 Kometenkerne sind nichts anderes als riesige verschmutzte Schneebälle.

Am 18.1. war auch Tauwetter auf der Sonne angesagt...Nahezu gleichzeitig (!) sind zwei vollkommen unabhängige Kometen in die Sonne gestürzt und verdampft.

Auf den Bildern von SOHO ist die helle Sonne (weißer Kreis) abgedeckt, so dass man die äußere  Korona gut erkennen kann. 

Die einzelnen aufblitzenden Punkte oder Streifen sind Teilchen vom Sonnenwind, die in den Detektor fliegen.






Dienstag, 19. Januar 2021

Ring of Fire

 Die Galaxie NGC 1097 liegt 45 Millionen Lichtjahre entfernt. Auf dem Bild vom Hubble Space Teleskop zeigt sie eine ausgeprägte Spiralstruktur, von einem zentralen Balken ausgehend. Die rötlichen Bereiche  längs der Spiralarme sind junge Sternentstehunggebiete.

Mit einem der 8,2 m Teleskope des VLT der ESO in Chile ist nun der innerste Teil der Galaxie fotografiert worden.

Das Supermassive Schwarze Loch im Zentrum hat eine Akkretionsscheibe aus Gas und Staub ausgebildet.

Diese wird durch die Strahlung der in das Schwarze Loch stürzenden Gase aufgeheizt und hat einen Ring neuentstandener, rötlich leuchtender, Sterne gebildet, der einen Durchmesser von etwa 5000 Lichtjahren besitzt.

NASA/HST/ESA

                                                                         ES0



Montag, 18. Januar 2021

Dopplereffekt in der Astronomie: VI Die Masse der Andromedagalaxie

 

 Theoretischer Hintergrund

Eine der wenigen Möglichkeiten, Massen zu bestimmen, ist das 3.Keplersche Gesetz:

Es gilt immer, wenn ein Körper kleinerer Masse um einen massereichen Körper herumläuft.

Die Quadrate der Umlaufszeiten P sind proportional zur dritten Potenz des Abstandes r zum anziehenden Massenzentrum. Die Proportionalitätskonstante enthält die Masse M des anziehenden Körpers.

P² = 4* π²/(G*M) * r³

G = 6,67*10^(-11) m³/(kg s²) ist die Gravitationskonstante.

Wir beobachten nun Sterne weit außen in der Andromedagalaxie. Zur Vereinfachung nehmen wir an, dass sie auf einer Kreisbahn um das Zentrum der Galaxie laufen und das in diesem Zenrum die ganze Masse sitzt..

Dann ist die Umlaufszeit P der Quotient aus Bahnumfang und Rotationsgeschwidnigkeit v:

   P = 2 π r / v.

Das setzen wir nun für P in das 3.Keplersche Gesetz ein und lösen nach v² auf:

  v² = M*G/r

Wenn das Quadrat der Rotationsgeschwindigkeit umgekehrt proportional zum  Abstand zum Massenzentrum ist, dann spricht man von einer Kepler Rotation. In diesem Fall enthält die Proportionalitätskonstante die Masse des anziehenden Körpers.

v kann man über den Dopplereffekt messen.

Bestimmung der Rotationsgeschwindigkeit v

- Weit außen in den Spiralarmen der Andromedagalaxie gibt es viele Gaswolken aus neutralem Wasserstoff. Diese strahlen bei der Wellenlänge 21 cm im Radiobereich. Die Abweichung der beobachteten Wellenlänge dazu liefert ´über die Dopplerformel die Rotationsgeschwindigkeit.

- Heiße Gaswolken (sog. HII-Regionen) leuchten im sichtbaren Licht und haben Emissionslinien. An deren Wellenlängenverschiebung kann man ebenfalls die Geschwindigkeit messen.

- Ganz außen umkreisen Kugelsternhaufen das galaktische Zentrum. An deren Spektren lässt sich ebenfalls der Dopplereffekt bestimmen.

Messung der Rotation der Andromedagalaxie, Vera Rubin, 1970

 

Natürlich muss man noch die durch die Bewegung der Galaxie als ganzes erfolgte Wellenlängenänderung berücksichtigen. Dazu misst man den Dopplereffekt im Zentrum der Galaxie.

Nun brauchen wir noch die Größe r zur gemessenen Geschwindigkeit v

Bestimmung des Bahnradius r

Bei der Andromedagalaxie kann man den Abstand r sehr leicht als Winkel am Himmel messen, meist in Bogenminuten (1`= 1/60°). Wir bezeichnen das mit r`.

Der wahre Abstand r in km verhält sich dann zu einem Kreisumfang mit dem Radius E (= Entfernung der Galaxie) wie der gemessene Winkel zu dem Vollwinkel von 360*60 Bogenminuten:

    r/(2πE) = r`/(360*60)`.

Wir können also die Abstände in km ausrechnen, wenn wir die Entfernung E der Galaxie in km kennen.

Bestimmung der Entfernung E

Zur Entfernungsmessung habe ich schon eine Postserie veröffentlicht, deshalb hier nur kurz der Hinweis:

In der Andromedagalaxie fndet man veränderliche Sterne (sog. Cepheiden). Bei ihnen steht die Lichtwechselperiode in unmittelbarem Zusammenhang zur Leuchtkraft, also zur ausgesandten Energie.

Wenn man also diese Helligkeitsperiode feststellt, kann man die Leuchtkraft berechnen und aus dem Vergleich mit der hier ankommenden Energie (der scheinbaren Helligkeit) die Entfernung.

Ich glaube, es ist deutlich geworden:

Der Dopplereffekt allein reicht zur Massenbestimmung nicht aus, man braucht viele andere Informationen.

Weitergehende Betrachtung:

Wir haben angenommen, dass die gesamte Masse im Zentrum sitzt. Das stimmt natürlich nicht. Für genauere Bestimmungen muss man aus einer Massenverteilung ein Rotationsmodell berechnen und das an die Messdaten für v anpassen.

Am Rande des sichtbaren Bereichs der Galaxie bleibt die Rotationsgeschwindigkeit v dann konstant. Dies deutet  auf große Mengen Dunkler Materie hin, in die die Galaxie eingebettet ist, und die für die schnellere Rotation sorgt.

Balkenspiralen nehmen zu

 Bei Balkenspiralen unter den Galaxien beginnen die Spiralarme nicht direkt am Kern sondern erst nach einer balkenartigen Ansammlung von Sternen und Gas.

Der Anteil der Balkenspiralen unter den Spiralsystemen nimmt mit wachsender Entfernung ab, sie waren also früher nicht so häufig wie heute.

Zur Zeit sind etwa 2/3 aller Spiralen Balkenspiralen. Auch unsere Galaxis ist eine Balkenspirale.

Die Balken sind aktive Sternentstehungsgebiete, die von Gas gespeist werden, dass durch diese Balken hindurchfließt.

Das neueste Bild des Hubble Space Teleksops zeigt die 67 Millionen Lichtjahre entfernte Balkenspirale NGC 613  , die 1798 von William Herschel entdeckt wurde.

Bild: ESA/HST/NASA



Sonntag, 17. Januar 2021

Vom Ende eines Maulwurfs...

 Seit 26.11.2018 ist die NASA Sonde MarsInsight auf dem Mars. An Bord ist eine Vorrichtung der DLR, genannt Maulwurf, die sich etwa 5 m in den Marsboden hämmern sollte, um thermische Messungen vorzunehmen.

Zwischen dem 28.2.19 und dem 9.1.21 wurdne imemr wiede Versuche unternommen. Es herrschte so wenig Reibung in der Oberflächenschicht, dass die Sonde nicht vorankam. Zuletzt wurde mit einer Schaufel Sand nachgeschüttet und festgeklopft...Es half nichts, nach weiteren 500 Hammerschlägen gab man auf. 

Trotzdem wird die Mission fortgesetzt, die Verlängerung bis Dezember 2022 ist genehmigt. Noch viele andere Untersuchungen und Experimente warten auf die Durchführung. Aber der Marsmaulwurf ist Geschichte...

Bilder (NASA/ESA/DLR):

- Schemazeichnung des Landers mit der Bohrung

- Bohrvorrichtung auf dem Mars

- Der Bohrarm istn zurückgezogen worden

- Die Schaufel drückt Sand in das Bohrloch, um die Reibung zu erhöhen.





Samstag, 16. Januar 2021

Breaking News: Supernovaereignis datiert

 Eigentlich ist dieser Post auch eine Abwendung des Dopplereffektes und könnte in die Postreihe passen...

Mit Hifle des Hubble Space Teleskops HST konnte die Bewgeung eines Supernovarestes in der 200 000 Lichtjahre entfernten Kleinen Magellanschen Wolke genauestens verfolgt werden. Klumpen aus Gas (hauptsächlich ionisierter Sauerstoff) zeigen die Bewegung in Blickrichtung anhand des Dopplerfeffektes an.

Im Bild kommen die blau unterlegten Teile auf uns zu, die rot unterlegten Teile fliegen weg. Akltuelle Geschwinndigkeiten liegen bei 3,2 Millionen km/h.

Das lässt den Schluss zu, dass die Supernova vor relativ genau 1700 Jahren explodiert ist.

 Sie hätte von d r Südhalbkugel aus gesehen werden können, es sind aber keine Aufzeichnungen bekannt.

Bild NASA/ESA, Banoretz

Video: Zoom auf den Supernovarest zu




Freitag, 15. Januar 2021

Dopplereffekt in der Astronomie: V Sonnenrotation

Bestimmung der Sonnenrotation über den Dopplereffekt

Die Sonnenrotation kann man einfach dadurch beobachten, dass man die "Wanderung" der Sonnenflecken über die Sonnenscheibe verfolgt.

Den Rand der Sonne, der am Himmel am östlichsten steht, nennt man den Ostrand der Sonne. Die Sonnenflecken wandern auf der Sonne von Osten nach Westen.

Mit dem Dopplereffekt kann man die Bewegung des Sonnenrandes auf uns zu direkt beobachten.

Dazu lässt man Licht, über einen schmalen Spalt, vom Sonnenrand auf ein Gitter fallen und untersucht das Sonnenspektrum.

Im Spektrum sieht man dunkle Absorptionslinien.

Die schmalen unter ihnen entstehen in der Erdatmosphäre, meistens sind sie vom Sauerstoffmolekül. Mit ihnen kann man die Wellenlängenskala des Spektrums gut eichen.

Die etwas breiteren Linien entstehen in der Photosphäre der Sonne.

Sie sind breiter, weil die Photosphäre sehr heißt ist. Auch hier spielt der Dopplereffekt eine Rolle, das kommt aber in einem späteren Post.

Die Absorptionslinien der Photosphäre entstehen, weil die Atome der Photosphäre das Licht der darutner liegenden heißeren Gasschichten absorbieren.Da der Ostrand der Sonne sich durch die Sonnendrehung auf uns zu bewegt, sind alle diese Absorptionslinien leicht nach Blau verschoben.

Typische Verschiebungen bei 630, 25 nm sind 0,0038 nm. Daraus errechnet sich mit der Dopplerformel (siehe frühere Posts) eine Geschwindigkeit von 1,846 km/s.

Ist das die Rotationsgeschwindigkeit der Sonne?

Nein, denn die Erde bewegt sich auch um die Sonne, und zwar in die Richtung, in  er sich die Sonne dreht. Deswegen sind die gemessenen 1,846 km/s nur die Relativgeschwindigkeit zwischen Erde und dem Ostrand der Sonne.

Die Erde umläuft die Sonne mit einer mittleren Geschwindigkeit von 30 km/s. Das stellen wir durch einen Pfeil dar, der tangential zur Bahn verläuft. Diesen Geschwindigkeitsvektor projizieren wir auf die Verbindungslinie von der Erde zum Ostrand bzw. zum Westrand der Sonne.

Wir erkennen:

Die Erde läuft  vom Ostrand der Sonen weg und auf den Westrand der Sonne zu.

Da der Winkeldurchmesser der Sonne 0°,5 beträgt, ist der eingezeichnete Winkel  α = 89°,75.

Mit etwas Trigonometrie erhält man daraus für die Komponente der Erdbahngeschwindigkeit vom Ostrand weg bzw. auf den Westrand zu: 0,131 km/s.

Diesen Wert müssen wir zu dem gemessenen Wert von 1,846 km/s hinzuzählen.

 Damit erhalten wir die Rotationsgeschwindigkeit der Sonne zu 1,97  km/s

Anmerkung:

Die Sonne zeigt differentielle Rotation, d.h. sie rotiert am Sonnenäquator schneller als in den Polargebieten.  Die Äquatorgeschwindigkeit der Sonne liegt bei 1,98 km/s.

Das oben gerechnete Beispiel zeigt letztlich den Unterschied zwischen der siderischen (wahren) Rotationsdauer der Sonne (ungefähr 25.5 Tage) und der von der Erde aus beobachteten scheinbaren (synodischen) Rotationsdauer von etwa 27,5 Tagen. 

Weil die Erde sich in der gleichen Richtung um die Sonne dreht, erscheint uns die Rotation der Sonne verlangsamt.

Bild:  Fuchs, Haupt, Loose, Astronomie IV, Klett





 


Donnerstag, 14. Januar 2021

Konjunktion Mars-Uranus 2021

 Die nächste Planetenkonjunktion naht, allerdings nur für Besitzer eines Fernglases.

Der Planet Mars läuft recht dicht (ungefähr 1,5°) am nahezu still stehenden Planeten Uranus vorbei.

Während Mars mit etwa 0,8 mag sehr hell leuchtet, benötigt man für Uranus (5,8 mag) ein Fernglas.

Am 14.1. zieht gegen 19.57 Uhr noch ein recht heller Satellit (3,8 mag) sehr dicht an Mars vorbei.

Vom 20.1. bis zum 22.1. wandert die zunehmende Mondsichel durch das Blickfeld. Dadurch wird der Himmel natürlich aufgehellt, aber Uranus dürfte noch gut zu erkennen sein.

Die eigentliche Konjunktion ist dann am Abend des 20.1.

Sternkarten von Stellarium

Bild 1:Mein letztes Bild vom 10.1.

Bild 2: Sternkarte mit Satellit vom 14.1.

Bild 3: Animation der Konjunktion





Neuer Podcast: Was ist real?

 Auf meiner Homepage habe ich einen neuen Podcast veröffentlicht: Was ist real?

Realität, Wirklichkeit und Kants "Ding an sich".

https://www.natur-science-schule.info/podcasts

Podcast Realität

 



Mittwoch, 13. Januar 2021

Dopplereffekt in der Astronomie: IV Radialgeschwindigkeiten

 Nur Bewegungsanteile entlang der Sichtlinie führen zu Wellenänderungen durch den Dopplereffekt (Achtung: Das gilt nur für v<<c). Die dazu gehörenden Geschwindigkeiten nennt man Radialgeschwindigkeiten RG.

Jede Bewegung quer zur Sichtlinie kann man in eine radiale und eine tangentiale Komponente zerlegen.

wikipedia common rot: Raumbewegung, grün: RG, Blau: TG
Die Radialgeschwindigkeit RG führt zum Dopplereffekt, die Tangentialgeschwindigkeit TG führt zu einer Verschiebung am Himmel.

Solche Verschiebungen gibt man oft als Winkel pro Jahr oder pro Jahrhundert an. Dann spricht man von der Eigenbewegung EB am Himmel.

ESO

 

Wie groß die EB am Himmel ist, hängt nicht nur von der TG ab, sondern auch davon, in welcher Entfernung E das Objekt steht:

Für sehr kleine Winkel gilt (im Bogenmaß): EB = TG/E.

Je weiter ein Objekt entfernt ist, desto weniger verschiebt es sich am Himmel. Das gilt nicht nur für die EB, sondern auch für die Bewegung der Erde, die sich am Objekt widerspiegelt: Sterne stehen fix, Planeten wandern. Der Mars wandert in einem Jahr durch viele Sternbilder durch, Uranus steht jahrelang in einem Sternbild (zur Zeit in den Fischen).

Die EB kann man eventuell, wenn sie groß genug ist,  messen, die TG erhält man dann nur, wenn die Entfernung des Objektes bekannt ist.

Anders ist es bei der RG. Die ist sofort aus der Messung durch den Dopplereffekt bekannt.

 Da die astronomischen Objekte sich in der Regel deutlich langsamer als Licht bewegen (v<<c), erkennt man den Dopplereffekt nicht an einer Verfärbung. Damit er überhaupt messbar ist,,  braucht man Markierungen im Spektrum. Das sind in der Regel die Spektrallinien.

Aus Laborversuchen ist ihre normale Wellenlänge λ  bekannt. Der Unterschied Δλ zur beobachteten Wellenlänge ist dann direkt proportional zur Relativgeschwindigkeit v und führt zur RG.

Das alles folgt aus der in den früheren Posts besprochenen und hergeleiteten Dopplerformel für Licht:

 Δλ / λ = v / c


Welt der Physik

Orion über der Dunstglocke der Stadt

 Am Dienstagabend klarte es dann doch auf, zumindest zogen sich die Wolken zurück. Über der Stadt hing aber eine große Dunstglocke. Trotzdem konnte man Orion, Sirius und Procyon gut sehen.Mehr Infos zu den Sternbildern im Monatsthema Januar.

Bilddaten:
Blickrichtung SO, 20.48 Uhr, 30 mm, Blende 2,4, ISO 640, 8 sec




Dienstag, 12. Januar 2021

Dopplereffekt in der Astronomie: III Herleitung der Dopplerformel

 Heute möchte ich zeigen wie man die Dopplerformel für Licht für Geschwindigkeiten v, die sehr viel kleiner als die Lichtgeschwindigkeit c sind, herleiten kann.

Der Vorteil bei Licht ist, dass man nicht zwischen Bewegung der Lichtquelle und des Empfängers unterscheiden muss.

Für v << c gilt:

Während der Periodendauer P einer Lichtwelle entfernen  sich Sender und Empfänger mit der Geschwindigkeit v. Dies entspricht der Strecke v * P. Um genau diese Strecke erscheint die Wellenlänge verlängert. Es gilt also:

Δλ = v * P

Das ist die bekannte Formel: Zurückgelegter Weg = Geschwindigkeit mal Zeit

Die Periodendauer P ist der Kehrwert der Frequenz f der Welle: P gibt die Dauer einer Schwingung in Sekunden an, f die Anzahl der Schwingungen pro Sekunde.

Also gilt: Δλ = v/f         (1)

Nun ersetzen wir die Frequenz durch die berühmte Wellengleichung: c = λ * f, wobei c die Lichtgeschwindigkeit und λ die ursprüngliche Wellenlänge (ohne Bewegung) ist. Damit erhalten wir die Formel für f = c/λ.

Das setzen wir in Gleichung (1) ein und erhalten:

 Δλ = v * λ/c

 Das sortieren wir noch um:

    Δλ / λ   = v / c

Für v << c gilt: 

Die Wellenlängenänderung Δλ verhält sich zur Wellenlänge λ wie die Relativgeschwindigkeit v zur Lichtgeschwindigkeit c.

Bei einer Annäherung von Lichtquelle und Beobachter erhält man durch eine entsprechende Argumentation die gleiche Formel: 
Δλ ist die Verkürzung der Wellenlänge. Es kommt zu einer Blauverschiebung.

Das ist in dieser Skizze in leifiphysik dargestellt  (T entspricht P):


Nähern sich die Bewegung von Sender und/oder Empfänger der Lichtgeschwindigkeit an, so macht sich noch die Zeitdilation bemerkbar. Es gibt eine zusätzliche Wellenlängenänderung. Das nennt man den relativistischen Dopplereffekt. Bei ihm muss man auch unterscheiden, in welcher Richtung die Bewegung stattfindet.

Darauf soll hier aber nicht eingegangen werden.

 

Montag, 11. Januar 2021

Breaking News: Am Aderlass kann man sterben!

 Embargo bis 11.1., 17.00 Uhr

ALMA beobachtet sterbende Galaxie im frühen Universum

Wann fängt eine Galaxie an zu sterben?

Wenn sie keine neuen Sterne mehr bilden kann...Sterne sind so etwas wie der Stoffwechsel der Galaxie...

Bei einer Durchmusterung mit dem Mikrowellen-Interferometer ALMA in Chile wurden Signale von der Galaxie ID2299 aufgefangen. Die Laufzeit beträgt 9 Milliarden Jahre, d.h. die Galaxie wurde in der Frühphase des Universums beobachtet (Rotverschiebung z = 1,4).

Eindeutig konnte gezeigt werden, dass kaltes Gas aus der Galaxie herausströmt, etwa 25 000 Sonnenmassen im Jahr. Das ist ungefähr die Hälfte der Gasmenge in der Galaxie.

Zusätzlich wurde eine sehr heftige Sternbildung beoabachtet.

Beides zusammen wird dazu führen, dass in wengier als 100 Millionen Jahren die Galaxie keine neuen Sterne mehr bilden kann, also tot ist.

Üblicherweise führt man solche Gasströmungen auf die Aktivität supermassiver Schwarzer Löcher in den Zentren zurück. Hier gibt es aber Indizien, dass die Gasströmung die Folge einer Galaxienverschmelzung ist.

Das Bild zeigt eine künstlerische Darstellung (ESO, Kornmesser).

Die echten wissenschaftlichen Bilder sehen anders aus (HST; ALMA, Buglisis, Daddi):

Das erste Bild zeitgt eine Aufnahme im UV-Bereich durch das Hubble Space Teleskop, die anderen Aufnahmen sind Mikrowellenbilder bei verschiedenen Strahlungen von Kohlenstoff und CO.

Die Arbeit erscheint heute in Nature Astronomy.


 




 

Mars und Uranus im roten Zauberwald

 In letzter Zeit kann man die Stunden mit halbwegs wolkenfreiem Himmel an einer Hand zählen...

Am Sonntagabend sollte ein größeres wolkenfreies Gebiet über Kassel hinwegzuiehen.

Also fuhr ich zum Essigberg hoch.

Dort angekommen war aber immer noch alles bewölkt, außerdem machte das THW wohl eine Nachtübung und hatte den ganzen Hang ausgeleuchtet...Deshalb  ging ich den Waldweg Richtung Sendeturm entlang.

Nebelschwaden wurden rot angestrahlt, aber Mars tauchte über dem Turm auf (Handyaufnahme um 19.20 Uhr).


 Immer mehr zog sich die Bewölkung zurück:

Dann war der Blick zwischen den schneebedeckten, rot angeleuchteten Bäumen (vom Sendeturm) zu Mars, Uranus, Hyaden und Plejaden frei. Aufnahme um 19.40 Uhr


Mars hat sich deutlich Uranus angenähert. Am 20.1. wird er direkt bei ihm stehen.

Das rote Licht des Sendeturm und die Beleuchtung durch das THW waren doch störend. Deshalb fuhr ich zum Herbsthäuschen (Parkpaltz Stellwerk). Dort angekommen waren die Wolken weg, aber es war immer noch dunstig.

Auf der Aufnahme um 20.21 Tele um 20.24 Uhr)  Uhr sieht man auch Mira, unscheinbar geworden. Dieser Veränderliche war noch im Spätherbst gut mit freiem Auge zu sehen, jetzt braucht man ein Fernglas.



Zum Abschluss noch ein Blick Richtung Stadt auf den aufgehenden Orion (20.26 Uhr)






Sonntag, 10. Januar 2021

Dopplereffekt in der Astronomie: II relativistisch und nicht relativistisch

Im letzten Post hatten wir die vier möglichen Fälle erwähnt:

 1) Sender entfernt sich vom Empfänger

2) Sender läuft auf Empfänger zu

3) Empfänger entfernt sich vom Sender

4) Empfänger kommt auf Sender zu

Zu jeder dieser Fälle gibt es eine Formel. Dabei muss unterschieden werden, ob sich der Sender oder der Empfänger bewegt.

An einem einfachen Beispiel wird deutlich, dass man bei Schall zwischen der Bewegung von Sender und Empfänger unterscheiden muss:

Bewegt sich der Empfänger mit Schallgeschwindigkeit vom Sender weg, so hört er nichts. Totale Ruhe!

Bewegt sich der Sender mit Schallgeschwindigkeit vom Empfänger weg, so hört man sogar sehr viel: es gibt einen Überschallknall.

Die Formeln für den Dopplereffekt bei Schall stehen in der Formelsammlung.

Astronomen beschäftigen sich nicht mit Schall, sondern mit Licht...und bei Licht ist alles viel einfacher:

- Die Lichtgeschwindigkeit ist immer gleich groß, egal ob sich Sender oder Empfänger bewegen.

- Man muss nicht zwischen der Bewegung von Sender und Empfänger unterscheiden. Es kommt nur auf die Relativgeschwindigkeit an.

Das hat natürlich auch einen Nachteil: denn nun kann man nicht mehr unterscheiden, woher die Wellenlängenänderung kommt...durch Bewegung des Sternes, durch die Bewegung der Erde oder duch beides

Fassen wir zusammen:

Eine Verlängerung der Wellenlänge (niedrigere Frequenz) bedeutet bei Licht eine Rotverschiebung, eine Verkürzung der Wellenlänge eine Blauverschiebung.

Entfernen sich Lichtquelle und Beobachter voneinander, so sind alle Wellenlängen nach Rot verschoben.

Kommen sie aufeinander zu, so gib es eine Blauverschiebung.

Die Farben der Sterne kann man damit aber so, wie es Doppler wollte, nicht erklären. Dazu sind Sterne zu langsam.

 

aus: Welt der Physik

 Hier nun die einfache Formel für den Dopplereffekt bei Licht im nicht-relativistischen Fall (v<<c):

Δλ / λ   = v / c

Für v<<c gilt: Die Wellenlängenänderung Δλ verhält sich zur Wellenlänge λ wie die Relativgeschwindigkeit v zur Lichtgeschwindigkeit c.

Ganz wichtig: v ist hierbei die Bewegungskomponente in Blickrichtung!

Bewegungsanteile quer zur Blickrichtung machen sich im Dopplereffekt nicht bemerkbar.

In der Astronomie gibt es nur wenig Fälle, bei denen die Relativgeschwindigkeit an die Lichtgeschwindigkeit herankommt. Da muss man dann noch die Zeitdilatation verwenden.

Es gibt dann sozusagen zwei Dopplereffekte:

Durch die Zeitdilatation werden alle Frequenzen vergrößert, es gibt also eine Rotverschiebung. Diese Rotverschiebung tritt unabhängig von der Bewegungsrichtung auf, also auch bei Bewegungen senkrecht zur Blickrichtung.Das nennt man dann den transversalen Dopplereffekt.

Der "normale" Effekt durch Stauchung oder Streckung der Wellen tritt weiterhin nur in Blickrichtung auf, natürlich zusammen mit der Zeitdilatation. Das nennt man den longitudinalen Dopplereffekt.

 


 

Online-Vortrag über Quantenmechanik

 Do, 14.1., 18.00 Uhr

sfn-kassel.de/live

Die Welt der Quanten

Referent: K.-P.Haupt

In der Vortragsreihe über Photonen wollen wir Eigenschaften der Quanten und ihren Realitätsbezug diskutieren. Dabei sollen die Axiome oder Postulate der Quantenmechanik vorgestellt werden.

Dieser Vortrag ist anschließend zusammen mit den vorherigen Vorträgen auf www.natur-science-schule.info abrufbar. Dort kann man auch die Folien der Vorträge sehen.



Samstag, 9. Januar 2021

Dopplereffekt in der Astronomie: I Einleitung und Grundlagen

 In dieser Postserie möchte ich auf die vielfältigen Anwendungen des Dopplereffektes in der Astronomie eingehen.

Zuerst aber müssen wir Grundlagen zum Dopplereffekt aus der Postserie vom August wiederholen:

Christian Doppler (1803-1853) wollte eigentlich die Farben von Sternen in Doppelsternsystemen erklären...("Über das farbige Licht der Doppelsterne und einiger anderer Gestirne des Himmels").

Heute wissen wir, dass die Farben der Sterne durch die Oberflächentemperatur (und bei Rotverfärbung durch den interstellaren Staub) bestimmt sind, nicht durch ihre Bewegung. Dieser Bewegungseffekt ist zu klein.

Den akustischen Effekt konnte man aber mit einem auf einer Dampflokomotive mitfahrenden Trompeter und einem Musiker, der den Tonunterschied am Bahndamm genau analysieren konnte, experimentell zu Dopplers Lebzeiten nachweisen.



Leider wird immer noch die Rotverschiebung der Galaxienspektren durch die Expansion des Universums als Dopplereffekt interpretiert und sogar von der Flucghtgeschwindigkeit der Galaxien gesprochen...nicht nur in Laienkreisen...

Dazu habe ich sehr viel in der Postserie vom August und später geschrieben. In der Suchmaschine des Blogs muss man nur Rotverschiebung oder Dopplereffekt eingeben, dann kommt man leicht auf alle Seiten dazu. 

Wir halten hier nur fest:  

Die kosmische Rotverschiebung ist kein Dopplereffekt, denn sie kann nicht auf eine Bewegung der Galaxien zurückgeführt werden.

Der Dopplereffekt beschreibt eigentlich ein Transportphänomen:

Wenn ein Bäcker Teig auf ein Fließband zum Ofen legt, kommen die Teigstücke häufiger an, wenn der Bäcker sich dabei auf den Ofen zubewegt, und weniger häufig, wenn er vom Ofen, beim Auflegen der Teigstücke auf das Band, weggeht.

Bei Leifiphysik hat man das mit einem Mann symbolisiert, der ständig Hunde losschickt. Das Bild zeige ich mal. Da ich nie herausgefunden habe, wo all die vielen Hunde herkommen, nehme ich lieber den Bäcker und den Teig...

 Bei Wellen sind es die Wellenberge, die man sich anstelle der Teigröllchen auf dem Fließband vorstellen kann. Wenn die Wellenberge häufiger ankommen, erkennt man das als eine Verkürzung der Wellenlänge. Das nennt man Blauverschiebung, schließlich ist die Wellenlänge der Abstand zweier benachbarter Wellenberge.

Kommen die Wellenberge etwas seltener an, so verlängert sich die Wellenlänge. Das nennt man eine Rotverschiebung.

In der Schule behandelt man zwangsweise den Dopplereffekt bei Schall. Da muss man unterscheiden, ob sich die Schallquelle (der teigröllchenauflegende Bäcker) oder der Empfänger (hier der Ofen) bewegt.

Es gibt vier Fälle:

1) Sender entfernt sich vom Empfänger

2) Sender läuft auf Empfänger zu

3) Empfänger entfernt sich vom Sender

4) Empfänger kommt auf Sender zu

All das kann man in einer wunderschönen Animation bei Leifiphysik mal selbst ausprobieren:

 Simulation zum Dopplereffekt

 Im nächsten Post wiederholen wir dann noch mal die mathematischen Aspekte, bevor wir dann wirklich zu den Anwendungen kommen.

 

Freitag, 8. Januar 2021

Warum wir da sein können, Teil 7: Das anthropische Prinzip

 Wir haben in den letzten Posts gesehen, dass nur eine bestimmte, anscheinend genau aufeinander abgestimmte Größe von Naturkonstanten und Entwicklungen Leben ermöglicht.

Wir, als ein möglicher Lebenszustand im Kosmos, erkennen das.

Daraus können wir nur folgern: Das geht, weil eben Leben hier möglich ist.

John Leslie hat das klar formuliert: Intelligentes Leben kann nur dort sein, wo intelligentes Leben möglich ist.

Wir wundern uns ja auch nicht, warum wir Fische nur im Wasser finden.

Trotzdem werden andere Formulierungen als sog. anthropische Prinzipien diskutiert. Sie gehen auf Brandon Carter, 1973, zurück:

Allgemeines anthropisches Prinzip: 

Wir können nur solche Zustände im Kosmos erwarten, die mit unserer Existenz als Beobachter verträglich sind.

Schwaches anthropisches Prinzip: 

Wir leben da, wo es möglich ist. Konkret: auf einem Planeten im Kosmos, der die richtigen Bedingungen hat oder auch in einem Kosmos, in dem es solche Planeten geben kann.

Starkes anthropisches Prinzip:

Das Universum muss so beschaffen sein, damit Leben, insbesondere Beobachter, existieren können.

Ich denke, das allgemeine und das schwache anthropische Prinzip sind selbstredend und ohne tiefergehende Interpretation. Das starke anthropische Prinzip könnte auch eine zielgerichtete Erschaffung des Universums erforderlich machen.

In der Literatur werden auch andere Sichtweisen diskutiert:

- Die Feinabstimmung ist rein zufällig und bedarf keinerlei weitergehender Erklärung.

- Es gibt eine Erklärung, die wir für die Feinabstimmung aber noch nicht kennen. Dazu müssen wir  unsere physikalischen Kenntnsise vertiefen.

- Ein Schöpfer hat die Feinabstimmung genau so eingestellt, weil er wollte, dass sich bewusstes Leben im Kosmos bildet.

- Es gibt auch andere Abstimmungen der Naturkonstanten. Sie existieren in anderen Universen oder in anderen Bereichen unseres Kosmos, in die wir nicht einsehen können, weil sie zu weit entfernt sind. 

- Der Kosmos existiert in seinen verschiedenen Entwicklungsstufen nicht nacheinander, sondern alle Stufen sind vorhanden, da es die Zeit nur in unserem Empfinden gibt. Somit können Bewohner des Kosmos seine eigene Ursache sein. Sie werden dann sicher die Naturkonstanten so wählen, dass ihre Existenz nicht gefährdet ist. In diesem letzten Fall muss man natürlich eine Interpretation des Kosmos als eine mathematische Struktur, wie es Tegmark macht, oder als ein Computerprogramm, wie es Zuse gemacht hat, annehmen und ihm keine triviale Realität im Sinne eines materiellen Seins zusprechen.

 Ende der Postserie