Sonnenuntergang in Kassel (Lara Bendig)

Dienstag, 11. September 2018

Anflug an Asteroiden: Wir sind live dabei

Die japanische Raumsonde Hayabusa 2 wird in den nächsten Stunden sich zum ersten Mal dem 900m großen Asteroiden Ryugu nähern.

Ende Juni ist sie an dem 300 Millionen km entfernten Asteroiden angekommen und kreist seit dem in einem Abstand von 20 km mit ihm um die Sonne.
Am 25.8. wurde der Landeplatz für die europäische Landesonde MASCOT ausgewählt, die am 3.10. im freien Fall aufsetzen soll.
Kleinere Landesonden sollen schon im September aufsetzen.

Inzwischen hat sich das Raumschiff dem Asteroiden auf 850 m genähert und soll nun in den nächsten Stunden bis auf 30 m heranfliegen.

Wir werden hier mindestens stündlich die neuen Bilder vom Anflug zeigen.

Aktualisierung 14.9.: 

 Der Übungsanflug der japanischen Sonde musste in einem Abstand von 600 m ab gebrochen werden, da der Laser-Entfernungsmesser versagte (vermutlich zu wenig Reflexion von der dunklen Oberfläche).
Das ist der Grund, warum mitten in der Nacht die Bildübertragung aufhörte und auch in unserem Blog das letzte Bild von 5.58 Uhr MESZ ist.
 credit: Japan Aerospace Exploration Agency

11.9., 18.26 MESZ

11.9., 18.55 MESZ

Mit Astronomie Kassel live dabei!

11.9., 19.53 MESZ
11.9., 20.50 Uhr MESZ
11.9., 21.48 MESZ
11.9., 22.45 MESZ
11.9., 23.43 MESZ
12.9., 3.40 Uhr MESZ, Abstand 1500 m
12.9., 5.58 MESZ

Hintergrundinfos:

 Im Dezember 2014 wurde die japanische Raumsonde Haybusa 2 gestartet.
Sie soll den kohlenstoffreichen Asteroiden Ryugu erforschen, dessen Gestein etwa 4,5 Miliarden Jahre alt sein muss.

Am Bord befinden sich vier kleine Landesonden (MINERVA) sowie der in Deutschland und Frankreich entwickelte Landeroboter MASCOT.
Mascot soll nun am 3.10. auf dem dann 300 Millionen km von uns entfernten 900 m großen Gesteinsbrocken landen. Aus einer Höhe von 100 Metern wird sie innerhalb von 18 Minuten im freien Fall aufsetzen.
Die Landestelle liegt auf der Südhälfte von Ryugu, dort herrschen Temperaturen zwischen - 63°C und + 47°C. Mit einem Schwungarm kann die Sonde mindestens einmal ihre Position wechseln.
Die Batterien reichen für insgesamt 16 Stunden Forschungstätigkeit aus.


Die Raumsonde wird vorher noch auf der Nordhälfte vier kleine japanische Rover absetzen, die Gesteinsuntersuchungen machen sollen, und am Äquator einen künstlichen Krater erzeugen und dabei aufgewirbeltes Gestein aufsaugen und zur Erde zurückbringen (Abwurf 2020).

Dazu wird  ein 2 kg großes Kupfer Stück in den Asteroiden geschossen. Einerseits kann man aus der Bahnänderung etwas über mögliche Ablenkung von Asteroiden lernen, die die Erde bedrohen könnten, und aus dem entstandenen Krater werden von Mascot Proben entnommen.

So kommt man an das ursprüngliche Material vom Beginn des Planetensystems heran.


Man vermutet große Mengen ursprüngliches organisches Material und Wassereis auf dem Asteroiden und hofft durch diese Mission etwas über den Ursprung des Lebens zu erfahren.


Am Bau des Landers war das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt beteiligt.

Montag, 10. September 2018

Lichtblitze am Himmel: Mo und Do

Zwei sehr helle Iridiumflares sind in den nächsten Tagen zu sehen:

Heute, Mo, 10.9., 20.14 Uhr
Links unterhalb der Wega hoch im SE etwa - 4 mag (Venushelligkeit)
Wer auf der Linie Hofgeismar - Felsberg beobachten kann, wird es sehr viel heller sehen, weil man dort direkt im Lichtkegel des reflektierten Sonnenlichtes ist.

Do, 13.9., 22.47 Uhr
Rechts unterhalb Capella, tief im NO, ähnlich hell wie Venus

Aktuelle Ergänzung: Um 22.51 Uhr tritt neben dem vorherigen Flare ein weiteres, etwas lichtschwächeres auf..

Zur Erinnerung:
Die Lichtblitze entstehen, wenn gut reflektierende Satellitenteile das Sonnenlicht über ein eng begrenztes Gebiet auf die Erde reflektieren.


In einem Beitrag im blog vom 1.9. stehen mehr Bilder und mehr Infos.

Die neue Programmversion des sehr empfehlenswerten Programms "Stellarium" zeigt auch die Entwicklung der Lichtblitze an (man sieht den Satelliten sich bewegend immer heller werden).

Zwei Screenshots von Stellarium helfen beim Beobachten.
oben: Flare von heute, unten vom Donnerstag, Screenshot Stellarium
 So sieht ein Flare aus (frühere Aufnahme):

Tiefstand

Abends sieht man den Großen Wagen im Nordwesten. er geht aber in Kassel nicht unter, da er zu dicht am Polarstern steht:

Da die Höhe des Polarsternes über dem Horizont gleich der geographischen Breite ist, gehen alle Sterne, deren Abstand zum Polarstern weniger als 51°,5 beträgt für Kassel nicht unter. Es sind Zirkumpolarsterne.

Um 2.00 Uhr erreicht der Große Wagen seinen Tiefstand im Norden, wer in der Morgendämmerung an den Himmel sieht, erkennt ihn im Nordosten beim Aufsteigen.

Das Bild entstand heute Nacht um 1.58 Uhr, es zeigt den Großen Wagen über dem Rammelsberg mit aufsteigendem Dunst und Nebel.
Man achte auf den mittleren Deichselstern Mizar-Alkor, der aus zwei Sternen besteht.

Der Große Wagen tief im Norden über dem Rammelsberg, 10.9., 1.58 Uhr

Wer die Umrisse der Sternbilder sehen möchte, kann diese ältere Aufnahme benutzen:

Blick nach Norden am 7.8. um 23.10 Uhr


Am Dienstag, 7.8. gegen 23.10 Uhr ist dieses Bild gemacht, es zeigt den Himmel im NW und N, also über dem Habichtswald. Deshalb ist der Hintergrund deutlich dunkler als beim letzten Bild.
Auffallend ist der Große Wagen mit den (scheinbaren) Doppelstern Mizar-Alkor. Gut erkennen lässt sich auch der gesamte Große Bär mit Kopf und Tatzen.
Verlängert man die Verbindungslinie der hinteren beiden Kastensterne etwa fünf Mal, so trifft man auf den Polarstern, der genau im Norden steht.
Er steht am Ende der Deichsel des Kleinen Wagens, die sich auf dem Bild nach links erstreckt.
Von der Stadt aus kann man häufig nur die hinteren beiden Kastensterne des Kleinen Wagens und den Polarstern erkennen.

(aus der App übernommen)

Sonntag, 9. September 2018

ISS für Frühaufsteher

Bis wir die ISS wieder am Abendhimmel über Kassel sehen können, vergeht noch eine gute Woche.




Aber am Montag früh zieht sie von Westen nach Osten voll über Kassel hinweg, also durch das Zenit (höchster Punkt): 6.04 Uhr bis 6.11 Uhr.
Die Sonne ist dann noch nicht aufgegangen, die ISS ist also gut in der Dämmerung zu erkennen.

Vergleichbares gilt für Mittwochfrüh:
Von 5.57 Uhr bis 6.03 Uhr zieht sie ebenfalls von West nach Ost, aber nicht ganz so hoch, über den Himmel.
Vor allem für Mittwoch wird klarer Himmel erwartet und es ist noch ein bisschen dunkler als am Montag.

ISS neben M31, Mark Woskowski

ISS über Jupiter, KPH


(aus App übernommen)

Samstag, 8. September 2018

Und sie dreht sich doch....

Es gibt Mails, über die man sich sehr freut:

Hallo liebes Team des Astronomischen Arbeitskreises Kassel,

durch den Beitrag in der Astronomie-App vom 26.08. über den Polarstern habe ich mir letzte Nacht gedacht, ich probiere mal, ein Sternspurenfoto zu erstellen, um die Drehung der Erde abzubilden.
Das angehängte Foto ist dabei herausgekommen; wenn Sie möchten/ihr möchtet, können Sie/könnt ihr das gerne für die App verwenden (falls das zu viel oder unpassend ist, kann's aber auch einfach ignoriert oder archiviert werden :D ). Das Foto habe ich mit dem Sternenmodus meiner Handykamera (ZTE Blade V8) gemacht, von circa 23:07 Uhr bis 0:44 Uhr (97 Minuten) wurden knapp 250 Bilder automatisch übereinandergelegt. Jedes Bild wurde 23,5 Sekunden belichtet (ISO 800). Die hellen Streifen/Sterne im oberen rechten Bildbereich sind die Cassiopeia.
Ich freue mich, bald mal wieder in der Sternwarte vorbeizuschauen, dieses Jahr war ich bisher dreimal da. Danke für die tolle Arbeit in der App und der Sternwarte!

Viele Grüße und bis zum nächsten Mal

Matthias Kranixfeld
Aufnahmedatum 5.9.

Freitag, 7. September 2018

Jocelyn Bell Burnell erhält 3 Millionen Dollar Breakthrough Prize

Jocelyn Bell Burnell hat 1967 im Rahmen ihrer Doktorarbeit die ersten Signale von Pulsaren (Neutronensterne) gefunden und richtig gedeutet.
Den Nobelpreis erhielt aber ihr Doktorvater.

Aus der Begründung für die höchste Ehrung, die sie jetzt erhalten hat: "Bell Burnell ist nicht nur ein Pionier und ein Riese auf diesem Gebiet, sondern auch ein Vorbild auf höchstem Niveau – eine Vorkämpferin für Frauen in der Wissenschaft, die sich gegen die Ungleichbehandlung von Frauen in den MINT-Fächern ausspricht."

 Ich begegnete ihr 2012 zum ersten Mal auf einer Tagung in Dublin, wo sie einen faszinierenden Vortrag über Sternentwicklung hielt. Ich konnte sie nach Kassel einladen und im November 2013 besuchte sie uns für 3 Tage, gerade 70 Jahre geworden.
Jocelyn Bell Burnell 2013


Das Bild hängt signiert im Büro


Sie sprach mit den Teams im SFN, hielt nur für sie einen Vortrag im SFN.
Bei einem gemeinsamen Abendessen im Seminarraum der Sternwarte gab es noch viele Gespräche, auch mit unseren Jugendlichen.

Am nächsten Tag konnten über 400 Jugendliche aus ganz Kassel im großen Hörsaal des Fachbereichs Elektrotechnik einem weiteren Vortrag von ihr lauschen.



Sie hat einen motivierenden Eindruck hinterlassen, die unvergleichbare lebendige anschauliche Art ihrer Vorträge hat alle in Begeisterung versetzt.

Das hohe Preisgeld des Breakthrogh Preises will sie zur Finanzierung von Stipendien für in Naturwissenschaften unterrepräsentierte Gruppen von  Menschen verwenden.

(eine gekürzte Version ist auch in der App)

Donnerstag, 6. September 2018

Jupiter hat drei magnetische Pole

Am Abendhimmel ist Jupiter immer kürzer sichtbar, die Raumsonde Juno überwacht ihn aber seit 2016.
Die Bahnen der Raumsonde führen über Nord- und Südpol von Jupiter, damit diese genauer beobachtet werden können.

Heute wurde in der Zeitschrift Nature ein Bericht veröffentlicht, der die Magnetfeldmessungen durch Juno beschreibt:
Der Südpol liegt dicht an der Rotationsachse und sieht normal aus, der Nordpol dagegen ist eher verschmiert.
Auffällig ist ein zweiter Südpol dicht am Jupiteräquator.
Er wird, wegen der Färbung in den Magnetkarten, Great Blue Spot genannt.

a) Nordpol, b) Südpol c) Zweiter äquatornaher Südpol

Es könnte sein, dass sich das Magnetfeld Jupiters gerade umkehrt und der dritte Magnetpol eine vorübergehnde Erscheinung ist.
(credit: Kimberley Moore et al., Nature 561, 2018)

(übernommen aus der App)

Juno hat u.a. die Nordhalbkugel aus einem Abstand von 11500 km fotografiert:


NASA/JPL-Caltech/SwRI/MSSS/Gerald Eichstäd/Seán Doran


Mittwoch, 5. September 2018

Bald ist er weg.....

Jupiter ist nur noch für kurze Zeit in der Dämmerung zu sehen..
Das Bild entstand heute um 20.44 Uhr, etwa eine halbe Stunde vor der vergleichbaren Aufnahme am 28.8.

5.9. um 20.44 Uhr, Richtung SW, Zubenelgenubi rechts unterhalb Jupiter, über den Wolken)
28.8., unten im 1200 mm Tele mit Jupitermonden


Vor allem wenn man mit dem Bild vom 21.8. vergleicht, erkennt man wie weit sich Jupiter von Zubenelgenubi (im Bild rechts unterhalb von Jupiter, über den Wolken) entfernt hat.

Jupiter und Zubenelgenubi am 21.8.

Es nützt nichts...die Sonne rennt hinterher und holt ihn ein...

(aktuell aus der App entnommen und durch die alten Bilder ergänzt)

Interessantes über Regenbögen


Das Bild hat Hans Schneider aus Ahnatal am 13.8. gemacht.


Wir sehen einen Regenbogen, wenn das Sonnenlicht hinter uns steht und wir auf eine Regenwand blicken.

Beim Eindringen des Sonnenlichtes in die Wassertropfen wird es gebrochen und dabei in einzelne Farben aufgespalten. An der Rückwand des Tropfens wird es dann total reflektiert und beim Austreten erneut gebrochen und weiter aufgepalten.
Da blaues Licht stärker gebrochen wird, befindet es sich im Hauptregenbogen innen.

Wird der Lichtstrahl zweimal im Tropfen reflektiert, so kehren sich die Farbfolgen um. Beim lichtschwächeren, weiter außen liegenden, Nebenregenbogen ist Blau außen.

Viele parallel verlaufende Lichtstrahlen dringen in einen Tropfen ein und dieser bündelt sie beim Austritt unter einen bestimmten Winkel.

Deswegen fehlt Licht in andere Richtungen und somit ist es zwischen Haupt- und Nebenregenbogen etwas dunkler (Alexanders Dunkles Band).
Für den helleren Bereich ganz innen habe ich keine Erklärung gefunden.

Nur Wassertropfen, die in einer bestimmten Höhe stehen, senden eine bestimmte Farbe in unser Auge. Beim Fallen trägt ein bestimmter Tropfen nacheinander zu allen Farben bei:
Innnerhalb eines Bereiches von einigen Dutzend Metern schickt er oben erst rotes Licht und nach einigen Sekunden Fallen unten das blaue Licht in unser Auge.
Und jeder Beobachter sieht andere Wassertropfen, die "seinen" Regenbogen erzeugen.


Max Lichtschlag hat am 25.8. um 18.40 Uhr eine sehr seltene Regenbogen-Erscheinung fotografiert.
Auf seinen Bildern sieht man den normalen Regenbogen, den Dunkelraum oben drüber und darüber den Sekundärbogen (zweimal totalreflektiertes Licht).


Auffallend ist aber der sehr helle pinke Rand des unteren Bogens und wenn man genau hinsieht (in der App kann man die Bilder vergrößern)erkennt man darunter 1..2 hellere, leicht angefärbte Streifen.
Das nennt man überzählige Regenbögen.

Sie entstehen durch Interferenz, also Überlagerung der Lichtwellen.

Dazu muss es ein- und austretende jeweils parallele Lichtstrahlen geben, die aber unterschiedlich lange Wege im Wassertropfen zurücklegen und deshalb "auseinanderlaufen", einen Gangunterschied erhalten. Unter bestimmten Winkeln verstärken sie sich oder schwächen sich ab, auch abhängig von der Wellenlänge (Farbe).

Der pinke Rand entsteht, wenn ein rotes Interferenzmaximum mit dem blauen Licht des normalen Bogens zusammen fällt.
Darunter liegen maximal noch zwei weitere Maxima...mehr geht nicht, da die Kohärenzlänge des Sonnenlichtes zu klein ist: Die Wellenzüge im Sonnenlicht sind fast immer kürzer als drei Wellenlängen.

Solche Interferenzerscheinungen sind nur möglich, wenn die fallenden Regentropfen alle fast gleich groß sind....das kommt eben nicht allzu häufig vor...

(aus zwei News-Meldungen der App vom August übernommen)

Dienstag, 4. September 2018

Flares..hier und dort...

Das für den Westen Kassels angekündigte Flare war, erwartungsgemäß, in Kassel nicht sonderlich hell.
Hinzu kommt sehr dunstiger Himmel bis hin zu Nebel (und ein Nachbar, der das Flare mit seiner Taschenlampe anleuchtete....).
Das erste  Bild ist mit ISO 200 und 15 Sekunden Belichtung heute um 21.54 Uhr in Kassel entstanden, es ist lediglich der Satellit ab seiner größten Helligkeit bis zum Abdunkeln zu sehen...aber eben nicht sehr hell...wir lagen eben nicht unter dem Reflex...
Restlicht eines Blitzes in Kassel

Das nächste  Bild hat Christian Hendrich heute um 20.41 Uhr in Westhausen bei Aalen (Schwäb.Alb) gemacht. Es könnte der gleiche Satellit sein, der einen Umlauf vorher von Westhausen gesehen sichtbar war. Passt leider nicht...der Zeitabstand ist für einen Umlauf etwa 20 Minuten zu kurz...Außerdem habe ich einen Blitz von einem Ascot-Satelliten gerade noch so erwischt, bei Christian Hendrich war es ein Iridium 58 Satellit.
Die ähnliche Lage ist also reiner Zufall..
Flare über Westhausen
.(aus der App übernommen)

Heute, Di, 4.9. heller Blitz am Himmel

Nach langer Zeit mal wieder:
Aufleuchten eines 850 km entfernten Satelliten im reflektierten Sonnenlicht um 21.54 Uhr links unterhalb von Deneb im Schwan, etwa so hell wie Venus, für mehrere Sekunden.
Hoch am Himmel über dem Osthorizont.
Der hellste Blitz ist auf einer Linie Warburg - Homberg zu erwarten, aber zumindest im Westen von Kassel dürfte auch noch etwas zu sehen sein.

Es lohnt sich schon  einige Minuten vorher zu beobachten, so genau sind die Berechnungen nicht..

Ungefähre Lage des Flares


Montag, 3. September 2018

Was sind eigentlich Polarlichter?

Vor langer Zeit konnte ich im Winter in Island Polarlichter sehen. Das ist eine sehr beeindruckende Leuchterscheinung, die zwar am Himmel großräumig auftritt, aber auch die Wahrnehmung der Landschaft in einer besonderen Weise beeinflusst.
Leuchtturm in Akranes (credit: Theo Schacht 2015)


Im Herbst und im Frühjahr sind sie am Polarkreis besonders häufig.

Die folgenden drei Bilder zeigen Polarlichter über den Faröer -Inseln, vom Flugzeug aus aufgenommen.




Polarlicht von oben (credit: NASA)

Polarlichter werden vor allem vom Sonnenwind erzeugt.
Der Sonnenwind besteht aus der wegfliegenden äußeren Gasschicht der Sonne, der Korona.

Im Zentrum ist die Sonne auf 15 Millionen Grad aufgeheizt, dann kühlt sie sich zum sichtbaren Rand auf etwa 6000 Grad ab.
Aus noch nicht gut bekannten Gründen heizt sich dann das äußere dünne Gas der Korona  wieder auf mehrere Millionen Grad auf (vermutlich spielen Magnetfelder dabei eine Rolle).

Die Schwerkraft der Sonne kann dieses heiße Gas nicht mehr festhalten, es strömt also als Sonnenwind von der Sonne fort. Der Sonnenwind besteht aus Protonen, Elektronen und Heliumatomkernen, die sich mit einigen Hundert Kilometern in der Sekunde bewegen.

Das Erdmagnetfeld schützt uns vor dem Sonnenwind, fängt aber auch einige der Protonen und Elektronen ein, lenkt sie zu den Polen der Erde. Von hier aus können sie in die Lufthülle eindringen und mit den Stickstoff- und Sauerstoffatomen der Luft zusammenstoßen. Die Luftatome werden ionisiert, und wenn sie die Elektronen wieder einfangen entsteht das Leuchten des Polarlichtes.

Rotes und grünes Polarlicht kommt von Sauerstoff in Höhen von 100 km bis 200 km, Stickstoff leuchtet eher bläulich.

Besonders intensiv werden Polarlichter wenn sog. Coronal Mass Ejections CME auftreten, also Milliarden Tonnen Koronagase zur Erde geschleudert werden.

Koronaler Auswurf (credit: NASA)


Am 2.9. 1859 traf eine solche Plasmawolke die Erde, veränderte das Erdmagnetfeld so stark, dass durch Induktionsströme Telegraphenleitungen und - stationen durchbrannten.

Gäbe es heute so eine CME dieser Stärke, so würden viele unserer Kraftwerke und Trafostationen weltweit zerstört.

Erst seit wenigen Jahren hat man diese Gefahr erkannt und baut neue Anlagen entsprechend sicher.

Das Erdmagnetfeld lenkt den Sonnenwind besodners längs des sog. Polarlicht-Ovals zur Erde.

Dies kann man auch sehr schön bei dieser Saturnaufnahme sehen, hier erkennen wir sozusagen Polarlichter von oben.

Polarlichter 2017 auf Saturn (credit:ESA/Hubble, NASA, A. Simon (GSFC) and the OPAL Team, J. DePasquale (STScI), L. Lamy (Observatoire de Paris)

Allerdings wird bei Saturn  Wasserstoff zum Leuchten gebracht. Dabei entsteht UV-Strahlung, so dass man die Saturnpolarlichter nicht von der Erdoberfläche aus sehen kann.

Das Hubble Space Teleskop hat aber 2017 über längere Zeit den Nordpol des Ringplaneten aus der Erdumlaufbahn beobachtet und die UV-Polarlichter gesehen.

(erscheint nicht in der App, da dort in mehreren News Meldungen das Thema behandelt wurde).

Vor 159 Jahren

Am 1.9.1859 beobachtete man einen riesigen Strahlenausbruch (Flare) auf der Sonne und einen Tag später wurden in einer Coronal Mass Ejection CME über eine Milliarden Tonnen heißes Koronagas zur Erde geschleudert.

Es gab weltweit Polarlichter (sogar in Äquatornähe) und Telegraphenstationen fingen wegen der hohen durch Magnetfelder induzierten Ströme Feuer.

Polarlichter über den Faröer Inseln


Etwa alle 100 Jahre kann man mit einem solchen Ereignis rechnen...wir sind längst überfällig...

Aber erst seit einigen Jahren werden unsere elektrischen Einrichtungen gegen solch starke Magnetfeldänderungen gesichert...

Würde ein solches Ereignis morgen passieren, würde es aber noch zu weltweitem Stromausfall führen können...

Aber keine Angst: Wir sind in einem langen Aktivitätsminimum der Sonne, noch für einige Jahre...

NASA Simulation des Jahrhundertereignisses
(Bild: NASA)

Sonntag, 2. September 2018

Septemberhimmel: Es wird langsam Herbst


Es wird Herbst
Astronomisch beginnt der Herbst, wenn am 23.9. die Sonne genau über dem Erdäquator steht, aber schon jetzt prägen die Herbststernbilder den östlichen Abendhimmel.

Nach Sonnenuntergang hat man noch eine gute Chance den hellen Gasriesen Jupiter tief im Südwesten am Himmel zu sehen. Links davon, im Süden, strahlt der Mars, nicht ganz so hell wie im Juli, aber immer noch dominierend. Mit etwas Glück sieht man dann zwischen Mars und Jupiter den Ringplaneten Saturn.
Über Mars finden wir Atair, den hellsten Stern im Sternbild Adler und links oberhalb vom Adler steht der Schwan mit dem hellen Schwanzstern Deneb.
Diese hochstehenden Sternbilder gehören noch zu den Sommersternbildern. Weil es jetzt immer früher dunkler wird, können wir sie noch bis in den Winter hinein abends sehen.

Das wohl auffälligste Herbststernbild ist die Cassiopeia, deren hellste Sterne den Buchstaben „W“ bilden.
Unter der Cassiopeia steigt der Perseus nach oben. Dieses Sternbild erinnert an ein auf dem Kopf stehendes „Y“.
In einer sehr klaren Nacht, vielleicht vom Stadtrand aus, auf alle Fälle mit einem Fernglas, erkennt man ein unscheinbares Sternenwölkchen genau zwischen dem ersten W-Strich der Cassiopeia und dem oberen Teil des Perseus: Hier liegen zwei offenen Sternhaufen eng beieinander: h und Chi im Perseus.
Dies sind 7600 Lichtjahre entfernte etwa 70 Lichtjahre große Ansammlungen einiger hundert Sterne, die gemeinsam vor 6 Millionen Jahren (Chi, der rechte Haufen) und vor 11 Millionen Jahren (h) entstanden sind, sozusagen Kinderstuben von Sternen.

Am rechten unteren Ende des Perseus steht Algol, ein sog. Bedeckungsveränderlicher. Er wechselt alle 2,9 Tage für 10 Stunden seine Helligkeit, da er aus einem lichtschwächeren Stern besteht, der den helleren Hauptstern umkreist und manchmal abdunkelt. Am 13.9. ab 22.30 Uhr und am 16.9. ab 20.00 Uhr kann man sehen wie Algol von Stunde zu Stunde wieder heller wird.

Links unterhalb vom Perseus steht der 43 Lichtjahre entfernte Riesenstern Capella im Fuhrmann.
So sieht der Herbsthimmel in Kassel mit freiem Auge aus (Aufnahme vom August um Mitternacht)

Von Algol wegführend nach rechts steht die Sternenkette der Andromeda, die in das große Herbstviereck übergeht, das zum Sternbild Pegasus gehört.
Über dem mittleren Stern der Andromedasternenkette sieht man bei sehr dunklem Himmel, auf alle Fälle wieder mit dem Fernglas, einen Lichtfleck:
Hier steht die Andromedagalaxie M31, ein aus über 300 Milliarden Sternen bestehendes Sternsystem.
Es ist über 2,5 Millionen Lichtjahre von uns entfernt.

Weiter kann man mit dem freien Auge nicht sehen.

Planeten im September:
Merkur: ist nur am Monatsanfang am Morgenhimmel zu sehen
Venus: bis Monatsmitte unmittelbar nach Sonnenuntergang tief  im Südwesten
Mars: steht abends im Süden, hellstes Objekt am Himmel
Saturn:  dicht am Horizont, rechts von Mars
Jupiter: verschwindet schnell am Südwesthorizont


Sternkarte:
Sternkarte Mitte September, gegen 21.00 Uhr (credit: Bernd Holstein, AAK)