Sonnenuntergang in Kassel (Lara Bendig)

Dienstag, 19. Februar 2019

Supermond: Der Super-Unsinn des Jahres

Eigentlich ignoriere ich Pressemeldungen über den Supermond, aber heute morgen hatte ich keine Chance...In "Koschwitz am Morgen" bei HR 1 übertrumpfte sich das Moderatoren - Trio mit Unkenntnissen und der Weitergabe von Unsinn:
Höhepunkt 1: "Um 10.02 Uhr sollte man unbedingt zum Mond schauen, da ist er am größten...." (Hinweis: Zu der Zeit steht ein Vollmond immer unter dem Horizont...).
Höhepunkt 2: " Bei uns auf dem Land sind Mond und Sterne sowieso  alle größer und heller, da fällt mir der Supermond gar nicht auf..."

Ich bin entsetzt. Nicht nur, weil sogenannte Journalisten allen möglichen Unsinn ungeprüft weitergeben, sondern weil anscheinend ein großer Teil der Mitmenschen auf solche Schlagzeilen reinfallen und deshalb für den Erhalt solcher Meldungen sorgen....

Und auch "Computer-Bild" kann sich nicht beherrschen:
" Wenn am 19. Februar 2019 die Sonne untergeht, mutiert der Vollmond zum Supermond. Der Erdtrabant strahlt dann größer und heller als gewöhnlich – weil der Erde näher ist als sonst."
Die Autoren sprechen von einer spektakulären Himmelserscheinung.
Spektakulär finde ich nur den Blick in die menschliche Dummheit!

Natürlich findet heute der Vollmond in Erdnähe statt...das passiert mehrmals im Jahr und ist ohne direkten Vergleich zu anderen Vollmonden  (ev. durch Fotografien) nicht erkennbar. 

Und dass der Vollmond am Horizont größer erscheint (obwohl er da etwas weiter weg von uns steht), ist eine optische Täuschung...


Informationen zum Super-Vollmond:

Bei Vollmond steht der Mond von der Erde aus gesehen der Sonne gegenüber. Er geht also abends bei Sonnenuntergang im Osten auf und wenn am nächsten Morgen sich die Sonne über den Osthorizont erhebt, kann man den Vollmond im Westen untergehen sehen.
Da der Mond sich nicht auf einer Kreisbahn sondern auf einer leicht abgeplatteten Ellipsenbahn um die Erde bewegt, schwankt seine Entfernung zur Erde: sie liegt zwischen 356500 km und 406000 km. Im Mittel sind es rund 384400 km. Logischerweise erscheint er uns größer, wenn er näher an der Erde steht. Das fällt besonders auf, wenn der Mond bei Vollmond auch seine größte Erdnähe hat. Dies ist am 19.2.19 der Fall. In dieser Nacht erscheint uns der Vollmond rund 8% größer als im Durchschnitt.
Das wird man kaum erkennen können, da wir ja keinen unmittelbaren Vergleich haben. Aber ein einfaches „Erinnerungsfoto“ ermöglicht den Vergleich mit dem Vollmond im Dezember oder Januar!
Der Mond hat durchaus Auswirkungen auf die Erde, zum Beispiel trägt er viel zu Ebbe und Flut bei und bewirkt auch Auf- und Abbewegungen der Lufthülle. Durch seine Anwesenheit stabilisiert er auch die Drehachse der Erde, so dass wir feste Jahreszeiten haben, die sich nur extrem langsam über 26 000 Jahre verschieben.
Die größere Erdnähe am 19.2. wird aber keine besonderen Auswirkungen haben und durch Menschen selbst nicht spürbar sein. Wir brauchen also keine Angst vor dem Riesen-Vollmond zu haben!
Auf eine wichtige optische Täuschung, die jeder sicherlich schon einmal gesehen hat, muss in diesem Zusammenhang hingewiesen werden:
Zwangsweise sehen wir den Vollmond beim Aufgang oft zwischen Häusern und Bäumen dicht am Horizont stehen. Dann erscheint er uns wirklich unmittelbar besonders groß. Aber  hier spielen uns unser Gehirn und unser Wahrnehmungssystem einen Streich. Das kann man auf zwei Arten überprüfen: Fotografieren Sie den scheinbar riesigen Mond…auf dem Bild ist nur ein kleiner Lichtfleck zu sehen. Oder strecken Sie ihren Arm aus und bedecken Sie den Vollmond mit einer Fingerkuppe. Wenn Sie das auch bei einem höher stehenden Vollmond machen, merken Sie, dass es keinen Unterschied gibt.
Eigentlich stehen wir beim Mondauf- und untergang sogar 6400 km weiter vom Mond entfernt, er erscheint uns also sogar 1,5% kleiner als in höherer Stellung am Himmel! Die scheinbare Vergrößerung des Mondbildes bei Auf- und Untergang ist nicht restlos verstanden, sie geschieht auf alle Fälle durch den Wahrnehmungsapparat unseres Gehirnes.
Unsere Sinne ergeben uns ja eh kein Bild der Realität sondern unser Gehirn konstruiert ein Modell der scheinbaren Wirklichkei.
Von mir favorisiert wird folgende Erklärung:
Für unsere Vorfahren lauerten Gefahren in Horizontnähe auf Bäumen. Ungewöhnliche Objekte in dieser Höhe wurden also vergrößert wahrgenommen. Und für die meisten von uns ist ein Vollmond dicht am Horizont etwas nicht alltägliches!

Vielleicht kann ich ihn heute Abend fotografieren, den Super-Mond oder mir schickt jemand spektakuläre Bilder zu?


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen